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    VEITSHÖCHHEIM

    Was gegen Schädlinge im Garten hilft

    Fast alle chemischen Pflanzenschutzmittel schaden der Umwelt und gefährden die Gesundheit von Mensch und Tier. Auch im eigenen Garten bekämpfen solche Mittel nicht nur die Schädlinge, sondern oft auch Nützlinge wie Marienkäfer und vor allem die Kleinstlebewesen in der Erde. Diese haben die Aufgabe Vitamine in die Pflanze zu geben. Um nährstoffreiches Obst und Gemüse ernten zu können, sollte man daher auf Chemie im Garten verzichten.

    Der Boden muss gesund sein

    „Im Gartenbereich geht es immer ohne Pestizide“, sagt Jürgen Amthor, Mitgründer der Eußenheimer Manufaktur, ein Familienbetrieb im Spessart, der Mikroorganismen zur Bekämpfung von Schädlingen herstellt und verkauft. „Eine Voraussetzung ist der gesunde Boden. Hat man einen gesunden Boden, dann hat man gesunde Pflanzen und somit auch weniger Schädlinge.“ Dabei sollte man unbedingt auf Umgraben sowie das Düngemittel Blaukorn verzichten und biologischen, organischen Dünger verwenden.

    Für Marianne Scheu-Helgert, Gartenexpertin der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg), ist die Aufmerksamkeit der Gärtner das beste Pflanzenschutzmittel. „Man sollte seine Pflanzen jeden Tag beim Schlendern durch den Garten mit Freude begutachten“, betont sie. So erkennt man frühzeitig ob eine Pflanze mit Schädlingen besetzt ist und kann wirksam ohne Gift gegen sie vorgehen.

    Im Frühsommer sollte man an seinen Pflanzen besonders nach Blattläusen Ausschau halten. Am besten sucht man die Pflanzensaft-Sauger auf Blattunterseiten sowie nahe an Ansätzen der Blüten und Blätter. Werden die Übeltäter entdeckt, sollte man sie einfach mit den Fingern zerdrücken. Bei robusteren Pflanzen wie zum Beispiel der Rose kann man die Läuse auch alle drei Tage mit einem feinen Strahl aus dem Gartenschlauch zum Fallen bringen. Die Wenigsten schaffen es, wieder hoch zu krabbeln.

    Insektenfreundlich sein

    „Natürliche Gegner der Blattläuse sind Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegenlarven, aber effizienter sind Schlupfwespen und Schwebfliegen“, meint die Gartenbauwissenschaftlerin. „Eine Schlupfwespe belegt etwa 50 bis 100 Läuse. Ihre Eier legt sie direkt in die Blattläuse und die schlüpfenden Larven höhlen die Läuse dann von innen aus.“ Damit man viele dieser nützlichen Tierchen in den Garten bekommt, sollte er naturnah und insektenfreundlich gestaltet werden. Dafür sind auch im Februar und März blühende Pflanzen notwendig, denn die Schlupfwespen und Schwebfliegen stärken sich an Nektar und Pollen.

    Für den Marienkäfer und alle anderen Nützlinge spielt vor allem die Laubschicht im Herbst zur Überwinterung eine große Rolle. „Wenn man seinen Garten mit dem Laubsauger schon ausgesaugt hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass man Winterquartiere von Tieren zerstört hat“, meint Scheu-Helgert.

    Generell sollte man nicht nur Obst und Gemüse in seinem Garten säen, sondern auch mit Blumen arbeiten. „Über geeignete Blumenmischungen oder auch Sträucher und Hecken bekommt man eine Vielfalt in den Garten, welche die Nützlinge anziehen“, sagt Gartenexperte Amthor. „Diese können für die Schädlingsbeseitigung sorgen und somit einen natürlichen Ausgleich schaffen.“

    Schnecken konsequent absammeln

    „Bei Schnecken ist es wichtig, schon im Herbst zu beginnen, diese konsequent abzusammeln“, empfiehlt Scheu-Helgert. Denn Schnecken legen von September bis in den Winter hinein ihre Eier. Die Entwicklung bis die Larven schlüpfen, kann mehrere Monate dauern. Damit das Absammeln schneller geht, kann man alte Blätter zum Beispiel vom Rhabarber oder Chinakohl im Garten auslegen, darunter verkriechen sich die Schnecken gerne über den Tag.

    Mit der richtigen Sortenwahl lasse sich der Schneckenbefall auch minimieren. Eisbergsalat ist bei den Schnecken äußerst begehrt, daher sollte man im Frühjahr lieber rotblättrige Salatsorten pflanzen. Der Bitterstoff in den roten Salaten schmeckt ihnen nämlich nicht so gut.

    „In meinem Garten steht ein Holunderstrauch, der mit Läusen befallen ist. Dagegen mache ich gar nichts, worüber sich der Marienkäfer freut“, so die Gartenexpertin. Als Gärtner sollte man auch eine gewisse Weitsicht haben und manches der Natur einfach überlassen. „Es muss nicht jede Laus bekämpft werden“, sagt Jürgen Amthor. „Der Garten ist keine Wohnung, in der alles picobello sauber sein muss. Man muss Pflanzen den Raum geben, um zu gedeihen.“

    Tipps:

    Eußenheimer Manufaktur: In dem Familienbetrieb in Eußenheim (Lkr. Main-Spessart) werden mikrobiologische Produkte für den Garten hergestellt. Der Betreib arbeitet mit sogenannten „Effektiven Mikroorganismen“, die für ein gutes mikrobielles Gleichgewicht im Garten sorgen: www.protop-antioxidans.de

    Landesgartenschau: Die Staatliche Meister- und Technikerschule für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim ist vom 26. Juli bis 2. August zum Thema „Genussvolles aus der Kiste“ bei der Landesgartenschau mit einem eigenen Stand auf der Fläche des Landwirtschaftsministeriums vertreten. Zudem kann man die Experten der LWG am 9. Mai, 13. Juni, 11. Juli, 1. August und 12. September von 10 bis 15 Uhr über das Gartentelefon erreichen Tel. (09 31) 98 01 1-47.

    Jürgen Amthor von der Eußenheimer Manufaktur referiert am Montag, 28. Mai, und am Montag, 4. Juni, auf der Landesgartenschau am Hubland in Würzburg zu dem Thema „Ökologische Garten- und Landwirtschaftskonzepte mit nachhaltigem Humusaufbau zur Rettung des Weltklimas“. Zudem ist die Eußenheimer Manufaktur an mehreren Tagen zwischen dem 16. und 4. Oktober auf der LGS anzutreffen. TEXT: Lsch

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