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    Maßbach

    Der böse Wunschpunsch: Turbulentes Maßbacher Weihnachtsmärchen

    Michael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ ist heuer das Maßbacher Weihnachtsstück. Die Darsteller spielen sich dabei die Seele aus dem Leib.
    Diabolisch unterhaltsam: Michael Endes "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" in Maßbach Foto: Sebastian Worch

    Sie kriechen und klettern und klammern und krächzen. Sie zappeln und tanzen und flattern und summen. Sie schneiden Grimassen und treiben ihre Stimmen in ungeahnte Höhen und Tiefen. Sie spielen kopfüber und, wenn's sein muss, kopfunter. Die Schauspieler sind einfach ganz in der Geschichte, im Weihnachtsmärchen des Theaters Schloss Maßbach.

    Christian Schidlowsky inszeniert – und jetzt bitte ganz langsam lesen! – den „Satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“ nach Michael Endes gleichnamigem Kinderroman. Ja, Tonia Fechter, Anja Schindlbeck, Benjamin Jorns und Georg Schmiechen spielen sich in pausenlosen 60 Minuten die Seele aus dem Leib, in fantastischen Kostümen von Jutta Reinhard und in schön ausgeleuchteten Kulissen von Peter Picciani.

    Der Professor hat noch nicht den vorgeschriebenen Jahresplan an diabolischen Werken erfüllt

    Sie verwandeln die karge Bühne der Lauertalhalle im Nu in eine „Villa Albtraum“, in ein digitales Zauberlabor mit Stilelementen, die an die Verkleidung einer Kurorchester-Muschel erinnern. Die Villa ist das Reich des Schwarzmagiers Beelzebub Irrwitzer (Benjamin Jorns), des genialen Wissenschaftlers im Dienste des Bösen. Dort ist, wie viele wissen, ab Silvesternachmittag 5 Uhr, Gefahr in Verzug, denn der Professor Doktor hat noch nicht den vorgeschriebenen Jahresplan an diabolischen Werken erfüllt: Naturkatastrophen und menschliche Tragödien jeder Art.

    Die Uhr tickt, es bleibt nicht viel Zeit, die Welt zu retten. Foto: Sebastian Worch

    Deshalb kriegt er Zoff mit der Teufelsbotschafterin Maledictus Made (Tonia Fechter). Zusammen mit seiner verhassten Hexentante Tyrannia Vamperl (ebenfalls Tonia Fechter) macht er sich ans Werk, um bis Mitternacht einen stark alkoholischen Zauberwunschpunsch zu brauen, der jeden guten Wunsch ins Gegenteil verkehrt. So weit so schlecht. Die Digitaluhr tickt und die beiden Spione des guten Hohen Rats der Tiere haben alle Pfoten und Krallen voll zu tun, um mit Mut und Schlauheit vor Glockenschlag zwölf (wunderbares Bild im Glockenturm des Münsters!) die Welt zu retten: der fette Kater Maurizio (hier: die Katze Maurizia, Anna Schindlbeck) und der ruppige Rabe Jakob (Georg Schmiechen).

    Der Spagat zwischen hochmoralischer Botschaft und dem Unterhaltungsbedürfnis der Kinder 

    Was Michael Ende 1989 mit visionärem Gespür und banalen Nebenmotiven (Geldmangel) zu Papier brachte, kommt uns auch heute ungeheuer aktuell vor. Fehlte nur noch, dass der Regisseur Greta Thunberg um die Ecke lugen ließe. Tut er aber erfreulicherweise nicht, Maurizia und Jakob sind Fraus/Manns genug. Die von Ende symbolisch hoch aufgeladenen Figuren – faustischer Größenwahn, kapitalistische Gier, Verschlagenheit, Gutgläubigkeit, Kulturpessimismus, Trägheit und Mut – gewinnen unter Einsatz energischer Kräfte der Schauspieler begreifbares Profil.

    Trotzdem scheinen sich viele Kinder im Grundschulalter weit mehr an äußeren Attraktionen zu vergnügen als sich von der inneren Moral gefangen nehmen zu lassen. Das intensive Spiel hält sie tatsächlich bei Laune, selbst wenn die Assoziationen für sie nicht im Vordergrund stehen. Das ist denn auch das Dilemma dieser Inszenierung: das Kunststück eines Spagats zwischen Michael Endes hochmoralischer Botschaft und dem zu befriedigenden Unterhaltungsbedürfnis junger Zuschauer.

    Gastspiele im Theater der Stadt Schweinfurt: 3. bis 5. Dezember, jeweils 9 und 11 Uhr; 6. Dezember, 9 und 15 Uhr. Karten unter Tel. (09721) 514955

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