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    Köln

    Verbraucher müssen nicht um Lebensmittelversorgung fürchten

    Leer gefegte Nudel-Regale, Toilettenpapier Mangelware und hier und da sogar Verkaufsmengenbegrenzungen in den Geschäften: Die Auswirkungen der Coronaviruskrise auf den Lebensmittelhandel sind nicht zu übersehen. Dennoch geben Edeka, Rewe, Aldi und Co. Entwarnung.

    Die Warenversorgung in Deutschland sei trotz der erheblich gestiegenen Nachfrage gesichert, betonten die Handelsketten.

    - Volle Regale: Die Warenversorgung in Deutschland ist nach Angaben der großen Handelsketten weiter gesichert. Edeka und Rewe betonten, sie hätten in den vergangenen Tagen die Frequenz der Warenbelieferung bereits erhöht, um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden. Aldi, Real und Kaufland äußerten sich ähnlich.

    - Wo viele Lebensmittel herkommen: Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels betonte, dass viele Erzeuger ohnehin in Deutschland selbst sitzen. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium gilt das insbesondere für Fleisch-, Milch-, und Getreideprodukte. Hier wurde im Jahr 2018 jeweils deutlich mehr produziert als im Inland verbraucht wurde. Deutlich schwächer fiel diese Bilanz zuletzt allerdings mit rund 38 Prozent für Obst und Gemüse aus. Hier stammte ein Großteil der Produkte aus anderen Ländern. „Deutschland ist mit heimischen Lebensmitteln gut versorgt, so dass Hamsterkäufe nicht notwendig sind”, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. „Grundnahrungsmittel wie Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse wird es weiterhin in ausreichender Menge geben.” Auch die Futterversorgung der Tiere sei gesichert, sodass Fleisch, Wurst oder Milch ebenfalls weiter verfügbar seien.

    - Lieferungen aus dem Ausland: Auch bei Warenlieferungen aus dem Ausland gibt es bisher laut Rewe keine Probleme. Die in den vergangenen Tagen verhängten Beschränkungen bezögen sich nur auf den Personen-, nicht auf den Warenverkehr. Die Transportzeiten hätten sich durch die Grenzkontrollen allerdings verlängert. Um mögliche transportbedingte Schwankungen auszugleichen, habe der Konzern den Lagerbestand erhöht.

    - Das sagen die Behörden: Die Europäische Kommission empfahl, für Lastzüge gesonderte Fahrspuren einzurichten, damit sie an den Grenzen nicht aufgehalten würden. Krankenhäuser, das Gesundheitssystem im Allgemeinen und die Patienten bräuchten Nachschub an medizinischem Material. Ähnliches gelte für Lebensmittel und die Industrie. „Wir haben Hinweise auf kilometerlange Staus an manchen Grenzübergängen”, sagte Behördensprecher Eric Mamer in Brüssel. Es müsse aber sichergestellt sein, dass Waren rechtzeitig ihre Empfänger erreichten. Der italienische Nudelhersteller Barilla betonte unterdessen, dass aktuell keine seiner Produktionsstätten von größeren Einschränkungen betroffen sei. Auch die Logistik funktioniere „auf sehr gutem Niveau”.

    - WO gibt es Probleme? Während der Einzelhandel noch versucht, mit dem Kundenansturm fertig zu werden, verzeichnet der Lebensmittelgroßhandel einen enormen Nachfrageeinbruch, weil immer mehr Schulen, Kitas und Restaurants den Betrieb einstellen. Besonders seitens des Gastgewerbes seien die Auswirkungen zu spüren, sagte Marcus Schwenke, Geschäftsführer des Großhandelsverbands Foodservice. „Die Leute gehen aber auch nicht mehr in die Betriebskantinen, weil sie Homeoffice machen. Das Gleiche gilt für Kitas und Schulkantinen, die überall geschlossen werden”, sagte Schwenke. Er betonte, es sei dem Großhandel im Notfall möglich, auch Supermärkte zu beliefern, sollte es dort aufgrund der hohen Nachfrage zu Engpässen kommen. „Das wäre überhaupt kein Problem, selbst auch sensible Waren wie Käse und Fleisch zu liefern”, sagte er. „Ich glaube aber nicht, dass wir im Moment schon in dieser Situation sind.”

    - Keine Hamsterkäufe notwendig: Der Lebensmittel-Einzelhandel appellierte indes erneut an die Verbraucher, nur so viel einzukaufen, wie es der unmittelbare Bedarf erfordert. „Bitte seht von Hamsterkäufen ab”, rief der Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, Christian Böttcher, die Verbraucher auf. „Damit leisten wir alle einen Beitrag, dass alle was bekommen.”

    Von Matthias Arnold und Erich Reimann, dpa

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