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    WÜRZBURG

    Damit keiner heult: Checkliste für die Feiertage

    Tempotaschentücher, Trostpflaster, Baldriantee? Auch Oropax können nicht schaden, will man das Fest unbeschadet übersteh... Foto: Thinkstock

    Wunschzettel? Iwo. Die Checkliste ist das wichtigste vor und an Weihnachten. Das gilt auch für all jene, die glauben, sie könnten locker alles im Kopf behalten. Nun gut, das glauben meistens die Herren der Schöpfung, deren Liste sich auf das Holz für den Ofen, das Heranschleppen des Weihnachtsbaumes und ausreichende Wein-, Sekt- und Biervorräte beschränkt.

    Okay, okay, das ist ja schon mal was. Allerdings fühlen sie sich darüber hinaus nur selten für etwas zuständig. Ein Trugschluss, denn an Weihnachten gelten andere Gesetze. Da reihen sich Notfälle zuweilen schneller aneinander, als man gucken kann – und dann sind alle gefordert . . .

    Zur besseren Einstimmung auf die drohenden Katastrophen sollten Sie mit Ihrer Checkliste anfangen, wenn Ihre Dreijährige gerade die Schokoladentäfelchen aus den fertigen Weihnachtsbriefen geklaubt und die Hände an den frisch bezogenen Esszimmerstühlen abgewischt hat, um dann mit Oma schreiend ans Fenster zu laufen, weil der Hund des Nachbarn sich in der Lichterkette Ihrer großen Zeder verfangen und dabei in seiner Aufregung den Wurzelballen des fünf Meter hohen Baumes komplett freigelegt hat.

    Schreiben Sie auch dann tapfer weiter an Ihrer Liste, wenn Ihr pubertierender Sohn zur allgemeinen Beruhigung am Klavier das zugegeben wunderschöne Stück „River flows in you“ anstimmt und seine kleine Schwester dazu aus voller Kehle „Sneeflöcksen, Eisröcksen, warum kommt du desneit“ singt und Oma Ihnen ungerührt rhythmisch dazu Bericht ablegt über den Tag im Allgemeinen und Speziellen.

    Legen Sie den Stift auch dann nicht aus der Hand, wenn sich nach einer geschlagenen Stunde „River flows in You“ der Wasserfarben-Malbecher ihrer Tochter mit braun-grüner Brühe über die eben von Ihnen mühsam gereinigten Esszimmerstühle ergießt, zeitgleich die Plätzchen im Ofen verbrennen und Oma sie eindringlich darauf aufmerksam macht, dass Ihre Nieren in dieser gebeugten Putzhaltung freiliegen und es deshalb nicht verwunderlich sei, dass Sie schon wieder Bronchitis hätten.

    Sollte jetzt kein romantischer Fluss mehr in Ihnen fließen, sondern nur noch heiße Lava, sekündlich bereit, als Vulkanausbruch aus Ihnen herauszuschießen, dann sind Sie schon fast am Ziel. Verlassen Sie das Haus ohne Checkliste. Zwar verpassen Sie dann die Erledigung Ihrer zuvor notierten Punkte „Oma zur Post bringen“ und „Kinder verpacken“, dafür können Sie nun stundenlang mit einer Rolle Geschenkpapier unterm Arm auf dem Bahnsteig herumlaufen. Und mal ganz entspannt darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist an Weihnachten (von der Weihnachtsgeschichte mal abgesehen). Batterien zum Beispiel. Ein Ersatzbaum. Wärmepflaster. Die wichtigsten Punkte haben wir für Sie mal hier zusammengefasst. Und bitte nehmen Sie unsere Tipps sehr ernst . . .

    Der Ersatzbaum

    Sie kennen das vom Adventskranz und dem hübschen echten Tannengrün in Ihrem Zuhause. Die Biester sind bis zum Schluss tadellos, dunkelgrün und vorzeigbar. Bis zum Schluss. Genauer gesagt, bis zum Heiligabend. Sobald die Geschäfte schließen, rieselt es. Keinen Schnee, sondern Nadeln. Während sich das Elend bei Zweigen und Kranz ja noch in Grenzen hält, bedeutet es an anderer Stelle eine Katastrophe.

    Ich sage nur: „Erna, der Baum nadelt“ (ein wunderbares, humorvolles Büchlein in verschiedenen Dialekten; sei Ihnen hiermit wärmstens empfohlen). Ja, klar, wenn man den Baum schon fünf Wochen vorher im Baumarkt kauft, kein Wunder, werden Sie nun sagen.

    Auch wir haben das immer schuldbewusst vermutet – und im vergangenen Jahr bei einer Verkaufsveranstaltung im Wald einen Baum selbst geschlagen. An Heiligabend zerbröselte der Baum beim Schmücken quasi unter meinen Händen. Dem nackten Christbaum folgte die nackte Panik. Doch dann die Erlösung: Wir haben ja einen Ersatzbaum! Der aus dem Baumarkt, der sein billiges Dasein draußen im Vorgarten fristen durfte. Sie sehen: Der Trend geht völlig zu Recht zum Zweitbaum.

    Batterien

    Wer Kinder im spielfähigen Alter hat (Männer bitte unbedingt miteinrechnen), könnte an Heiligabend eine ganz böse Überraschung erleben: Dann, wenn bei acht von zehn Geschenken, die nur mit Batterien funktionieren, keine Batterien dabei sind. Das „Not inclusive“ auf der Verpackung sticht Ihnen schmerzhaft ins Auge, weil Sie sofort checken, dass Sie A: überhaupt keine Batterien im Haus haben, oder B: über keine AAA-Batterien in so großer Anzahl verfügen.

    Bevor sich also Ihre Kinder parat machen zum gigantischsten Wutausbruch aller Zeiten oder noch schlimmer mit verzweifeltem Schluchzen das ferngesteuerte Auto, den Hubschrauber oder die noch stumme und bewegungslose interaktive Puppe in die Luft halten, sorgen Sie dafür, dass sich Batterien aller Art in großem Umfang im Haus befinden! Und: Überprüfen Sie schon beim Kauf, ob in den Technikbaukästen wirklich alles drin ist! Es gibt Menschen, die klauen im Laden ganze Motoren aus den Schachteln und legen die Verpackung zurück ins Regal. Das ist vor allem an Weihnachten ein ganz bitterer aber eben auch realistischer Gedanke.

    Brandschutzcreme

    Sie mögen lächeln über Zeitgenossen, die ausgerechnet an Weihnachten Verbrennungen davontragen, wo doch jeder weiß, dass man da besonders aufpassen muss. Sorgen Sie trotzdem vor, denn es ist wie mit dem Regenschirm. Hat man ihn dabei, regnet es nicht. Und überprüfen Sie um Himmelswillen VOR den Feiertagen die Haltbarkeit Ihrer Medikamente. Eine Brandschutzcreme aus dem Jahr 1998 dürfte nicht mehr wirklich wirken. Wobei eine Behandlung mit eiskaltem Wasser und Kühlpausen dazwischen ohnehin das Beste ist.

    Wärmepflaster und Motivationssprüche

    Ja, dieser Tipp dürfte Sie überraschen. Aber auch nur, wenn Sie keine Kinder im Lego-Alter haben. Andere Eltern wissen genau, was auf Sie zukommt, wenn das Paket mit der ersehnten Ritterburg oder dem Piratenschiff erst mal aufgerissen ist. Ihr Heiligabend ist damit im Prinzip gelaufen. Wer Glück hat und ohne Pause arbeitet, schafft es noch in die Mitternachtsmette. Andere fallen morgens um vier todmüde und hungrig ins Bett und haben Alpträume von kleinen Plastikteilen, die „Alle Jahre wieder“ grölen. Glücklicherweise ist die Nacht um sechs Uhr wieder rum, weil der Nachwuchs dann froh gelaunt mit dem Spielen beginnen möchte und lautstark die notwendigen Restarbeiten einfordert. Sie allerdings haben üble Schmerzen im Bandscheibenbereich und so was von keine Lust. . . Wer jetzt ein Wärmepflaster zur Hand hat und ein Motivationsbuch mit Durchhalteparolen, ist schnell wieder mit dabei.

    Alkoholfreies Bier oder Bargeld für Taxis

    Wer an Weihnachten die Damen des großelterlichen Kegelklubs eingeladen hat, sollte den Stimmungspegel im Auge behalten. Oder Vorsorge treffen und sehr genau prüfen, ob das Bier im Keller tatsächlich alkoholfrei ist. Ist Ihnen das zu viel Aufwand, halten Sie genügend Bargeld bereit. Sonst werden Sie die kichernden und volltrunkenen Schwestern bis zum nächsten Tag nicht mehr los, bloß weil Opa den Damen das falsche Bier serviert hat und niemand genug Geld für ein Taxi dabei hat. Glauben Sie mir, das ist alles schon passiert!

    Waschpulver und Teppichreiniger

    Wenn Sie glauben, sie könnten die Wäsche mal über die Feiertage ruhen lassen und brauchen deshalb auch nicht unbedingt neues Waschpulver kaufen – Fehlanzeige! Denn natürlich wird eines Ihrer Kinder Brechdurchfall oder die halbe Familie Läuse bekommen. Auch eine verkohlte Gans kann dazu führen, dass manche Wäschestücke ganz schnell in die Maschine müssen, das gleiche gilt für Rotweinflecken und andere Unfälle. Wichtig, weil sie immer dann fehlen, wenn man sie am nötigsten braucht: Tesafilm, Mitbringsel, Streichhölzer, Toilettenpapier.

    Beruhigungstee und Zwieback

    Auch und gerade über Weihnachten kann man krank werden oder einen nervösen Magen bekommen. Sorgen Sie vor und halten sie auch gesunde Lebensmittel wie trockenes Brot, Zwieback, Bananen und Salzstängchen vor. Nein, Schokoplätzchen mit Fettglasur sind nicht magenschonend. Und zur Beruhigung kann man durchaus auch mal statt Grappa oder Ramazzotti einen schönen Johanniskrauttee trinken.

    Notstromaggregat

    Der Wunsch nach einem solchen Gerät wird oft belächelt, denn wann bitte schön gibt es bei uns schon mal einen längeren Stromausfall? Ja, das haben die Menschen in Nordrhein-Westfalen auch immer gedacht, bis eines Tages an Weihnachten ein Schneesturm die Strommasten reihenweise zum Einknicken brachte und viele Bürger tagelang ohne Heizung und warmes Wasser klarkommen mussten. Man sollte allerdings zunächst Stillschweigen über so ein Besitzteil wahren, denn sonst stehen unter Umständen am ersten Weihnachtsfeiertag nicht nur die Nachbarn, sondern wildfremde oder unliebsame Zeitgenossen vor Ihrer Haustür Schlange, um bei Ihnen zu duschen. Seien Sie im Notfall nicht zu hart.

    Ach ja, übrigens: Es ist Weihnachten!

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