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    Würzburg

    Eine große innere Bewegung

    „Das ist auch eine traurige Geschichte, aber davon erzähle ich nichts“: Stefanie Mayer über ihr Bild „Rosemary’s Baby“. ... Foto: Joachim Fildhaut

    Der weiße Würfel der BBK-Galerie schien bisher immer einfach zu handhaben – als neutralster Hintergrund, um Bilder aufzuhängen. Als Steffi Mayer nun 40 – bis zu vier Quadratmeter große –Gemälde in den Seitenflügel des Würzburger Kulturspeichers trug, sah sie sich vor einer schweren Aufgabe: Ihre Werke standen sich eng gegenüber. Und als sie dicht nebeneinander hingen, „machten sie was miteinander“, so die Künstlerin.Der Schöpferin erschienen ihre starkfarbigen Erzählungen und Porträts zu intensiv in dem kleinen Raum. 

    Denn sehr kräftig strahlen die 19 Menschenbildnisse der neuen Ausstellung „Stefanie Mayer / ppm pam Porträt post mortem Porträt ante mortem“ aus. 19 Stück statt der oben erwähnten 40? Klar: Die Crailsheimer Künstlerin hat erst in Würzburg ausprobiert, welche Werke aus den vergangenen acht Jahren am besten zusammenpassen.

    Die meisten Räume wirken komprimiert, der Hintergrund drängt die Figuren in Richtung Betrachter. Und auch wenn auf den Bildern alles still ist, so teilt sich doch eine große innere Bewegung mit, die die Künstlerin in die Bilder hineinarbeitete.

    Um den Titel zu dechiffrieren: Das Kürzel „ppm“ kennzeichnet alle Gemälde, die in Erinnerung an einen vor fünf Jahren gestorbenen wichtigen Menschen entstanden sind. Zwei Jahre später begann Stefanie Mayer eine Phase, in der sie ihre Figuren umgeben von Requisiten malte, die dem Verstorbenen wichtig waren, etwa Asiatica und Teppiche: Porträts nach dem Tode.

    Heimlich gemalt

    Dieses gute halbe Dutzend zusammengehöriger Werke kombinierte sie für Würzburg mit weiteren Bildnissen, auch alle nach Modellen gemalt. Sie folgt noch heute der allerersten Lehre ihres VHS-Aktkursleiters Dieter Stein, bei dem sie mit 17 Jahren ihre Ausbildung begann: Man solle keine Körper aus dem Kopf malen, denn dann beschönige man sie nur.

    Nicht jeder hat so viel Verständnis für das Abmalen von vorgegebenen Motiven, ja für das Malen überhaupt. Bei ihrem Studium in den 1990er Jahren wollte man ihr die Arbeit mit Pinsel und Leinwand gern aberziehen: „Auf der Münchner Akademie ging es noch. Aber bei den ganzen Beuys-Schülern als Professoren der Hamburger Kunsthochschule musste ich heimlich malen.“

    Nur gelegentlich hantieren ihre Figuren mit bedeutungsschweren Gegenständen. Meist scheinen die Männer, Frauen und Kinder in sich versunken, wie mitten aus ihren Alltagstätigkeiten herausgerissen. Aus der Art, wie sie dargestellt sind, erwächst eine Stimmung, oft etwas geheimnisvoll und immer unter einer Art von seelischem Überdruck.

    Stefanie Mayer hat sich nicht von ihrem Weg abziehen lassen. Trotz augenfälliger Weiterentwicklung in den vergangenen acht Jahren ist sie ihrem Stil treu geblieben.

    Eröffnung am Freitag, 15. Februar, 19 Uhr. Öffnungszeiten: Freitag, Samstag 15-18, Sonntag 11-18 Uhr; bis 10. März

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