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    WÜRZBURG

    Der Regisseur als Haudegen, Tourneepferd oder Freudianer

    Daniela Vassileva und Felix Nitsche in „Gretchen 98ff.” im Chambinzky. Foto: Brigitte Michel/Bernhard Rosel

    Gretchens „Kästchenszene“ in Goethes „Faust“ ist einer der klassischen Augenblicke des deutschsprachigen Theaters. Aber wie ist die Szene zu interpretieren? Und wie wird sie „richtig“ gespielt? Einfach so, wie sie ist? Oder doch ganz anders, irgendwie moderner?

    Aus diesen Fragen hat der Regisseur und Autor Lutz Hübner vor gut 20 Jahren in „Gretchen 89 ff.“ einen kurzweiligen Theaterspaß gezaubert, der ihn zu einem der meistgespielten deutschen Bühnenautoren hat werden lassen. Zum Spielzeitauftakt im Würzburger Chambinzky hat Hausregisseurin Gwendolyn von Ambesser, 15 Jahre nach einer ersten Inszenierung, das vergnügliche Theaterkabarett jetzt erneut mit großem Erfolg zur Aufführung gebracht.

    Vergnügliche Parodie auf die Archetypen des Regietheaters

    In zehn Bildern präsentieren Daniela Vassileva und Felix Nitsche zehn Herangehensweisen an den Text, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Mal steht mehr die Darstellerin (als „normale“ Schauspielerin, Anfängerin oder Diva) im Fokus, mal ist es mehr ein ganz spezieller Typ von Regisseur („Der alte Haudegen“, Das „Tourneepferd“, „Der Freudianer“), der die Szene prägt. Dadurch wird aus der immer gleichen Textstelle des Faust, Seite 89 ff., ein kurzweiliger Blick hinter die Kulissen des Theaterbetriebs und eine höchst vergnügliche Parodie auf die Archetypen des Regietheaters.

    Das verlangt den Darstellern Vassileva und Nitsche einiges ab, müssen sie doch immer wieder blitzschnell einen extremen Charakter durch einen neuen ablösen. Doch das Duo meistert diese Herausforderung mit enormer Wandlungsfähigkeit, sprecherischer Bravour und geradezu spielerischer Leichtigkeit. Es wird dabei durch schrille Perücken und Kostüme perfekt unterstützt und von der Regie im Tempo geschickt mal eingebremst, mal befeuert.

    So entwickelt sich vor den Augen des amüsiert mitgehenden Publikums, in dem der ehemalige Theaterchef Rainer Binz auch den neuen Würzburger Kulturreferenten Achim Könnecke begrüßt hatte, ein rasanter Theaterspaß. Der findet nach zwei Stunden ein begeistert beklatschtes, viel zu schnelles Ende, aus dem wohl jeder seine eigene Lieblingsvariante der Kästchenszene wählt. Für den Rezensenten war es die mit dem „Streicher“, der sämtlichen Text bis wenige Worte streicht.

    Auf dem Spielplan bis Anfang November

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