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    BERLIN

    Die große Abenteuerlust des Hardy Krüger

    Oft der zweite oder dritte Star eines Films: Hardy Krüger in „Die Brücke von Arnheim“ (1976). Foto: dpa, Cinetext

    Es hat ihn immer wieder in die Ferne gezogen: Hardy Krüger ist ein Weltenbummler. Aber er bekannte sich stets zu Berlin, wo er 1928 als Franz Eberhard August Krüger im Wedding geboren wurde. An diesem Freitag, 12. April, wird der Schauspieler und Schriftsteller 85 Jahre alt. Seine Filme und Bücher haben alle mit seinem Leben zu tun, mit seinen Überzeugungen, Erfahrungen, seiner Abenteuerlust.

    Seinen ersten Filmauftritt hatte Hardy Krüger 1943 im Alter von 15 Jahren im NS-Propagandafilm „Junge Adler“. Das war kein Zufall. Von seinen Eltern „zum Nazi erzogen“, wie er sagte, kam er 1941 auf die Adolf-Hitler-Schule der „Ordensburg Sonthofen“. Die Dreharbeiten wurden zu einem Wendepunkt in seinem Leben: Er lernte die Schauspieler Hans Söhnker und Albert Florath kennen, die ihm die Augen öffneten über die Verbrechen der Nazis.

    In amerikanischer Gefangenschaft

    Im Frühjahr 1945 wurde Krüger noch zur Waffen-SS eingezogen, geriet in amerikanische Gefangenschaft. Nach dem Krieg begann seine schauspielerische Laufbahn als Statist am Hamburger Schauspielhaus und als Darsteller in Hannover. Schon 1949 drehte er drei Filme. 1957 bekam Krüger die Hauptrolle in dem britischen Film „Einer kam durch“, sein internationaler Start. Er verkörperte eine historische Figur: den Jagdflieger Franz von Werra, der 1940 über England abgeschossen wurde, als Gefangener nach Kanada kam und sich von dort über die USA und Südamerika nach Deutschland durchschlug. Krüger zeichnete ihn als eleganten, lässigen jungen Mann voller Freiheitsdrang, Werras Nazikarriere wurde nur angedeutet.

    Bevor in den 60er Jahren Hollywood rief, entstanden die beiden wohl besten deutschen Hardy-Krüger-Filme. In Helmut Käutners „Hamlet“-Version „Der Rest ist Schweigen“ von 1959 kehrt er als Erbe eines Industrieunternehmens, das mit den Nazis zusammengearbeitet hatte, aus den USA ins Ruhrgebiet zurück. Er will herausfinden, wie sein Vater 1944 tatsächlich ums Leben kam, und bringt Bewegung in die erstarrte Gesellschaft der Adenauer-Zeit. „Zwei unter Millionen“, 1961 kurz vor dem Bau der Mauer von Wieland Liebske in Berlin gedreht, ist die Geschichte eines Paares (Krüger und Loni von Friedl), das aus dem Osten stammt und sich im noch ungeteilten Berlin durchs Leben schlägt. Es folgten die Filme, die Hardy Krügers Ruhm begründeten. Mit John Wayne ging er 1962 in „Hatari!“ auf Großwildjagd in Afrika, Regie führte Howard Hawks. 1965 rettete er neben James Stewart in „Der Flug des Phönix“ die Besatzung eines in der Sahara abgestürzten Flugzeugs, indem er aus den Trümmern ein neues baute.

    Krüger spielte in vielen Actionfilmen, hatte Yul Brynner, Orson Welles, Anthony Quinn oder Sean Connery als Partner. Er war immer der zweite oder dritte Star, hatte aber als idealer Abenteuerheld starke Rollen. Wenn er selbst über seine Filme sprach, spielten zwei französische eine besondere Rolle, die einen ganz anderen Hardy Krüger zeigen: „Sonntage mit Sibyll“ von Serge Bourguignon (1962), der den Auslands-Oscar gewann, aber in Deutschland kaum zu sehen war. Und „Le franciscain de Bourges“ (1968) von Claude Autant-Lara, den kein deutscher Verleiher wollte.

    Reiseberichte und Erzählungen

    Im ersten spielte er einen ehemaligen Vietnam-Piloten, der das Gedächtnis verloren hat. Durch die Zuneigung eines Mädchens findet er ins Leben zurück, seine Umwelt unterstellt ihm zu Unrecht Lolita-Motive. Bei Autant-Lara war er ein zur Nazi-Armee eingezogener Mönch, der sich als Sanitäter entscheiden muss, ob er gegen den Befehl einem gefolterten Franzosen helfen soll.

    Leichtere Kost waren die Bücher, die er ab 1970 schrieb und zum Teil in Fernsehserien umsetzte. Von 1987 bis 1995 etwa stellte er in der NDR-Serie „Weltenbummler“ spektakuläre Gegenden und ihre Bewohner vor. Zu seinen Büchern zählen Erinnerungen eines Schauspielers, wie in „Szenen eines Clowns“, Reiseberichte, Romane und Erzählungen. Oft spielen sie an exotischen Schauplätzen, so der neue Roman „tango africano“ von 2010 – Hardy Krüger hat lange auf einer Farm in Ostafrika gelebt. Er heiratete dreimal, bekam drei Kinder. Sein Sohn Hardy Krüger junior und die älteste Tochter Christiane sind ebenfalls Schauspieler geworden. Mit seiner dritten Frau, der Amerikanerin Anita Park, pendelt er derzeit zwischen Kalifornien und Hamburg.

    Mit Maria Schell in „Solange Du da bist“ (1953).

    Von epd-Korrespondent Wilhelm Roth

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