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    WÜRZBURG

    Kolumne "Leben & Laufen": Einfach mal weg mit der Uhr!

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    Sie war ein Stück Nostalgie. Vor wenigen Wochen hat meine Laufuhr ihren Geist aufgegeben. Es war meine erste und bisher einzige. 23 Jahre lang hat sie wertvolle Dienste verrichtet. Eine banale Stoppuhr – modisch überholt – mit 30 Zwischenzeiten, das hat mir gereicht. Die Nachfolgerin an meinem Handgelenk kann viel mehr: Herz- und Schrittfrequenz checken, Strecken vermessen, Höhenprofile erstellen... Aber will und brauche ich das alles?

    Diese kleinen, als Uhren getarnten Laufcomputer verführen uns zur permanenten Aufzeichnung, zur Kontrolle, zur Programmierung. Als wären wir im Alltag nicht schon programmiert genug. Da heißt es aufpassen, sich durch ein Hilfsmittel nicht genau der Freiheit zu berauben, die wir als Läufer doch so schätzen – das Ungebundene, das Losgelöstsein, das „Schweben“, den sanften Ritt durch die Natur. Wer dabei immerzu auf die Uhr starrt, wird leicht zu ihrem Sklaven und verliert die Lockerheit.

    In den eigenen Körper hineinhören

    Und: Laufuhren verleiten vor allem ambitioniertere Läufer leicht zu einem Überlasttraining, wenn wir uns zu Kilometerzeiten schinden statt auf unser Körpergefühl zu hören. Tendenziell, da sind sich Experten einig, wird zu schnell trainiert. Gut, auch hier kann die Pulsuhr Hinweise geben. Aber haben wir doch wieder mehr Vertrauen in unsere Sinne! Schulen wir das Hineinhören in unseren Körper, das eigene Empfinden. Und gönnen wir uns die herrlichen, langsamen Entspannungsläufe. Denn die Einheiten der Regeneration sind fürs Gesamttraining genauso wichtig wie das Tempobolzen (wer eine Bestzeit anstrebt).

    Um den richtigen, erholsamen Laufschritt zu finden, gibt es eine simple Methode: den so genannten „Talk-Test“. Können Sie sich während des Laufens noch halbwegs unangestrengt mit ihrem Partner unterhalten? Dann liegen bzw. laufen Sie richtig und ohne Gefahr, in die Sauerstoffschuld, den anaeroben Bereich abzudriften.

    Beim Laufen auf gute Gedanken kommen

    Und noch einen positiven Effekt hat das langsame Genusslaufen: Mit dem eigenen Körper kommen auch Gedanken in Gang, die bessere Durchblutung im Gehirn fördert Konzentration und Kreativität. Raten Sie mal, bei welcher Gelegenheit diese heutige Kolumne entstanden ist...

    Redakteur Andreas Jungbauer (47) läuft seit 23 Jahren Marathon und kürzere Strecken. Im Rahmen der Serie berichtet er über Erfahrungen und gibt Tipps weiter.

    Alle Beiträge der Main-Post-Laufserie: www.mainpost.de/laufdichfit

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