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    WÜRZBURG

    Chambinzky: Wenn Romy Schneider zum Vorbild wird

    Szene aus „Romys Pool“ im Chambinzky mit Brigitte Miebach-Schrader (links) Foto: Egon Wirthmann

    Der Österreicher Stefan Vögel, Jahrgang 1969, zählt zu den erfolgreichsten Komödien-Autoren deutscher Sprache. Seine witzig-pointierten Stücke werden nicht nur in den Theatermetropolen Wien, München, Hamburg, Berlin und Frankfurt gespielt, sondern seit vielen Jahren auch regelmäßig im Würzburger Theater Chambinzky. Mit „Romys Pool“ steht zum sechsten Mal eine Komödie von Vögel im Spielplan, erneut glänzend inszeniert von Hausregisseurin Gwendolyn von Ambesser.

    Überaus kurzweilig verknüpft Vögel das gesellschaftlich aktuelle Thema Altersdemenz mit den Spannungsmomenten einer versuchten Erbschleicherei und greift zudem in Stücktitel und Rahmenhandlung zurück auf den Film „Der Swimmingpool“ aus dem Jahr 1969. Für diesen Erotik-Thriller mit Alain Delon und Romy Schneider schwärmt auch die pensionierte Zimmervermieterin Anna Schneider. Und da sie sich von ihrem Sohn Gottlieb (Volker Baumann), der es auf Haus und Vermögen seiner Mutter abgesehen hat, noch nicht ins Pflegeheim schicken lassen will, verwirklicht sie sich ihren Jugendtraum und lässt kurzerhand den Film-Pool im eigenen Garten nachbauen. Und sie nimmt Schwimmunterricht bei Bademeister „Reini“ (Matthias Born), der auch ihre sonstigen Lebensgeister in Schwung bringt.

    Wie auf den Leib geschrieben

    Natürlich erzeugt das bei Gottlieb, der sein Erbe schwinden sieht, größtes Missfallen. Auch die vermeintlich selbstlose Altenpflegerin Ines (Michelle Neise), die ebenfalls scharf auf das Erbe ist, sieht zunehmend ihre Felle davonschwimmen. Allein Annas Enkelin Michelle (Mascha Eckert) befürwortet den neuen Lebensstil der Oma. Doch alles kippt völlig ins Groteske, als Anna urplötzlich ihre geliebte Enkelin für ihre verstorbene Schwester hält: Ist Anna Schneider jetzt völlig verrückt geworden? Kann Gottlieb seine Mutter endgültig entmündigen? Und wer erbt Haus und Vermögen, wenn neben dem bisherigen Testament noch zwei weitere auftauchen?

    Die Rolle der Anna Schneider ist Brigitte Miebach-Schrader wie auf den Leib geschrieben. Sie spielt die Facetten der Figur zwischen beginnender Vergesslichkeit, schwungvoller Lebensfreude und durchtriebener Schlauheit. Temperamentvoll in den Dialogen, punktgenau in den Pointen ist sie Dreh- und Angelpunkt einer feinen Inszenierung, in der das gesamte Darstellerteam zu überzeugen weiß.

    Spielfreude und Komik werden dabei nicht zum Selbstzweck, sondern in den Dienst eines kurzweiligen Abends gestellt, der Leichtigkeit mit einem ernsthaften Anliegen verknüpft. Egal ob mit oder ohne Pool zu Hause, der Besuch von „Romys Pool“ ist auf jeden Fall ein Sommervergnügen. Zu dem nicht zuletzt auch der klimatisierte Theatersaal seinen coolen Teil beiträgt.

    Auf dem Spielplan bis 11. August und dann wieder ab 28. September. Karten: Tel. (09 31) 5 12 12

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