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    WÜRZBURG

    Eisheilige Nacht als Kontrast zur traditionellen Weihnacht

    Subway to Sally bei der „Eisheiligen Nacht“ Foto: Silvia Gralla

    „Stille Nacht, eisheilige Nacht“ – wer einstimmt in Eric Fishs Version des Liedes, das die Deutschen gern für sich reklamieren, aber dem Nachbarn aus Österreich zu verdanken haben, muss ein differenziertes Bild von Weihnachten haben. Und ob's drei Tage nach Heiligabend unbedingt den „Falschen Heiland“ braucht, ist auch Geschmackssache. Subway to Sally bieten mit ihren Eisheiligen Nächten bewusst Kontrast zum traditionellen Fest – den 1500 in der Würzburger Posthalle gefällt's.

    Es ist ein vielfältiges Paket, das die Potsdamer Mittelalter-Metaller diesmal geschnürt haben: Mr. Hurley und die Pulveraffen sowie Feuerschwanz legen Folklore unter den imaginären Christbaum, Mono Inc. färben die Posthalle gotisch schwarz und die Sallys hangeln sich durch ihr Mittelalter-Gothic-Metal-Geflecht, dem etwas mehr Vielseitigkeit auch gut täte.

    Die Überraschung

    Die Überraschung des Abends: Feuerschwanz räumen ab, ihre gängigen Mitmach-Spielchen fruchten: „Setzt euch hin und rudert“, sagt der „Hauptmann“ – Leinen los, Ahoi, für die „Seemannsliebe“. Die mittelfränkischen Seebären haben das Steuer fest im Griff.

    Mono Inc. fallen mit rhythmischem, aber eingängigem Dark-Rock aus dem Rahmen. Sänger Martin Engler ist die schillernde Figur im Düster-Ensemble, tauscht schwarz-weißen Brokat schon nach „Banks of Eden“ gegen das kürzere, rote Offiziersfräckchen. Für Bassist Manuel Antoni reicht's nur zum Zwirn des einfachen Soldaten samt Kappe. Die Hamburger brauchen etwas länger, bis sie die Franken auf ihrer Seite haben – doch dann sind sie treues Gefolge. Selbst der traditionelle Stimmungskiller Drum-Solo (stark: Katha Mia) wird geschluckt, auch der verzichtbare Iggy Pop'sche „Passenger“. Deutlich gelungener das vom Subway-to-Sally-Gitarristen Simon Levko unterstützte „After the War“-Cover; Gary Moore dürfte im Sarg lässig mitgegroovt haben. Noch einmal Vollgas mit „Children of the Dark“ und „Voices of Doom“ – schon is' er rum, der kurzweilige Gig.

    Was der Franke nicht macht

    Klar, Chefs des Abends sind Subway to Sally. Und nach den anfänglichen post-weihnachtlichen Stil-Unsicherheiten sind die Sieben flugs im bewährten Fahrwasser. „Schneekönigin“, „Henkersbraut“, „Kleid aus Rosen“ – Hits, Hits, Hits. Und immer wieder schaurig-schön: „Eisblumen“. Optisch sind die knielangen Haare der Violinistin Ally Storch ohnehin eine Augenweide.

    Was Band-Boss Fish, der Hecht heißt, allerdings partout nicht verstehen will: einen Circle Pit macht der Metaller nicht auf Ansage („macht da mal ein Loch“), der Franke schon gar nicht – und so bleibt der Kreistanz zu „Besser du rennst“ überschaubar. Mit „Sieben“ ist Schluss, aber natürlich wird zugegeben: ohne „Veitstanz“, bei dem alle Bands mitwirken dürfen, sowie „Julia und die Räuber“ gehen die Sallys nicht von der Bühne – und das erst nach Mitternacht.

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