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    Rügheim

    Die Schüttbau Meisterkonzerte gehen in die neue Saison

    Er kennt sich aus mit ungewöhnlichen Besetzungen: Der Harfenist Andreas Mildner gastiert mit dem Kontrabassisten Stanislau Anischchanka. Foto: Philippe Gerlach

    "Ist die Reihe der Meisterkonzerte in Gefahr?" So hatte noch Anfang April eine Schlagzeile gelautet. Gemeint waren die Klassikkonzerte im Schüttbau in Rügheim (Lkr. Haßberge), die seit 2014 unter wachsendem Publikumszuspruch immer wieder große Namen in der Provinz präsentiert hatten, zuletzt die Bratschistin Tabea Zimmermann. Als aber Andreas Weimer, Pianist der Bamberger Symphoniker und von Beginn an künstlerischer Leiter der Konzerte, seinen sofortigen Abschied erklärte, schien der Fortbestand der Reihe ungewiss. 

    Mit dem Geiger, Ensembleleiter und Pädagogen Friedemann Wezel war aber bald ein Nachfolger gefunden, der bereit war, quasi aus dem Stand ein Programm für die kommende Saison zusammenzustellen. Wezel ist Professor für Violine an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig, wo er auch die Nachwuchsförderklasse leitet. Er hat sich schon früh mit der historischen Aufführungspraxis beschäftigt, hat in Würzburg, Leipzig, Wien und Salzburg studiert und war unter anderem Mitglied im Freiburger Barockorchester.

    Auf Originalinstrumenten musizierte il capriccio in Klaviertrio-Besetzung mit Friedemann Wezel (Violine), Kristian Nyquist (Hammerflügel) und Dimitry Dichtiar (Violoncello) 2014 im Schüttbau. Foto: Sabine Meißner

    Dem Schüttbau ist Wezel seit Jahren verbunden, das Tagungs- und Kulturzentrum
    des Bezirks Unterfranken ist seit 2003 Sitz seines Ensembles il capriccio, das sich in wechselnden Besetzungen auf den jeweiligen Originalinstrumenten der Barockorchester-Literatur und dem klassisch-romantischen Oratorien-Repertoire widmet. In Rügheim finden Probenphasen, Konzerte und CD-Aufnahmen des Ensembles statt. Erst im April hat Friedemann Wezel hier auch einen Meisterkurs für Violine abgehalten, mit Teilnehmern aus Ungarn, Lettland, Spanien, Portugal, Syrien und Deutschland.

    Der neue Programmchef kennt den Schüttbau seit vielen Jahren

    Wezel kennt und schätzt also den Ort, den er künftig bespielen soll. "Das Besondere im Schüttbau ist der intime Rahmen, die Nähe zum Publikum", sagt er. "Hier ist in der Pause oder nach dem Konzert immer ein persönlicher Kontakt zwischen Musikern und Zuhörern möglich." Außerdem klinge der Gewölbekeller mit seinen 198 Plätzen ausgezeichnet. "Ich bin gespannt, wie sich das alles entwickeln lässt, bin aber überzeugt, dass sich die Pläne auch längerfristig realisieren lassen." Dazu brauche er allerdings auch die Unterstützung der Kommune und von regionalen und überregionalen Sponsoren.

    Die Geigerin Carolin Widmann Foto: Lennard Rühe

    Für seine erste Saison hat Friedemann Wezel bewusst fünf unterschiedliche Konzerte zusammengestellt, mit Kammermusik auch in ungewöhnlicher Besetzung und A-Cappella-Gesang. Den Anfang machen am 5. Oktober die Geigerin Carolin Widmann (Schwester des Komponisten und Klarinettisten Jörg Widmann) und der Pianist Simon Lepper mit Werken von Bach, Debussy, Poulenc und Schumann. Widmann ist ebenfalls Professorin in Leipzig. Bekannt ist die international gefragte Solistin nicht zuletzt für ihre Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik, etliche namhafte Komponisten haben ihr Werke gewidmet.

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    Mit Andreas Mildner, Harfe, und Stanislau Anischchanka, Kontrabass, kommt am 8. Dezember ein Duo in nicht alltäglicher Besetzung. Die beiden spielen Werke von Schubert, Schumann, Jean Françaix und Ravel. Mildner hat allerdings Erfahrung mit einer noch ungewöhnlicheren Kombination: Er konzertiert regelmäßig mit dem Tubisten Andreas Hofmair. Andreas Mildner, geboren 1984, stammt aus Schweinfurt. Er ist Soloharfenist des WDR-Sinfonieorchesters Köln und seit 2015 Professor an der Musikhochschule Würzburg. Neben seiner internationalen Konzerttätigkeit arbeitet er beständig daran, das Repertoire seines Instruments zu erweitern. Stanislau Anischchanka ist Solobassist der Sinfonieorchesters des WDR in Köln und Professor in Detmold.

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    Am 8. Februar 2020 gastiert das Vokalensemble Sjaella aus Leipzig im Schüttbau. Die sechs Sängerinnen sind in mehreren musikalischen Genres unterwegs. Ihr Programm "One Charming Night" vereint zeitgenössische Vertonungen englischer Renaissance- und Barockmusik etwa von Dowland und Purcell mit Volksweisen aus dem Norden Europas.

    Mozarts Klarinettenquintett auf historischen Instrumenten

    Das Trio Vivente mit Anne Kathrin Schreiber (Geige), Kristin von der Goltz (Cello) und Jutta Ernst (Klavier) spielt am 14. März Werke von Suk, Dvorák und Schostakowitsch. Alle drei konzertieren sowohl solistisch und mit Orchester. Neben den Werken des gängigen Triorepertoires haben Komponistinnen wie Fanny Hensel, Clara Schumann und Emilie Mayer einen festen Platz in ihren Programmen, ebenso wie selten aufgeführte Trios aller Stilepochen oder Werke der Zeitgenossen Wolfgang Rihm, Volker David Kirchner und Marc-Aurel Floros.

    Den Abschluss seiner ersten Saison als Leiter der Meisterkonzerte macht Friedemann Wezel mit seinem Ensemble il capriccio am 10. Mai. Auf dem Programm stehen Werke der Klassik, etwa von Johannes Bernardus van Bree (1801-1857), gespielt auf historischen Instrumenten und in der zeitgenössischen Stimmung mit dem Kammerton a' auf 430 Hertz, die deutlich tiefer klingt als die heute übliche von 442 Hertz. Als Gast in Mozarts Klarinettenquintett wirkt Toni Salar-Verdú mit, einer der führenden Solisten auf der historischen Klarinette.

    Schüttbau Meisterkonzerte: Die neue Saison startet am 5. Oktober. Die Konzerte beginnen um 17 Uhr, vorab gibt es eine Einführung mit Christian Meyer, Dozent an der Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen. Vorverkauf beim Haßfurter Tagblatt, Brückenstraße 14, unter Tel. (0931) 6001 6000  und (09523) 5475 oder karten@schuettbau-meisterkonzerte.de

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