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    WÜRZBURG

    Ein Eisenbahnrennen beim Mozartfest

    Jasmine Choi Foto: Theresa Müller

    Als die Mozartfestbesucher am Mittwochabend die Würzburger Residenz verließen, waren satte zweieinhalb Stunden Konzert vorbei. Bestritten hatten den Abend das Philharmonische Orchester Würzburg unter Generalmusikdirektor Enrico Calesso und die südkoreanische Flötistin Jasmine Choi.

    Erschöpft waren viele im Publikum nach Ludwig van Beethovens Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“. Das ausladende und vielteilige Werk war herausfordernd, bot aber auch die Gelegenheit, Beethovens Vielschichtigkeit und vielfältige Ausdrucksweise zu erleben.

    Was aber machte den Reigen an musikalischen Szenen so ermüdend, dass eine Konzertbesucherin beim Hinausgehen erbost schimpfte: „Wie kann man nur auf die Idee kommen, eine Ballettmusik rein konzertant, aber komplett auf die Bühne zu bringen?“ Nun, die Idee ist erlaubt und durchaus hehr, allein es fehlte das, was Ballettmusiken anderer Komponisten leichter verdaulich macht: das Kopfkino des Tanzes.

    So bleibt nur ein flüchtiger Eindruck von Gravitätischem, von stürmischem Geschehen, von pompöser Note und Gestenreichtum. Dem gegenüber stehen anmutiges, tänzelndes Treiben und ein sinnliches Spiel der bestens eingestellten Orchestersolisten.

    Die eindrucksvolle erste Konzerthälfte mit Jasmine Choi musste man sich später erst wieder ins Gedächtnis rufen. Sie bestach zunächst mit Wolfgang Amadé Mozarts Flötenkonzert Nr. 2 D-Dur KV 314, faszinierte durch warmen, runden Ton, durch eine flirrend leichte Kadenz, die einen ersten Eindruck von ihrer immensen Virtuosität lieferte. Ein sehr stringentes Adagio der großen Linie, etliche wohlüberlegte kleine Freiheiten, geschmackvolles Lösen vom Orchesterfundament, keck verspielte Ornamentik im Rondo – fein musiziert war das.

    Dirigent Enrico Calesso nahm das Orchester, dessen Streicher nicht ganz so homogen auftraten wie gewohnt, weitgehend zurück. Ein wenig mehr an grundierendem Pulsieren hätte man sich auch vorstellen können.

    Fabelhafte Flötistin

    Camille Saint-Saëns anstelle des angekündigten zeitgenössischen Flötenkonzerts von Mark Laycock sodann: Schwierigkeiten bei der Notenbeschaffung hatten zur Programmänderung geführt. Doch „Introduction und Rondo capriccioso“ in einer von Jasmine Choi erstellten Flöten-Adaption des Violinwerks entschädigte vollkommen.

    Die junge Solistin schmeichelte, verführte, wirbelte feurig und farbenreich, lieferte sich ein funkelndes musikalisches Duell mit Konzertmeister Franz Peter Fischer, schickte phänomenale Läufe in den Kaisersaal und legte mit dem plakativen und wilden „The Great Train Race“ (Ian Clarke) eine an zeitgenössischen Spieltechniken reiche spektakuläre Zugabe nach.

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