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    BAD KISSINGEN

    BR-Symphoniker beim Kissinger Sommer: Es ginge interessanter

    Der Dirigent Cristian Macelaru Foto: SORIN POPA

    Das geht interessanter. Würde ein Orchester der oberen Mittelklasse so aufspielen, ginge der Konzertbesucher beeindruckt und zufrieden nach Hause. Doch vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sollte man mehr erwarten können. Vielleicht hätte der Kissinger-Sommer-Titel „Odeonsplatz-Feeling“ Hinweis darauf sein können, dass es auch im Max-Littmann-Saal eher um (Freiluft-)Effekte denn um Einkehr gehen würde. Und Leonard Bernsteins Ouvertüre zu „Candide“ zu Beginn ist ja auch ein ausgesprochenes Bravourstück.

    Aber eben nicht nur. Das hatte das Funkhausorchester des WDR eine gute Woche zuvor im Rahmen des Mozartfests in Würzburg gezeigt: mit einer weitaus ruppigeren aber erdig-engagierten Version des Stücks. Der in Rumänien geborene, vor allem in den USA tätige Dirigent Cristian Macelaru liebt aber vor allem das Vorwärtsdrängen. So kommt auch das Violinkonzert von Robert Schumann als beinahe atemloser Fluss dichten Wohlklangs. Alina Ibragimova, die den Solopart von Noten spielt, passt da gut hinein – in lupenreiner russischer Schule macht sie das Stück zum geigerischen Kraftakt, in dem die lyrischen Passagen umso anrührender aber eben nicht sehr häufig sind.

    Man kann Macelaru nicht vorwerfen, das Stück zu überfrachten

    Beispielhaft deutlich wird die Ruhelosigkeit nach der Pause: Macelaru stürmt ans Pult und legt los, sobald die Musiker bereit sind. Kein Innehalten, kein Besinnen wie etwa Daniel Barenboim es für unerlässlich hält. Und das vor dem einleitenden Adagio zu Antonín Dvoøáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Kein Wunder, dass Streicher und Bläser nicht ganz genau zusammen sind. Kein Wunder, dass die Forte-Schläge nicht wirklich einschlagen. Das wirkt alles zu flüchtig und irgendwie auch ein wenig desinteressiert.

    Auf der anderen Seite: Man kann Macelaru nicht vorwerfen, das Stück zu überfrachten. Natürlich macht es auch Spaß zu erleben, wie ein Orchester munter drauf los spielt. Aber in einem Stück, das so sehr von Übergängen, Licht- und Stimmungswechseln und nicht zuletzt wunderbar farbenreicher Instrumentierung lebt, wäre ein wenig mehr Differenzierung, ein wenig mehr Kontrolle, ein wenig mehr Transparenz auch nicht verkehrt.

    Als Zugabe ein makellos schmissiger slawischer Tanz

    Die BR-Symphoniker kennen die Sinfonie natürlich in- und auswendig. Das reicht für sehr viele schöne Momente, unter ihnen das Englischhorn-Solo im Largo. Aber etwas interessanter würde es schon gehen.

    Viel Applaus, viele Bravi des nahezu ausverkauften Saals und als Zugabe – natürlich – ein wirklich makellos bravourös schmissiger slawischer Tanz Nr. 8 von Dvoøák.

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