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    Würzburg

    Christian Springer, die Mimose und eine Ermutigung

    Christian Springer, Kabarettist mit einem entscheidenden Unterschied . . . Foto: Chantal Alexandra Pilsl

    Zwei Erkenntnisse zu Beginn: "Ein halbes Jahr regiert jetzt schon der Apfelsaft, und Bayern steht noch immer." Und: "Wenn du über bayerische Politik reden willst, musst du Englisch reden." Weil, Stichwort Bavaria One: "Früher hat das bei uns Bayern Eins geheißen", sagt Christian Springer. Und früher hätten auch die Kabarettisten die CSU auf den Mond geschossen - "heute machen sie es selbst". 

    Ja, es geht so los, wie unterhaltsames Kabarett eben so losgeht. Der Bühnenkünstler - an diesem Fall, am Samstag im Würzburger Bockshorn, eben Springer - frotzelt, poltert oder stöhnt über die Regierenden, mag über Donald Trump nicht reden und erklärt die Lage der Dinge. Zum Beispiel, dass  Deutschland nicht mehr dreckig sein will und  "stahlharte Sachen jetzt aus Salzteig" macht. Hitze und Glut gibt's nicht mehr im Hochofen, sondern nur noch im Webergrill. Uns seit Helene Fischer ist auch Schwitzen auf der Bühne nicht mehr erlaubt. "Die ist so rein, die ist so porentief rein, da sterben im Umkreis von zwei Kilometern alle Bakterien ab."

    Der 54-jährige Münchner, dessen Bühnenkarriere tief in die frühen 80er zurückreicht, kann das gut: "Alle machen, keiner tut was" zu sagen, und das Ganze aufs höchste amüsant und komisch zu erklären.  Aber  dann ist da dieser eine, entscheidende Unterschied zu den anderen Satirikern, Komödianten, Ironiker und kabarettistischen Analytikern im Land . . . Christian Springer, gerade von der Landtagspräsidentin mit der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber ausgezeichnet, spricht über was, was für Sprachwissenschaftler ein Konjunktiv ist: Würde.

    Für Springer das Wichtigste und kein Konjuktiv: Würde

    Erst einmal erzählt er in schönsten Ausführungen über die wichtigsten Werte im Land. Blutdruck, Cholesterin, Abgaswerte und Feinstaub, zu dem Alfons Schuhbeck nur sagen würde: "Haut's en Ingwer rein, dann geht's schon." Und komödiantisch schildert er , wie das war, als Gesundheitsminister Spahn die Hartz-IV-Frau besuchte mit sechs Stückerl Obstkuchen. Am Ende tippt er sich an den Kopf und sagt nur: "Wenn's hier fehlt, kannst Du ein bisserl was reparieren." Dann fast er sich ans Herz. "Aber hier need."

    Nicht Abgas, nicht Cholesterin . . . Springer meint die anderen Werte 

    Doch Springer geht es um die anderen Werte. Um Toleranz, Respekt, Kreativität, Mitgefühl. Er will den Blick für die anderen, die wahren Wahrheiten schärfen. Man würde ihn gerne einen großen Moralisten nennen, wäre der Begriff nicht abwertend negativ belegt und würde er nicht Übertreibung unterstellen. Springer übertreibt nicht. Er sagt, wie es ist. Und wie es eigentlich sein müsste, mit unserem Zusammenleben und unseren Werten.

    "Tiefdruckgebiet im westlichen Mittelmeer". Wo andere beim Wetterbericht gar nicht hinhören, klingeln bei Springer die Alarmglocken. Weil er, der "Orienthelfer", dann weiß, dass in den syrischen Flüchtlingslagern "bald 40 000 Kinder nackt im Schnee stehen". Seit sieben Jahren helfen Springer und sein Hilfsverein unermüdlich in den Flüchtlingslagern im Libanon und in Jordanien . . . Auch deshalb geht man an diesem Abend nicht nur gut erheitert, sondern nachdenklich nach Hause. Und ermutigt, mit einem Zimmerpflanzen-Tipp: Mimose zulegen. Die lerne nämlich, sich nicht immer nur zusammenzuziehen und wegzuducken, "sondern in gewissen Momenten einfach mal aufrecht stehen zu bleiben."   

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