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    WÜRZBURG

    Eine bärige Nachtmusik

    Der Donner grollte – trotzdem fand die die erste Nachtmusik des Würzburger Mozartfests im Hofgarten der Residenz statt. Die Capella Augustina spielte vor der stimmungsvollen Kulisse der Residenz. Foto: Thomas OBermeier

    „Kunst, was ist aus dir geworden?“ Diese Frage Pygmalions im gleichnamigen Monodrama nach Jean-Jacques Rousseau von Georg Anton Benda könnte man manchmal stellen, wenn Wolfgang Amadeus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ zu Werbezwecken oder ähnlichem Unsinn heruntergedudelt wird. Deshalb ist es immer wieder eine Herausforderung, dieses Werk so zu musizieren, dass seine Tiefe hörbar wird.

    Der Capella Augustina unter ihrem Gründer und Leiter Andreas Spering ist das bei der diesjährigen ersten Nachtmusik des Mozartfestes im Hofgarten der Würzburger Residenz bemerkenswert gut gelungen. Ohne falsches Romantisieren, ohne übertriebene Temporasereien wurde stilsicher, durchsichtig, graziös und innig, im letzten Satz temperamentvoll musiziert.

    Verliebt in eine Statue

    Und dann eben Bendas „Pygmalion“. Dieses Werk hat einen Sprecher und zwei nur pantomimisch agierende Figuren, auf die an diesem Abend verzichtet wurde – man hätte dies aus der Entfernung ohnehin nicht gesehen. Die auf Ovid zurückgehende Geschichte ist rasch erzählt: Der Bildhauer Pygmalion hat eine Figur, Galatea, geschaffen, in die er sich unsterblich verliebt. Die Göttin Venus erweckt die Skulptur zum Leben.

    Der Sprecher Christian Brückner verlieh seiner Figur leidenschaftliche Züge, die in dem Satz gipfeln „Meine einzige Torheit ist, das Schöne zu erkennen“. An dieser Torheit konnten auch die Hörer an diesem Abend teilhaben, denn es gab nicht nur in den phänomenal gut gesprochenen Texten, sondern auch in Bendas bildhafter Musik viel Schönes zu entdecken. Dabei konnte sich die Capella Augustina bei den wechselnden Stimmungsbildern auch auf ihre Opernerfahrung verlassen.

    Donnergrollen

    Der Herzenskomponist des Ensembles ist – wie im Abendprogramm vermerkt – Joseph Haydn. So wurde seine Sinfonie Nr. 82 – Beiname „der Bär“ – denn auch zum unbestrittenen Höhepunkt des Abends. Diese Sinfonie ist scheinbar leicht, doch irrsinnig schwer, wenn sie richtig gespielt wird. Die Capella Augustina ließ den freien Charme und die Lust am Ausspielen der Haydn'schen Spiritualität spüren. Sie verzettelte sich nicht in Einzelheiten, ließ nie nur elegante Nettigkeiten aufkommen, sondern gab der Musik jene Leuchtkraft mit, die sich auch am Himmel mit Wetterleuchten abzeichnete.

    Auch der brummige Anfang des letzten Satzes, dem die Sinfonie ihren Namen verdankt, wurde von leichtem Donnergrollen untermalt. Der Beifall der 2500 Besucher war aber stärker!

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