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    Berlin

    Der Honda E ist ein Charmeur im City-Dschungel

    Honda E       -  Nicht nur die runden Scheinwerfer machen den Honda E zu einem charmanten Stadtauto. Punkten kann er auch mit seiner digitalen Ausstattung und einem kleinen Wendekreis.
    Nicht nur die runden Scheinwerfer machen den Honda E zu einem charmanten Stadtauto. Punkten kann er auch mit seiner digitalen Ausstattung und einem kleinen Wendekreis. Foto: Honda AG/dpa-mag

    Honda kommt spät aber gewaltig: In nur zwei Jahren wollen die Japaner für ihre sechs meistverkauften Modelle einen elektrifizierten Antrieb anbieten und den Anfang machen sie mit ihrem ersten reinen Akku-Auto für Europa.

    Voraussichtlich ab Mai soll der Honda E zu Preisen ab 33.850 Euro gegen Neuheiten wie den elektrischen Mini, den Peugeot 208, den Opel Corsa-E und den Renault Zoe antreten.

    Ein Design, das aus der Reihe fällt

    Während der Name eher einfallslos ist, fällt das Design aus der Reihe: Als wäre er der Held in einem Manga-Comic, sieht der Honda E mit seinen riesigen Kulleraugen aus wie ein auf die Straße entwischtes Spielzeugauto. Und ohne dabei so kühl und futuristisch zu wirken wie etwa ein BMW i3 oder das hauseigene Brennstoffzellen-Modell Clarity, ist seine Sonderstellung auf Anhieb zu erkennen. Nicht umsonst erinnern die schwarzen Glanzpaneele an Kühler und Heck an Smartphone-Displays. Die Türgriffe sind windschnittig ins Blech eingelassen, und die Ladebuchse ist prominent auf der Fronthaube platziert.

    Innen geht Honda noch konsequenter einen eigenen Weg: Während Sitze und Rückbank sowie das ganze Ambiente gemütlich wirken, sieht es über der hölzernen Konsole im Cockpit aus wie auf dem Raumschiff Enterprise. Denn Honda hat über die gesamte Breite Bildschirme installiert, die den elektrischen Nachzügler moderner wirken lassen als die Kompaktwagen von Mercedes oder das Model 3 von Tesla. Zudem haben die Japaner sowohl Außen- als auch Rückspiegel mit Kameras ausgestattet, die Bilder für die Displays an der A-Säule und am Dachhimmel aufnehmen, und zwei Touchscreens verbaut, auf denen Fahrer und Beifahrer die Anzeigen mit einem Fingerzeig austauschen können. Als wäre das alles nicht genug, gibt es obendrauf noch eine Sprachsteuerung, die so gut funktioniert wie Apples Siri und Amazons Alexa - und die bisweilen sogar zu Scherzen aufgelegt ist.

    Antrieb: Auf dem Papier langweilig, in der Praxis lustvoll

    So charmant das Design und so cool das Interieur ist, so gewöhnlich sind die technischen Eckdaten - zumindest auf dem Papier: denn selbst wenn man für 3000 Euro auf die stärkere Variante wechselt und statt 100 kW/136 PS dann 114 kW/155 PS im Fahrzeugschein stehen, ist der Honda E nicht vorn dabei. Und mit einer Batteriekapazität von 35,5 kWh für höchstens 222 Kilometer auch nicht. Weder die 315 Nm, noch die 8,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind Bestwerte, und die maximal 145 km/h ebenso wenig. In der Praxis sieht das allerdings ganz anders aus. Denn abgesehen vom Smart ist der Honda der einzige Elektriker in dieser Klasse mit Heckantrieb.

    Dazu verfügt er über eine extrem direkte Lenkung, die mit zunehmendem Einschlag noch präziser wird, und einen konkurrenzlos kleinen Wendekreis von 9,2 Metern. Damit bewährt sich der Honda E vor allem im Stadtverkehr. Ihn durch enge Altstadtgassen oder Parkhäuser zu manövrieren - das fühlt sich fast so an wie mit einem Porsche über eine Passstraße zu fahren. Den gut gemachten Einpark-Assistenten, der zum üppigen Paket der elektrischen Helfer zählt, muss man jedenfalls kaum bemühen. Denn selten hat selbst das Rangieren so viel Spaß gemacht wie mit dem Honda E.

    Außerhalb der Stadt eine Spaßbremse

    Nur außerhalb der Stadt lässt das Vergnügen merklich nach - weil das Fahrwerk nicht gerade rückenfreundlich abgestimmt ist, weil das Platzangebot weder für Kinder noch für Koffer sonderlich üppig ist - und weil man sich nicht allzu weit von den Ladesäulen entfernen sollte. Denn wer sich vom Fahrspaß verleiten lässt, der muss schon nach gut 100 Kilometern zum Boxenstopp. Aber immerhin geht es dort schnell: Dank eines starken Ladegeräts kann der Honda E auch an eine 100-kW-Säule und ist nach 30 Minuten zu 80 Prozent voll.

    Fazit: Vernunft trifft Vergnügen

    Nicht viel mehr als 150 Kilometer reale Reichweite und langsamer als der schwächste Verbrenner im Honda-Programm, teuer und knapp geschnitten - auf den ersten Blick taugt der Honda E kaum zum Shootingstar. Doch wenn man den Stromer hauptsächlich in der Stadt nutzt und dabei die Luft rein halten will, sieht die Sache ganz anders als. Dann bietet er nicht nur ein vernünftiges und deshalb halbwegs bezahlbares Paket von Antrieb und Akku, sondern auch ein vergnügliches Fahrverhalten. Und vor allem fängt man damit mehr Blicke als mit jedem anderen Honda diesseits des Supersportwagens NSX. Für so viel Aufmerksamkeit allein muss man sonst schon viel mehr bezahlen.

    Datenblatt: Honda E

    Motor und Antrieb Elektromotor
    Hubraum: 0 ccm
    Max. Leistung: 114 kW/155 PS
    Max. Drehmoment: 315 Nm
    Antrieb: Heckantrieb
    Getriebe: Eingang-Automatik
    Maße und Gewichte
    Länge: 3895 mm
    Breite: 1750 mm
    Höhe: 1512 mm
    Radstand: 2530 mm
    Leergewicht: 1542 kg
    Zuladung: 327 kg
    Kofferraumvolumen: 171-861 Liter
    Fahrdaten:
    Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
    Beschleunigung 0-100 km/h: 8,3 s
    Durchschnittsverbrauch: k.A.
    Reichweite: 210 km
    CO2-Emission: 0 g/km
    Kraftstoff: Strom
    Schadstoffklasse: k.A.
    Energieeffizienzklasse: k.A.
    Kosten:
    Basispreis der Modellreihe: 33.850 Euro
    Grundpreis des Honda E Advance: 36.850 Euro
    Typklassen: k.A.
    Kfz-Steuer: 0 Euro/Jahr
    Wichtige Serienausstattung:
    Sicherheit: Acht Airbags, Spurhalte-Assistent, Tempomat mit Abstandsregelung
    Komfort: Klimaanlage, Navigationssystem, Digitale Außenspiegel

    Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

    Honda E       -  Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 145 km/h gehört der Honda E unter den kleinen Stromern nicht gerade zu den Schnellsten.
    Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 145 km/h gehört der Honda E unter den kleinen Stromern nicht gerade zu den Schnellsten. Foto: Honda AG/dpa-mag
    Honda E       -  Über der hölzernen Konsole im Honda E sind über die gesamte Breite Bildschirme installiert.
    Über der hölzernen Konsole im Honda E sind über die gesamte Breite Bildschirme installiert. Foto: Honda AG/dpa-mag
    Honda E       -  Der Honda E verfügt über eine durchschnittliche Reichweite von 210 km. Nach 30 Minuten ist die Batterie an der Ladesäule zu 80 Prozent wieder voll.
    Der Honda E verfügt über eine durchschnittliche Reichweite von 210 km. Nach 30 Minuten ist die Batterie an der Ladesäule zu 80 Prozent wieder voll. Foto: Honda AG/dpa-mag
    Honda E       -  Auch von hinten macht der Honda E einen freundlichen Eindruck.
    Auch von hinten macht der Honda E einen freundlichen Eindruck. Foto: Honda AG/dpa-mag
    Honda E       -  Auch wenn der E-Motor maximal nur 155 PS und 315 Nm bereitstellt, bewegt sich der Honda E dank seiner guten Fahreigenschaften souverän durch die Stadt.
    Auch wenn der E-Motor maximal nur 155 PS und 315 Nm bereitstellt, bewegt sich der Honda E dank seiner guten Fahreigenschaften souverän durch die Stadt. Foto: Honda AG/dpa-mag

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