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    Würzburg

    Besucherschwund in deutschen Kinos

    Nein, leer – wie auf unserem Symbolbild – sind die Kinosäle keineswegs. Aber die Branche musste 2018 heftige Einbußen bei den Zuschauerzahlen hinnehmen. Foto: Fredrik von Erichsen, dpa

    Die Zahl der Kinobesucher in Deutschland ist im vergangenen Jahr drastisch zurückgegangen. Nur noch 105,4 Millionen Kinogänger wurden 2018 gezählt. Damit wurden 13,9 Prozent weniger Eintrittskarten als im Vorjahr verkauft. 2017 hatten noch 122,3 Millionen Menschen für einen Film im Kino bezahlt. Die Branche verzeichnet die schlechtesten Zahlen seit 1992. Damals waren 105,9 Millionen Tickets an den Kinokassen verkauft worden, wie die Filmförderungsanstalt bekanntgab.

    Auch das Cineworld im Mainfrankenpark bei Dettelbach (Lkr. Kitzingen) hat den Einbruch gespürt. Doch sei der Rückgang nicht so stark wie bundesweit, so Lothar Michel. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Cineworld GmbH & Co. Kino-KG glaubt indes nicht, dass der Einbruch einen langfristigen Trend markiere. Es sei eher eine vorübergehende Delle in der Statistik. "Das hatte mit dem heißen Sommer zu tun und mit der Fußballweltmeisterschaft", so Michel. Zudem hätten die Verleihfirmen zu wenige Blockbuster geliefert.

    Kein Film über vier Millionen

    Eine Einschätzung, der die Statistik der Filmförderungsanstalt zumindest teilweise recht gibt: Demnach hat es keiner der erfolgreichsten Filme im Vorjahr über die Marke von vier Millionen Besuchern geschafft. 2017 war das noch drei Filmen gelungen. Spitzenreiter der Jahreshitparade war 2018 "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" mit 3,6 Millionen verkauften Tickets vor "Avengers: Infinity War" (3,4 Millionen) und "Fifty Shades of Grey – Befreite Lust" (drei Millionen).

    Hitparaden-Spitzenreiter des Jahres 2018: "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" Foto: Warner Bros., dpa

    Von den deutschen Filmproduktionen lockte "Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer" mit 1,8 Millionen verkauften Tickets die meisten Besucher. Auf Platz zwei der deutschen Charts liegt ebenfalls ein Kinderfilm: "Die kleine Hexe" wollten 1,6 Millionen Menschen im Kino sehen. Dahinter landete "Dieses bescheuerte Herz" mit 1,4 Millionen Besuchern.

    Der Marktanteil deutscher Produktionen an den Besucherzahlen blieb mit 23,5 Prozent annähernd stabil (2017: 23,9 Prozent). Allerdings ging auch hier die absolute Zahl der Besucher auf 24,6 Millionen zurück (2017: 28,3 Millionen). US-amerikanische Filme lockten 64,7 Millionen Menschen vor die Leinwände (2017: 75,3 Millionen).

    Wie Menschen die Faszination Kino neu entdecken

    Das Würzburger Central verzeichnet sogar ein Plus. Das habe mit der besonderen Situation des Programmkinos auf dem Bürgerbräu-Gelände zu tun, so Geschäftsführerin Heidrun Podszus: "Es gibt uns hier noch nicht so lange, der Bekanntheitsgrad wächst noch." Als Art-Haus zeige man zudem andere Filme und bediene auch, zumindest teilweise, ein anderes Publikum als die Multiplexe. Programmkinofans sind tendenziell älter als  Besucher der großen Häuser – und schielen womöglich nicht immer nur auf den neuesten Blockbuster.  

    Eine Art Blockbuster-Effekt spürt aber auch das Central. Wenn ein Film in den Multiplexen mal richtig gut läuft, entdeckten die Menschen offenbar die Faszination Kino wieder und besuchen oft auch andere Filme, hat Podszus beobachtet.

    Und was ist mit Netflix & CO.?

    Kinoprofi Michel, seit mehr als 50 Jahren im Geschäft, bleibt angesichts der Zahlen gelassen. Derartige Einbrüche habe er schon "x-mal" erlebt. Zudem zeige der bisherige Verlauf des – allerdings kurzen – Kinojahres 2019, dass es wieder aufwärts gehe. Dass Netflix und andere Streaming-Dienste am Besucherrückgang schuld sind und auf Dauer eine Gefahr fürs traditionelle Kino sind, glaubt Lothar Michel eher nicht: "Es gibt die Aussage, dass Netflix-Nutzer auch kino-affin sind – ohne das allerdings selbst überprüfen zu können." Soll heißen: Streaming-Nutzer gucken einfach gerne Spielfilme. Zu Hause ebenso wie im Kino.

    Heidrun Podszus ist in punkto Streaming vorsichtig. Inwieweit Netflix und Co. dem traditionellen Kino schaden und ob überhaupt, lasse sich noch nicht wirklich beurteilen.

    Erfolgreichster deutscher Film 2018: "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" (Szene mit Henning Baum) Foto: Ilze Kitshoff, Warner Bros.

    Bei der Berlinale hat sich auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Thema geäußert. "Zur Wahrheit gehört, dass wir 2018 nicht nur viel Sonne, sondern auch wenig zugkräftige Filme hatten – auch zu wenig zugkräftige Filme aus Deutschland", sagte die CDU-Politikerin.

    Nach Nutzen der Filmförderung fragen

    Grütters sprach von "einem gewissen Missverhältnis zwischen Investition und Ertrag", zwischen deutscher Filmförderung und Zug- und Strahlkraft sowie der Zahl deutscher Filmerfolge. "Wenn eine Branche derart massiv mit Steuergeld unterstützt wird wie die Filmbranche, darf und muss auch nach dem Nutzen dieser Förderung gefragt werden", sagte Grütters.

    Die Fördertöpfe seien gut gefüllt, das solle auch so bleiben. Es müsse aber über die Verteilung von Förderung gesprochen werden. Deswegen will Grütters im ersten Halbjahr 2019 an einem runden Tisch mit allen Verantwortlichen über Änderungen sprechen. Nach ihren Angaben stecken Bund- und Länder mehr als 400 Millionen Euro in die Film- und Serienförderung.

    Die Ticketpreise waren übrigens 2018 im Durchschnitt nicht gestiegen, nachdem es zuvor 14 Jahre lang ein stetiges Plus gegeben hatte. Der Eintritt ins Kino kostete im vergangenen Jahr durchschnittlich 8,54 Euro (2017: 8,63). Der Besucherstatistik half das aber auch nicht auf die Beine.

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