• aktualisiert:

    WÜRZBURG

    Die kleine Hexe in Karoline Herfurth

    Rotes Haar, eine lange Nase und meist ein herzerfrischendes Lachen auf den Lippen: So verkörpert die beliebte Schauspielerin Karoline Herfurth in dem Spielfilm „Die kleine Hexe“ nach Otfried Preußler die Kinderbuchheldin. Ein Gespräch mit der 33-jährigen Schauspielerin über Hexen des wahren Lebens, Schönheits-OPs und die #metoo-Debatte.

    Frage; Frau Herfurth, haben Sie etwas machen lassen? Im Film sieht Ihre Nase wesentlich länger aus.

    Karoline Herfurth: Ja, ja! Ich dachte mir, ich mache sie jetzt mal wieder kleiner, so wie Jennifer Aniston in „Friends“ (lacht). Die Prothese war sehr ungewohnt. Ich bin die ganze Zeit ständig daran gestoßen. Dabei war meine Nase nur drei Millimeter länger. Es ist schon erstaunlich, wie genau man seine Proportionen kennt. Und anschließend muss man sich tatsächlich wieder zurückgewöhnen.

    Was würden Sie tun, wenn Sie tatsächlich mit einem derart enormen Riecher zur Welt gekommen wären?

    Herfurth: Ich glaube nicht, dass mich das sehr beschäftigen würde. Wenn ich unsicher mit meinem Aussehen bin, arbeite ich lieber daran, mit mir zufrieden und glücklich zu sein, als mich operieren zu lassen. Ich konzentriere mich lieber auf das, was ich mache.

    Sind Sie mit der „Kleinen Hexe“ aufgewachsen?

    Herfurth: Ja. Das Buch wurde mir sehr früh vorgelesen, mit vier oder fünf. Als man mich fragte, ob ich „Die kleine Hexe“ spielen möchte, habe ich mich sehr gefreut. Ich verbinde viele Emotionen und Erinnerungen mit der Geschichte, wie wahrscheinlich viele andere auch. Für mich ist „Die kleine Hexe“ ein Stück deutscher Kulturgeschichte. Es ist fast so, als würde man als Schwedin „Pippi Langstrumpf“ spielen. Für mich war es eine Ehre und eine große Aufgabe. Entsprechend hatte ich auch ganz schön Bammel.

    Wie haben Sie die Hexe in sich gefunden?

    Herfurth: Man hat mich oft gefragt, ob mich die Kinderbuchzeichnungen nicht irritiert hätten. Ehrlich gesagt, waren sie eine meiner wichtigsten Inspirationen. Wie die „Kleine Hexe“ da gezeichnet ist, erzählt schon sehr viel von ihrem Charakter und von ihren Bewegungen. Man kann sich sofort vorstellen, wie sie läuft und wie sie lacht, wie sie spricht und guckt. All das hat schon so eine Eigenart. Ich habe, und das mache ich eigentlich sehr selten, vorher schon mal Bewegung und Sprache geübt. Ich wollte es nicht zum ersten Mal am Set probieren, weil ich das Gefühl hatte, von Anfang an voll und ganz in diese Haut schlüpfen zu müssen. Für eine erwachsene Person birgt es viele Gefahren in sich, ein Kind zu spielen. Es kann sehr schnell albern oder kitschig wirken, überzogen sein. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, was „kindlich sein“ bedeutet. Was macht Bewegungen kindlich? Ich denke, es hat sehr viel mit Impulsivität zu tun, mit dem frei heraus Handeln und auch mit einer gewissen Größe. Diese große Geste zu wagen, ohne dabei zu übertreiben, war eine komplizierte Balance.

    Glauben Sie, dass es Menschen gibt, die über besondere Fähigkeiten verfügen, die sich nicht erklären lassen?

    Herfurth: Wir sagen von uns, dass wir alle Kinder der Vernunft sind. Ich halte mich für wissenschaftlich geprägt. Ich bin nicht gläubig im religiösen Sinne und auch in keiner Religion aufgewachsen. Wissenschaft finde ich mega, alles was sich beweisen lässt, ist großartig. Wir wissen, dass es das Universum gibt. Doch nach unserem Verständnis muss es irgendwo aufhören. Kann es aber nicht. Und wenn doch, was ist dann dahinter? Solche Fragen finde ich unheimlich spannend. Es beantwortet ein bisschen, ob man an solche Kräfte und Energien glaubt, die Sie ansprechen. Es gibt auch für wissenschaftlich denkende Menschen Dinge, die man sich einfach nicht erklären kann. Ich glaube, dass es Menschen gibt, die in gewissen Bereichen mehr Wissen haben und schon größere Zusammenhänge verstehen. Ich glaube sehr fest an Energien und an Kräfte, die wir noch nicht so richtig verstehen. Kräfte, die man auch als Hexerei bezeichnen könnte. Das Bild der Hexe ist ja entstanden, weil sich die Menschen früher bestimmte Fähigkeiten nicht erklären konnten.

    Im Moment herrscht in der Filmbranche eine gewisse Verunsicherung. Können Sie es als Kompliment nehmen, wenn Ihnen ein Mann sagt, dass er Sie als „Kleine Hexe“ sehr süß findet oder ist es bereits eine Grenzüberschreitung?

    Herfurth: Wenn Sie sagen, dass ich als „Kleine Hexe“ sehr süß bin, dann erfüllt das ja genau einen Aspekt, den man in der Interpretation der Figur erreichen wollte. Ich würde mich nicht beleidigt fühlen. Wenn mir jemand entgegenkommen, mir auf den Kopf tätscheln und sagen würde: „Du bist ja süß!“, dann wäre ich beleidigt. Aber ich würde mich noch nicht zwingend belästigt fühlen. Ich finde es gut, dass wir gerade an einem Punkt angelangt sind, an dem man sich Gedanken zu machen beginnt, wann die Grenzen zu seinem Gegenüber überschritten werden. Dass es diese Sensibilität gibt, finde ich richtig. Ebenso wichtig finde ich, dass man seine eigenen Grenzen klar definiert und überlegt, wie man sie anzeigt. Diese Diskussion führt hoffentlich dazu, dass Frauen das dürfen. Männer lernen, was sie nicht dürfen und dass sie aufmerksam sein müssen. Für mich geht es bei dieser Diskussion aber auch um ganz andere Themen.

    Zum Beispiel?

    Herfurth: Für mich gehören einige Diskussionen, die gerade aufbrechen, wie eben die #metoo-Debatte und die Diskussion um den Gender-Pay-Gap, zusammen. Ich bin kein Fan des Austauschens von Betroffenheitsgeschichten im Klatschpresse-Sinn. Trotzdem finde ich gut, dass das Thema in den sozialen Kanälen eine solche Welle geschlagen hat. Das ist unglaublich befreiend. Ich finde es auch gut, dass Menschen, die Gewalt ausüben, öffentlich an den Pranger gestellt werden. Hinter allem steht die Frage nach der strukturellen Machtverteilung der Geschlechter. Das Überdenken traditionell gewachsener Geschlechterrollen, die unbedingt aufgebrochen und modernisiert werden müssen. Diese Diskussion muss geführt werden, das ist längst überfällig. Ich bin sehr glücklich, dass das zunächst einmal in den Wahrnehmungsbereich rückt. Und natürlich hoffe ich, dass sich auch etwas ändert. Zum Beispiel bei Eltern. Wie teilen wir uns auf? Wie teilt der Arbeitsmarkt uns auf? Wie finanzieren wir uns? Wer wird arm und wer nicht? Das alles gehört zusammen. Wenn diese Diskussion die Wahrnehmung und die Selbstwahrnehmung in Bezug auf Geschlechterrollen ändern würde, wäre ich sehr dankbar.

    Ihr Spielfilm-Regiedebüt „SMS für Dich“ wurde für das gute Klima am Filmset ausgezeichnet. Offenbar kennen Sie das Geheimnis, wie sich alle an einem Drehort wohlfühlen können.

    Herfurth: Ich glaube einfach, dass sich die Energie, die bei der Entstehung eines Filmes herrscht, tatsächlich auf die Leinwand überträgt. Auch wenn ich daran glaube, dass es jemanden in der Regie geben muss, der am Ende entscheidet, wie die Vision umgesetzt wird, damit es eine klare Linie gibt und ein rundes Ganzes wird. Aber erst einmal muss ich als Regisseurin die Ohren weit aufmachen. Es gibt so viele Bereiche, von denen ich wenig Ahnung habe und in denen andere Meister ihres Fachs sind. Film ist nun mal Teamarbeit. Dadurch entwickeln sich eine Energie, eine Geschichte und ein Geist in allen Köpfen. Woher eine Idee kommt, ist letztendlich egal. Wichtig ist, dass die richtige Idee im Film landet. Die Menschen an einem Filmset arbeiten unglaublich hart. Ich habe schon immer die Erfahrung gesammelt, dass ein Team wirklich leidenschaftlich arbeitet, wenn sich jeder auch wohlfühlt. Wenn man dieser positiven Energie ein Fundament liefert, bekommt man unheimlich viel zurück. Als Schauspielerin kann ich sagen, dass sich eine schlechte Energie bis in mein Gesicht überträgt. Eine gute, konzentrierte Energie hingegen kann ganz viel Kraft schaffen.

    Das Gespräch führte André Wesche

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!