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    Würzburg

    Barocke Weihnacht mit den Domsingknaben

    Die Würzburger Domsingknaben und Domkapellmeister Christian Schmid Foto: Markus Hauck, POW

    Seit Jahrzehnten gehört es zu den Traditionen des Würzburger Kulturlebens: das Weihnachtskonzert der Domsingknaben am 26. Dezember. Dieses Jahr mit einem reinen Barockprogramm, nämlich Bachs Kantate BWV 122, seinem zweiten Brandenburgischen Konzert, zwei kleineren weihnachtlichen Werken von Michael Praetorius und schließlich dem erst vor wenigen Jahren wiederentdeckten Dialogos von der Geburt Christi des Bach-Zeitgenossen Reinhard Keiser.

    Die über 50 Knaben und jungen Herren des Konzertchors präsentierten diese Musik schön phrasiert, mit sehr guter Aussprache und vor allem ausgezeichneter Intonation – ob a cappella oder vom Barockorchester begleitet. Gut, vereinzelt hätte man sich etwas mehr Glanz in den Stimmen, etwas mehr Volumen wünschen mögen, doch machten die Domsingknaben dieses kleine Manko durch ihren auch innerhalb der Stimmgruppen sehr homogenen Klang wieder wett. Ganz offensichtlich hatten die jungen Sänger sehr intensiv geprobt, sangen doch die Knabenstimmen das gesamte Programm auswendig. Und angesichts ihrer eindrucksvollen Disziplin und Konzentration über knapp 80 Minuten dürfte so mancher verzweifelnde Lehrer vor Neid erblassen...

    Das Orchester übertönte nie Knaben und Solisten

    Ein gemischtes Bild boten die Solisten. Die erfreulich bewegliche, helle Stimme von Sopranistin Johanna Zimmer erwies sich als ein wenig zu klein, die Höhen zu schwach, und die Sängerin sparte zu sehr an musikalischer Gestaltung, um weihnachtsfreudig zu überzeugen. Auch Altistin Karina Schoenbeck agierte in ausdruckstechnischer Hinsicht eher unauffällig, sang zu einheitlich für das barocke Genre. Mehr zuhause in dieser Epoche und ihrer Rhetorik schien Tenor Jo Holzwarth, der intensiv gestaltete, es vielleicht nur ein wenig an Legato fehlen ließ. Hervorragend Bassist Florian Götz, der mit flexibler, aber sehr voluminöser Stimme, guter Artikulation und differenzierter dynamischer Gestaltung erfreute.

    Auch das Orchester überzeugte: Konzertmeister Florian Deuter führte das mit fast 30 Musikern besetzte Ensemble souverän und intonationssicher über alle agogischen und rhythmischen Klippen hinweg, die Solisten brachten durchgängig ausgezeichnete Leistungen und die Musiker achteten sensibel darauf, die Knaben und Solisten nicht zu übertönen.

    Domkapellmeister Christian Schmid wirkte angespannt

    Dass die Aufführung trotz der hochmotivierten jungen Sänger, trotz des guten Orchesters über weite Strecken eine Spur blass blieb, lag an Domkapellmeister Christian Schmid. Obwohl er seinen Chor so ausgezeichnet vorbereitet hatte, wirkte er recht angespannt, schien mit unbewegtem Gesicht rein aufs Taktschlagen konzentriert und ging in seinem Dirigat selbst in hochemotionalen Arien und prächtigen Jubelchören kaum einmal aus sich heraus, um seine Musiker vielleicht noch zum einen oder anderen Extra-Höhepunkt anzuspornen.

    Dennoch: Dieser barocke Nachmittag war insgesamt ein schöner Abschluss der Weihnachtsfeiertage und wurde im vollbesetzten Dom reichlich beklatscht – mit Sonderapplaus für die Domsingknaben.

    Andrea Braun

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