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    Schweinfurt

    Dreimal Mozart mit den Bambergern: Ein musikalischer Roman

    Die Bamberger Symphoniker im Theater der Stadt Schweinfurt Foto: Mathias Wiedemann

    Das kennt man normalerweise nur von Liederabenden: Applaus erst ganz zum Schluss, nicht zwischen den einzelnen Werken. Bei einem Sinfoniekonzert ist das eher ungewöhnlich. Allerdings ist es auch eher ungewöhnlich, an einem Abend drei Mozart-Sinfonien zu spielen. Jakub Hruša, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, hat für das Konzert am Samstag im sehr gut besuchten Theater der Stadt Schweinfurt genau diese Programmentscheidung getroffen: Die letzte drei Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart, Nr. 39, 40 und 41; KV 543, 550 und 551; Es-Dur, g-Moll und C-Dur. 

    Mozart schrieb sie 1788 in nur zwei Monaten, und doch wirken sie, als stammten sie aus komplett unterschiedlichen Lebensphasen. Am Stück gespielt, ohne Zwischenapplaus und ohne Pause, im direkten Vergleich also, entsteht ein verblüffender Effekt: Einerseits schärft die Zusammenschau den Blick auf die Eigenschaften (und Eigenheiten) jeder einzelnen Sinfonie, andererseits verschmelzen innerhalb dieser 80 Minuten die Werke zu einem, es ergibt sich so etwas wie ein musikalischer Entwicklungsroman.

    Die Es-Dur-Sinfonie übernimmt dabei die Rolle der Exposition, sie klingt ohnehin wie eine aus der Zeit gefallene barocke Festmusik. Danach der Konflikt, die Krise: Die hochdramatische g-Moll-Sinfonie mit dieser unheilverkündenden Unterströmung, mit den immer neu mutierenden Zwei-Ton-Motiven, mit dem Anrennen gegen eine Wand irdischer Hemmnisse.

    Jakub Hruša dirigiert den ganzen Abend ohne Stab, eher sachlich, eher zurückhaltend

    Und dann die C-Dur-Sinfonie, Beiname "Jupiter". Sie besteht mitnichten nur aus Triumph und Harmonie. Auch sie muss ihren Weg erst finden. Das Andante aber stellt einen ersten Ruhepunkt dar, eine erste Ahnung von Frieden. Plötzlich sind alle Hemmnisse überwunden. Oder zumindest für einen Moment vergessen. Plötzlich ist es, als hätten sich Jakub Hruša und die Bamberger eine neue Dimension erschlossen. Alles ist Natürlichkeit und Mühelosigkeit, alles klingt, als habe Mozart es genau so gedacht und nicht anders. 

    Das Interessante dabei: Hruša ist ausgesprochen sparsam mit Effekten. Er dirigiert den ganzen Abend ohne Stab, eher sachlich, eher zurückhaltend. Es ist, als wisse er, dass die Musik schon ihre Kraft entfalten werde, auch und gerade in dieser Konstellation. Voraussetzung für diese gleichsam zurückgenommene, beinahe entspannte Haltung ist das Orchester: Die Bamberger Symphoniker überbieten an diesem Abend sich selbst in Sachen Akkuratesse, Präzision und vor allem liebevoller Sorgfalt.

    Drei Mozart-Sinfonien am Stück, das bedeutet auch, dass es keinerlei Rückzugsorte gibt, wie sie etwa die Fortissimo-Wolken der Romantik gelegentlich bieten. Bei Mozart kommt es auf jeden Ton, jede Nuance, jede Ablösung, jeden Übergang an. Sonst ist der Zauber dahin. An diesem Abend ist der Zauber eine Staunen machende Selbstverständlichkeit. Es braucht also nicht unbedingt neue Formate, neue Konzepte, neue Locations, um den Menschen Klassische Musik wirklich nahezubringen. Manchmal reicht es auch, wenn man dieser Musik bedingungslos vertraut. Und man sie so meisterlich spielen kann. 

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