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    WÜRZBURG

    Erdbeeren, Kirschen, Zwetschgen: Obsternte ist viel früher dran

    Obstbauer Herbert Leibold aus Fahr bei Volkach erntet dieses Jahr seine Süßkirschen von der Sorte Bellise früher als son... Foto: Thomas Obermeier

    Die Erdbeerernte in Unterfranken ist im vollen Gange. „Durch das schöne Wetter reiften die Erdbeeren sehr schnell und so haben wir eine große Angebotsmenge“, sagt Thomas Riehl, Obstbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

    So viele Früherdbeeren wie noch nie

    Fränkische Erdbeeren sind in der Regel von Ende Mai bis Mitte Juli erhältlich. In diesem Jahr wohl nur bis Ende Juni. In den drei fränkischen Regierungsbezirken werden dann zwischen zwölf und 15 Millionen Schalen Erdbeeren geerntet. In diesem Jahr ist durch den Hochsommer im Mai alles ein bisschen früher dran. „In Unterfranken gab es so viele Früherdbeeren wie noch nie“, sagt Riehl, der als Obstbauberater für Unter- und Oberfranken zuständig ist. Die ersten Freilanderdbeeren konnte bereits am 20. Mai geerntet werden.

    Für den Obstbau in Unterfranken sind vor allem die Gebiete entlang des Mains von Bedeutung. Diese gehören, neben der Oberrheinebene und dem Neckartal, zu den wärmsten Landschaften in Deutschland. Die Bodenverhältnisse variieren stark und reichen von sehr fruchtbaren Lössböden im Ochsenfurter Gau bis zu den leichten und schnell erwärmbaren Sandböden an der Mainschleife bei Volkach.

    Kirschernte startet früh

    In der letzten Maiwoche hat in Franken auch schon die Kirschernte begonnen, auch am Obsthof von Herbert Leibold in Fahr am Main (Lkr. Kitzingen). Die frühe Sorte, die bei ihm als erste auf den Bäumen gereift ist, heißt Earlise. Leibold zeigt sich zufrieden mit der diesjährigen Ernte. „Das Jahr hat ganz langsam angefangen, und dann gab es einen kräftigen Schub. Plötzlich hat alles auf einmal geblüht.“ Nun hängen auch bei den Sorten, die später reifen als Earlise, Süßkirschen dicht an dicht. Kirschen werden in Franken vor allem in Forchheim, Volkach (Lkr. Kitzingen) und Leinach (Lkr. Würzburg) angebaut.

    Mitte Juni können die fränkischen Obstbauern mit der Zwetschgenernte beginnen. Normalerweise werden die ovalen blauen bis violetten Früchte von Mitte Juli bis Anfang Oktober geerntet. In diesem Jahr beginnt die Ernte also gut vier Wochen früher. Mit rund drei Vierteln der Fläche ist Franken das Zentrum des bayerischen Zwetschgenanbaus. Der erwerbsmäßige Anbau von Zwetschgen in Bayern erstreckt sich über etwa 600 Hektar, davon über 400 Hektar in Unterfranken. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts durch die Reblaus in Franken viele Flächen für den Weinbau verloren gingen, wurden die vorhandenen Obstanbauflächen erweitert und vor allem für den Zwetschgenanbau genutzt, sagt Riehl. Um ihr Einkommen wieder zu stabilisieren, verkauften die Bauern die Zwetschgen auch an die vielen kleinen Brennereien im Maintal. Das traditionelle Fränkische Zwetschgenwasser – in Kriegsjahren begehrtes Schwarzhandelsprodukt – gilt seitdem als besondere Spezialität der Region.

    Lediglich starke Gewitter mit Hagel könnten die Obsternte in Franken noch gefährden. Denn in diesem Jahr gibt es laut Auskunft des Obstbauberaters auch weniger Schädlinge. Wenn der Sommer weiter so gut bleibt, stehe einer guten Ernte nichts im Weg.

    Wo in Unterfranken Obst angebaut wird

    Die Schwerpunkte des unterfränkischen Obstbaus befinden sich in den Landkreisen Kitzingen, Würzburg, Miltenberg und Aschaffenburg. Vorherrschend sind Klein- und Mittelbetriebe. „Bei uns gibt es fast ausschließlich Familienbetriebe, Großbetriebe mit Anbauflächen über 30 Hektar sind selten“, sagt Riehl. Es gibt in Unterfranken derzeit 40 Haupterwerbsbetriebe mit überwiegendem Obstanbau, 300 Haupterwerbsbetriebe mit Kombination Weinbau/Obstbau oder Ackerbau/Obstbau und 350 Nebenerwerbsbetriebe mit Obstbau.

    Erdbeeren

    Erdbeeren sind mit einer Fläche von 2400 Hektar die bedeutendste Obstkultur in Bayern. Die Erdbeerzeit ist stark vom Wetter abhängig: Je nach Region und Witterungslage blühen Erdbeeren von April bis Mai und können in milden Regionen ab Mai und bis in den September hinein geerntet werden. Geschmack und Süße der Erdbeeren lassen sich nicht von außen erkennen. Kleine Erdbeeren schmecken nicht besser als große und dunkelrote Sorten sind nicht unbedingt süßer als hellrote. Hier hilft nur Ausprobieren.

    Stolze 230 Tausend Tonnen Erdbeeren wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verzehrt – trotz Ernteeinbußen. Jeder Deutsche hat damit fast drei Kilogramm gegessen. Die meisten Deutschen geben heimischen Produkten den Vorzug: Denn mit 58,9 Prozent fiel der Selbstversorgungsgrad 2017 sogar höher aus als im ertragsreicheren Jahr 2016 (58,3 Prozent). Pro Kilo gaben Erdbeer-Fans dabei rund 4,30 Euro aus.

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