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    Marktbreit

    Die Indizien sind eindeutig: Der Weihnachtsmann stammt aus Bayern

    Weihnachtsmann: Lange galt er als Erfindung von Coca-Cola. Dabei hat er bayerische Wurzeln, wie ein Blick in den „Münchener Bilderbogen“ von 1848 bestätig, der derzeit in Marktbreit zu sehen ist.
    Moritz von Schwinds Bild aus dem „Münchener Bilderbogen“, Ausgabe Nr. 5 von 1848/49, zeigt einen Vorläufer des Weihnachtsmannes: „Herr Winter“. Foto: Repro: Simone Michel-von Dungern

    Rot und Weiß: Nein, nicht die kalorienreichen Soßen zu frittierten Kartoffeln sind gemeint: Es sind die Erkennungsmerkmale des Weihnachtsmanns, der allerdings so aussieht, als wäre „Pommes Rot/Weiß“ sein Lieblingsgericht. Denn er ist mächtig mollig.

    Sein kugelrunder Bauch ist in einen roten Mantel mit weißen Krempen an Ärmeln und Saum gezwängt, auf dem Kopf trägt er die rote Mütze mit weißem Bommel und ebenfalls weißer Krempe. Und sein weißer Rauschebart gehört zu Weihnachten wie der Duft von Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt.

    Jedes Jahr spätestens im Dezember hat der gutmütige Mann seine allgegenwärtigen Auftritte – zum Missfallen der katholischen Kirche. Für sie gibt es nur einen, das Original, den heiligen Nikolaus, den frühchristlichen Märtyrer, dessen Gedenktag der 6. Dezember ist.

    Doch auch die „Fälschung“ ist weltweit beliebt – so wird die weltliche Konkurrenz in der Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“, die 2002 vom Bonifatiuswerk ins Leben gerufen wurde, bezeichnet. Auf deren Website wird der Weihnachtsmann viel kleiner als der Bischof von Myra dargestellt – beliebtes psychologisches Mittel der Herabsetzung. Dabei geht es laut Bonifatiuswerk nur darum, Verwechslungen entgegenzuwirken, heißt es.

    Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass nicht der US-Getränkekonzern Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat, sondern nur gut nachempfunden. Als Vorläufer gilt die Figur, die der aus Deutschland in die USA ausgewanderte Thomas Nast kreierte. 1863 schuf der Illustrator für ein Magazin die Gestalt, die an den Pfälzer Belzenickel in seiner alten Heimat erinnerte. Er gab ihr einen Bart und steckte ihn in einen Pelz. Zudem fuhr sie auf einem Schlitten und beschenkte Soldaten, die im Bürgerkrieg auf Seiten der Unionstruppen kämpften. Als Farben wählte Thomas Nast Rot und Weiß.

    Holzschnitt von Thomas Nast aus dem Jahr 1881. Sein erster Weihnachtsmann stammt aus dem Jahr 1863. Foto: Wikipedia

    Die amerikanische Geschichte des Weihnachtsmanns begann aber bereits mit den Auswanderern aus den Niederlanden in den Osten der USA. Sie nahmen im 17. Jahrhundert den Nikolaus mit nach Neu-Amsterdam, das spätere New York, und nannten ihn Sin Nicolaas oder umgangssprachlich Sinterklaas. Daraus wurde Santa Claus. Nach und nach wandelte sich neben dem Namen auch das Erscheinungsbild.

    Der Freund der Kinder

    So zeichnete 1809 Washington Irving in seinem Buch „Diedrich Knickerbockers humoristische Geschichte der Stadt York“ Nikolaus mit Hut und knielanger Hose. 1821 taucht er im Gedicht „Der Freund der Kinder“ (Verfasser unbekannt) noch wesentlich schlanker auf. Doch schon 1822 verwandelte er sich im Gedicht „Besuch vom Weihnachtsmann“ von Clement Clark Moore zum rundlichen Gesellen.

    Erst über ein Jahrhundert später kommt die Coca-Cola Company ins Spiel. 1931 beauftragte sie den Zeichner Haddon Sundblom, für ihre Werbekampagne einen Weihnachtsmann zu zeichnen, den jeder gerne als Großvater haben möchte: einen netten älteren Herren mit lustigen Knopfaugen – und in den Farben, die sich seit Thomas Nast durchsetzten und die auch Markenzeichen von Coca-Cola sind: Rot und Weiß. So war die amerikanische Firma nicht Auslöser, aber erfolgreicher Werbeträger für die Kunstfigur aus den USA. Dass der Weihnachtsmann aber bayerische beziehungsweise Münchner Wurzeln hat, das ist noch nicht allgemein bekannt.

    „Ho! Ho!“, werden jetzt manche rufen, aber die Indizien sind eindeutig. 1847 tauchte „Herr Winter“ erstmals in einer Ausgabe der „Fliegenden Blätter“ auf – in Gedichtform. Darin heißt es: „Denn Weihnacht hat der Winter gebracht!“ Die Zeichnungen stammen von Moritz von Schwind, Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München. Hier erschienen auch die „Fliegenden Blätter“, ebenso kurz darauf der „Münchener Bilderbogen“ in der „Münchener Anstalt für Holzschneidekunst“ von Kaspar Braun und Friedrich Schneider. Der eine war Künstler, der andere Buchhändler, und beide waren sie äußerst geschäftstüchtig.

    Im Bilderbogen Nummer fünf sind ab 1848 die Zeichnungen Moritz von Schwinds erneut zu sehen – mit einem anderen Text. „Herr Winter“ bringt aber in beiden Ausgaben Geschenke beziehungsweise den geschmückten Weihnachtsbaum. Doch niemand lässt ihn ins Haus hinein, keine Pforte öffnet sich.

    Zeitreise und Musealer Weihnachtsmarkt

    Die „Münchener Bilderbogen“ waren dank ihrer breiten Themenpalette in allen Altersgruppen und Schichten sehr beliebt, erschwinglich und immer ansprechend gestaltet. Die Bilder schufen Künstler der Münchner Akademie. Sie verdienten nicht viel und mussten alle Rechte an den Verlag Braun & Schneider abgeben. Viele nahmen dennoch die Aufträge an. Dazu gehören zum Beispiel auch Wilhelm Busch, Franz von Pocci oder Lothar Meggendorfer.

    „Herr Winter“ ist in seiner Gestaltung durchaus ein Vorläufer des Weihnachtsmanns. Dieser und andere „Münchener Bilderbogen“ sind zurzeit im Museum Malerwinkelhaus Marktbreit (Lkr. Kitzingen) ausgestellt und entführen den Besucher, so Leiterin Simone Michel-von Dungern, auf eine Zeitreise in die Weihnachtszeit des 19. Jahrhunderts.

    Die Ausstellung „Weihnachten im Münchener Bilderbogen“ und der Museale Weihnachtsmarkt im Malerwinkelhaus Marktbreit ist an allen Adventswochenenden geöffnet, Samstag/Sonntag, 14 – 18 Uhr. Internet: www.malerwinkelhaus.de

     

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