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    Berlin

    Leitungswasser oder Mineralwasser - was ist gesünder?

    Im Wasserwerk Schwebberg der Stadtwerke Lohr am Main wird das Quellwasser zu Trinkwasser aufbereitet und ständig kontrolliert. Foto: Thomas Obermeier

    Mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit sollte ein Erwachsener pro Tag trinken. Wasser ist der beste Durstlöscher. Für manche Menschen ist es eine Glaubensfrage, was sie trinken: Leitungswasser oder Mineralwasser aus dem Supermarkt? Ina Bockholt, Redakteurin für Ernährungsthemen bei der Stiftung Warentest, antwortet.

    Frage: Was spricht für Leitungswasser?

    Ina Bockholt: Leitungswasser ist unschlagbar günstig – für einen Liter ist inklusive Abwasserkosten nur rund ein halber Cent fällig. Trinkwasser ist überall verfügbar und das am besten untersuchte Lebensmittel in Deutschland – die Qualität gilt als insgesamt gut.

    Sollte ich zuhause einen Filter benutzen?

    Bockholt: Nein. In Wasserfiltern können sich Keime ausbreiten. Um Schad­stoffe zu entfernen, sind private Filter in Deutsch­land grund­sätzlich nicht nötig.

    Was spricht für Mineralwasser?

    Bockholt: Mineralwasser ist etwas für Leute, denen ihr Trinkwasser nicht schmeckt oder die ihm aus irgendwelchen Gründen misstrauen. Flaschenwasser ist praktisch für unterwegs und einige Mineralwässer können zur Mineralstoffversorgung beitragen.

    Ina Bockholt Foto: Stiftung Warentest
    Fehlen mir Mineralstoffe, wenn ich nur Leitungswasser trinke?

    Bockholt: Nein. Mit einer normalen, ausgewogenen Ernährung versorgen Sie sich ausreichend mit Mineralstoffen. Wer aber zum Beispiel keine Milch mag oder verträgt, dem kann ein kalziumreiches Mineralwasser helfen. Ein Mineralwasser mit viel Sulfat kann die Verdauung ankurbeln. 

    Was ist sicherer: Leitungs- oder Mineralwasser?

    Bockholt: Beide Wasserarten sind sicher. Mineralwasser stammt direkt aus unterirdischen Quellen und wird gleich nach der Förderung abgefüllt. Leitungswasser wird aus Grundwasser, Flüssen, Seen und Talsperren gewonnen und in Wasserwerken aufbereitet – das heißt, dass sie Keime und unerwünschte Stoffe entfernen. Große Wasserwerke untersuchen das Leitungswasser dreimal täglich. Mineralwasser wird seltener untersucht.

    Kommen Keime auch ins Mineralwasser?

    Bockholt: Unterm Strich ist das Mineralwasser in Bezug auf Keime in Ordnung. Wenn Sie es allerdings direkt aus der Flasche trinken, können Keime hineingelangen. Das lässt sich vermeiden, indem man aus einem Glas trinkt.

    Forscher der Medizinischen Universität Wien haben kürzlich Mikroplastik in menschlichem Stuhl nachgewiesen. Wie sieht es mit Plastik-Partikeln in PET-Mineralwasserflaschen aus?

    Bockholt: Wir haben Mineralwasser noch nicht auf Mikroplastik untersucht, denn wir hätten mögliche Befunde nicht seriös bewerten können. Forscher in Münsterhaben aber im Januar diesen Jahres 38 Mineralwässer in Plastikflaschen untersucht und im Schnitt 120 Mikroplastik-Partikel pro Liter gefunden. 

    Welches Wasser ist für Säuglinge geeignet?

    Bockholt: Leitungswasser. Die Trinkwasserverordnung definiert Grenzwerte so, dass es selbst empfindlichste Menschen ein Leben lang trinken können. In Gegenden, in denen das Grundwasser wegen intensiver Landwirtschaft viel Nitrat enthält, müssen Wasserwerke für geringere Werte im Trinkwasser sorgen – indem sie das Grundwasser mit nitratarmem Wasser mischen. Wenn Eltern aber auf Nummer sicher gehen wollen, kaufen sie ein Mineralwasser, das für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgelobt ist.

    Wie gehe ich auf Nummer sicher, was die Qualität meines Leitungswassers angeht?

    Bockholt: Private Analysen sind sinn­voll, wenn über marode Haus­anschlüsse Schad­stoffe ins Wasser gelangen könnten, wie giftiges Blei aus alten Leitungen. Analysen auf Blei kosten für Haushalte mit Schwangeren und Babys nichts, sonst oft 15 Euro. Ähnlich teuer sind Tests auf Metalle und Keime. Andere Prüfungen kann man sich sparen.

    Warum?

    Bockholt: Vor dem Hausanschluss müssen die Wasserversorger das Wasser regel­mäßig auf 70 Para­meter der Trink­wasser­ver­ordnung wie Nitrat und Pestizide kontrollieren und die Daten bekannt geben. Diese Analyse würde privat etwa 600 Euro kosten. Nicht geprüft werden muss das Wasser auf Spuren­stoffe wie Arznei­mittel, die wir in unserem Test von Trinkwasser aus 28 Städten und Gemeinden in unkritischen Gehalten fanden. Die Preise für diese Hightech-Untersuchungen liegen oft bei mehr als 1 000 Euro. Verbraucher sollten nur Labore auswählen, die nach Trinkwasserverordnung akkreditiert sind.

    Zur Person
    Ina Bockholt ist seit 18 Jahren Redakteurin für Ernährungsthemen bei der Stiftung Warentest in Berlin. Die 48-Jährige beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Mineralwasser,- und Trinkwasseruntersuchungen. Die Stiftung Warentesthat im Juli 2018 30 Mineralwässer der stark sprudelnden Sorte Classic getestet. 17 waren gut.

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