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    Würzburg

    Bill Mockridge moderiert einen Abend mit Hits der Filmmusik

    Als Erich Schiller in der "Lindenstraße" musste er sein Leben lassen, als Kabarettist, Moderator und Darsteller ist er aktiver denn je: Bill Mockridge kommt nach Würzburg.
    Szenenbilder aus den Steven-Spielberg-Filmen "Der weiße Hai", "E.T.", "Indiana Jones" und "Jurassic Park". Die Musik dazu hat John Williams komponiert. Foto: universal/dpa

    Bill Mockridge ist Schauspieler, Kabarettist und Entertainer, dem großen Publikum vor allem bekannt als der 2015 gestorbene Erich Schiller in der Dauerserie "Lindenstraße". Am 20. Januar kommt er nach Würzburg, um einen Abend mit Klassikern der Filmmusik zu moderieren. Das "New Vision Symphony Orchestra" spielt im Congress Centrum Würzburg. Titel des Abends: "Hollywood's Greatest Hits: Die größten Filmhits von John Williams & Hans Zimmer".

    Frage: Sie moderieren einen Abend mit den Klassikern der Filmmusik. Ist die Musik zu Ihrem Lieblingsfilm auch dabei?

    Bill Mockridge: (lacht) Ich habe mehrere Lieblingsfilme. Die Musik von John Williams zu "Star Wars" ist natürlich dabei. "Harry Potter" auch. Und noch zwei Lieblinge habe ich: "ET" und "Fluch der Karibik". Das sind zwei Musiken, auf die ich mich ganz besonders freue.

    Wäre für Sie ein Film denkbar, den Sie als Film lieben, dessen Musik aber nichts taugt?

    Mockridge: Mir fällt im Moment leider kein Film ein, wo die Musik den Film schlechter gemacht hat. Aber mit fallen viele Filme ein, wo die Musik den Film besser gemacht hat. Eines wird auch sehr interessant werden: Den alten "Superman"-Film von 1978 hat John Williams komponiert, den neuen mit dem Titel "Man of Steel" von 2013 Hans Zimmer. Ich finde das sehr schön, dass man das vergleichen kann.

    Ein Hauch von Hollywood: Bill Mockridge moderiert im Würzburger CCW einen Abend mit Hits der Filmmusik. Foto: Boris Breuer
    Gibt es da so etwas wie einen Generationsunterschied?

    Mockridge: Ich glaube, das ist genau das, was man hören wird. John Williams, Jahrgang 1932, ist ein ganz klassischer Komponist, der hat alles von der Pike auf gelernt. Hans Zimmer, Jahrgang 1957, also deutlich jünger, hat eigentlich nie Musik studiert. Er hat's probiert, aber er kam nicht weiter. Er hat sich sehr viel selbst beigebracht und in den 1980er Jahren sehr viel mit Synthesizer und elektronischen Klängen gearbeitet. Man merkt, dass er an die Musik ganz anders herangeht als John Williams.

    Was macht denn gute Filmmusik aus?

    Mockridge: Ja, das ist schwierig. Eine gute Filmmusik muss einerseits etwas Eigenständiges haben, andererseits darf sie den Film nicht plattmachen. John Williams hat bei "Star Wars" interessanterweise immer wieder mit Themen gearbeitet. Darth Vader hat er mit Anleihen bei Wagner das Apokalyptische gegeben, etwa aus "Walküre" oder "Götterdämmerung". Han Solo, die Prinzessin und die Liebesszenen sind dagegen inspiriert von Tschaikowsky. Die Musik muss in erster Linie den Film auf einer emotionalen Ebene transportieren, aber bei den großen Komponisten wie Hans Zimmer oder John Williams sind das Werke, die für sich stehen können. Man kann bei unserem Abend dazu den inneren Film bei sich ablaufen lassen, während auf der Bühne gespielt wird. Wir werden Lichteffekte haben, sodass man richtig in diese Welt eintauchen kann.

    Es gibt ja auch Filmmusik, die einem sagt, was man zu empfinden hat, besonders, wenn es dem Regisseur nicht so richtig gelungen ist, die schauspielerische Seite zu liefern.

    Mockridge: Ja, das sind Werke, die suggerieren viel mehr als eigentlich in dem Film steckt. Das merkt ein Zuschauer vielleicht nicht direkt, aber im Unterbewusstsein spürt er, irgendwas stimmt hier nicht und lehnt dann den Film ab. 

    Sind Sie als Schauspieler eher ein visueller Mensch und die Musik ist nachgeordnet, oder sehen sie beides als gleichberechtigt?

    Mockridge: Für mich ist der Inhalt das wichtigste. Die Figuren. Bei sehr guten Filmen merke ich oft, dass ich die Musik gar nicht wahrnehme. Bei den ganz großartigen Filmen finden Williams und Zimmer allerdings Momente, wo die Musik eigenständig sein kann. Aber das sind nur Momente. Wenn ein Raumschiff durchs All gleitet oder so. Aber meistens ist es so, dass ich sage, ach, das habe ich gar nicht gemerkt, dass da Musik in der Szene war.

    Eine der suggestivsten Melodien, die ich kenne, ist übrigens die Titelmelodie der "Lindenstraße".

    Mockridge: (lacht) Unverkennbar, oder? Ich habe zu unserem Dirigenten gesagt, ich fände es großartig, wenn ich auf die Bühne komme, und das Orchester spielt erstmal eine Minute "Lindenstraße". Das fände ich wirklich sehr, sehr witzig.

    Und, wird das so stattfinden?

    Mockridge: Er hat noch nicht zugesagt. Er fand es auch eine witzige Idee, wir müssen aber noch die Arrangements finden und die Rechte klären.

    Dann bekäme also die "Lindenstraße" tatsächlich einen Hauch von Hollywood. Sie sind ja seit 2015 aus der Serie raus, jetzt endet sie ganz. Haben Sie das Gefühl, rechtzeitig aufgehört zu haben, oder wären Sie doch gerne bis zum Schluss dabeigeblieben?

    Mockridge: Ich wollte immer bis zum Schluss dabei sein. Ich habe gedacht, ich sterbe in den Armen von Mutter Beimer. Der Produzent hat das anders gesehen, wollte die Serie verjüngen und hat viele von den älteren Leuten rausgeschrieben. Ich habe das sehr, sehr, sehr bedauert. Inzwischen ist es aber so, dass ich bei meinem Tod eine unglaubliche Öffentlichkeit erfahren habe. Der Tod von Erich Schiller war, glaube ich, auf der Titelseite von sämtlichen Zeitungen in ganz Deutschland.

    Der Tod einer fiktiven Figur also...

    Mockridge: Ich habe zu meiner Frau gesagt, wenn ich sterbe, komme ich wahrscheinlich auf die letzte Seite vom Wochenblatt. Aber ich bin gut beschäftigt. Ich habe eine eigene Sendung bei Sat.1, "Mord mit Ansage", ich bin sehr viel auf der Bühne mit meinen Solo-Shows und mit meiner Frau zusammen, und ich bin weiterhin der künstlerische Leiter des Improvisationstheaters "Springmaus", sodass ich merke, das Leben geht auf jeden Fall ohne "Lindenstraße" weiter. Aber direkt nach dem Ende bin ich tatsächlich in ein Loch gefallen, einfach, weil ich das Team, die Familie am Set vermisst habe. Die war mir sehr ans Herz gewachsen über die 25 Jahre.

    Zurück nach Hollywood. Für uns hier ist Hollywood Synonym für großartige Unterhaltung, für das konservative Amerika steht es für alles, was ihm verhasst ist. Wie sehen Sie als Kanadier aus der Ferne den Verfall einer zivilisierten Streitkultur in den USA?

    Mockridge: Sie erwähnen genau das richtige Wort: Kultur. Man kann sich streiten, und Streit kann auch sehr kreativ und gut sein. Aber es muss einen gegenseitigen Respekt geben. Man darf den Menschen als Mensch nicht runtermachen. Trump hingegen betitelt die Menschen als Abschaum, als Idioten, als Volltrottel. Unglaublich. Das sind Auseinandersetzungen auf niedrigstem Niveau. Und leider machen sehr viele Republikaner inzwischen mit, weil Donald sie anschreit, wenn sie ihn nicht unterstützen. Das erinnert an Diktaturen, wo die Leute Angst haben zu widersprechen.

    Sie moderieren den Abend nicht nur, sondern erzählen einiges zu den Stücken. Was gibt es da denn so zu wissen?

    Mockridge: Ich will nicht zu viel verraten, aber ich erzähle Anekdoten und Geschichten, die helfen, die Musik besser zu verstehen. Ein Beispiel: Als Hans Zimmer "Fluch der Karibik" komponieren sollte, kam er einfach nicht weiter. Er hat sich dann nach Hawaii abgesetzt und zwei Tage lang am Meer gesessen und dem Meeresrauschen zugehört. Um sich den Rhythmus der Wellen und die Emotionalität der Weite einzuverleiben.

    Das Konzert: "Hollywood’s Greatest Hits: Die größten Filmhits von John Williams & Hans Zimmer", moderiert von Bill Mockridge. Mo., 20. Januar, 20 Uhr, Congress Centrum Würzburg. Karten bei Mainticket, Tel. (0931) 6001 6000

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