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    Würzburg

    Der Himmel über der Architektur

    Faszination Architektur: Eines der Fotos, die Karl-Heinz Seidel im Spitäle zeigt. Foto: Karl-Heinz Seidel

    Drei Dutzend Blicke gehen in den Himmel. Sie streifen die Schuppen verwundener Blechschindeln, durchstoßen Kuppelöffnungen, richten sich durch Mauerzacken. Der Fotograf Karl-Heinz Seidel stellt im Würzburger Spitäle, der Galerie der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens (VKU) unter dem Titel "Visus Verticalis" knapp drei Dutzend Firmamentsstückchen aus, die von den Umrisslinien moderner Gebäude geformt werden.

    Zugegeben, auch auf diese umbauten Räume kommt es an – aber nicht so sehr, dass Seidel sie in die Titel seiner Werke aufgenommen hätte. Dabei sind die ausgewählten Häuser, Türme, Kirchen in der Regel sehr wertige Monumente. Der pensionierte Informatiker und leidenschaftliche Städtereisende nahm sie allerdings so auf, dass seine Fotografien vollkommen eigenständig neben ihnen bestehen können und keiner sagt: Tolles Foto – ist aber kein Wunder bei dem Motiv!

    Ein künstlerisches Medium

    Nein, die Bildfläche behauptet ihre Autonomie. Karl-Heinz Seidel berichtet, dass er länger an der Nachbearbeitung seiner Aufnahmen sitzt, als er für das Ablichten benötigt. Und das, obwohl er von mancher Session 100 Bilddateien heimträgt. Grade drum: Aus den Varianten gilt es auszuwählen nach dem Kriterium: „Was passt am besten zu der Idee, die ich mir vorher vorgestellt habe?“ Und auch die „Geometrie der Bilder“ wird erst am Computer feineingestellt. Da wuchtet Seidel am optischen Schwerpunkt, da schraubt er an der Blickführung, „damit sich der Betrachter in dem Bild nicht verliert“.

    An Seidels Arbeiten sieht der Betrachter leicht ein, dass digitale Fotografie selbstverständlich ein künstlerisches Medium wie Pinsel oder Meißel ist.

    Wichtig ist immer der Blick in den Himmel. Foto: Karl-Heinz Seidel

    Vor der Nachbearbeitung kommt die Vorbereitung. Da streift der Künstler Stockwerk um Stockwerk durch ein Gebäude, um die richtige Perspektive auf dessen Foyer zu finden. Oder er muss an zwei, drei Tagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten und Witterungsbedingungen am ausgespähten Fotopunkt erscheinen, um abzudrücken. Er sagt: „Für Architekturliebhaber kommt es darauf an, dass man seinen Blick schärft. Man muss unterschiedliche Blickwinkel aufsuchen.“

    Das erledigte er hie und dort unaufdringlich originell, vor allem, als er die Schatten auf der Plattform-Unterseite des Berliner Funkturms ablichtete. Witzig die Fachwerkbauten: Um einzusehen, dass das moderne Architektur ist, muss man genau auf die erstaunlich scharfe Balkenschnitzerei gucken. Für notorische Würzburg-Freunde gibt es zwei Heuchelhofmotive.

    Ein Teil der Fotografien hing ein knappes Jahr lang im Würzburger Kolpinghaus. Auf neue Hausansichten hat Karl-Heinz Seidel indes besonderen Wert gelegt. An diesem Samstag, 5. Januar, um 19 Uhr ist Eröffnung an der Alten Mainbrücke unter der Festung.

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr; bis 27. Januar

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