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    WÜRZBURG

    Egersdörfer: „In der Herstellung aweng grob“

    Matthias Egersdörfer im Würzburger Boxhorn Foto: Johannes Kiefer

    Sein Veranstaltungsplakat ist ungewohnt zahm. Matthias Egersdörfer, der sich seinen Fans in der Vergangenheit schon in unsexy weißem Feinripp, im zartlila Ballkleid und im längsgestreiften Bademantel präsentierte, wirbt für sein neues Programm „Ein Ding der Unmöglichkeit“ komplett bekleidet und in einem Kinderkarussell sitzend.

    Die Befürchtung, dass er harmlos geworden sein könnte, löst sich in Wohlgefallen auf, als er die Bühne betritt. Egersdörfer ist Egersdörfer: übellaunig, polternd, schräg, derb, fränkisch. Bei ihm gibt es kein „Guten Abend, Würzburg“ und kein „Ich freue mich, dass Sie da sind“ mit drei Ausrufezeichen. Der unpolierte Stern am Kabaretthimmel teilt seinem Publikum im ausverkauften Würzburger Boxhorn zur Begrüßung mit, dass er sich auf der Bühne gerne mal „im weißen Anzug kräftig in die Hosen scheißen“ würde. Dass er gerne Sportlehrer im Frauengefängnis geworden wäre. „Fette kriminelle Quallen über Kästen hupfen lassen“, das hätte ihm Freude gemacht. Dass er als Kind „Schäfchen gezählt“ hat zum Einschlafen – und als Erwachsener zum selben Zweck „Mordphantasien“ entwickelt. Dass Mathias Repiscus ihm ein „labberiges Käsebrot“ in die Garderobe gestellt hat, das vorher mindestens „vier Wochen auf der Fensterbank“ verbracht hat. „Wenn das Arschloch aus Mittelfranken kommt, soll es was zum Kauen haben“, habe der Boxhorn-Chef sich wohl gedacht.

    Geschichten im Kasernenhofton

    Egersdörfers Geschichten, gerne im Kasernenhofton, manchmal aber auch fast leise vorgetragen, sind wahnwitzig und abstrus. Sie handeln von „Frauen ohne Wurstkompetenz“, von Mozart, der nur „Paarungsmusik für Singvögel“ geschrieben hat, von an „Grasintoleranz“ gestorbenen Kühen, von „mit Koks klistierten Radiomoderatoren“. Wie kleine Fährten legt der Kabarettist, dem Diplomatie, politische Korrektheit, Charme und andere Geschmeidigkeiten wohltuend fremd sind, sie aus, und führt sie irgendwann zu einem völlig absurden Höhepunkt zusammen. Das ist Kunst.

    Dass Matthias Egersdörfer im zweiten Teil seiner großartigen One-Man-Show im weißen Anzug erscheint, gibt Anlass zur Besorgnis. Aber er tut nicht, was er zu Beginn zumindest als Möglichkeit in Aussicht gestellt hat. Stattdessen wird er fast ein wenig poetisch, schwärmt von „zeitgenössischen klassischen Klavierkonzerten mit acht Bratschen“ und von Radiosendungen über „Linkshänder in der Weimarer Republik“. Zum Schluss fährt ein „U-Boot die Pegnitz nauf“ und die Schlümpfe steigen aus.

    Das sattsam vom Künstler beschimpfte Publikum belohnte Egersdörfer mit begeistertem Applaus. Seine Programme sind halt, um die ureigenen Worte des Meisters der skurrilen Unterhaltung zu benutzen, „wie Gänseleberpastete: ganz lecker, aber in der Herstellung aweng grob“.

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