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    Weikersheim

    Götz Alsmanns Liebeserklärung an den Italo-Schlager

    Götz Alsmann am Flügel der Tauberphilharmonie in Weikersheim. Foto: Uwe Weil

    Wäre interessant zu wissen, wie viele Kilometer Götz Alsmann an so einem Abend zurücklegt. Wenn er spätestens nach zwei Songs am Flügel wieder aufspringt, zur Bühnenmitte eilt, eine seiner schrägen Geschichten erzählt, wieder zurück eilt, den Mikrofonständer mit routiniertem Schwung beiseite kippt und noch im Hinsetzen den ersten Akkord des nächsten Songs anschlägt.

    Wäre auch interessant, was ein Orthopäde zu seiner Klavierhaltung sagen würde: Zu dieser gar nicht mal so unbequem wirkenden, aber sicher nicht sehr gesunden Angewohnheit, mit seitwärts ins Publikum gedrehtem Kopf zu singen.

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    Mit dem Programm "In Rom" schließen Götz Alsmann und ausgezeichnete Band – nach den Themen Paris und Broadway – eine Trilogie mit den Schlagern der 50er und 60er Jahre ab. Nun sind sie damit auf Tour, am Montag war Station in der nahezu ausverkauften Tauberphilharmonie Weikersheim. Alsmann an Stimme, Klavier, Mandoline und Ukulele, Altfrid Sicking an Vibrafon, Xylofon, Trompete und Klarinette, Rudi Marhold am Schlagzeug, Markus Passlic, an Congas und Bongos, und Ingo Senst am Bass.

    "Großfamilie am Küchentisch. Streit, Versöhnung, Streit, Versöhnung, Streit. Und dann tritt Sophia Loren ins Zimmer."
    Götz Alsmanns Kurzfassung italienischer Schwarz/Weiß-Filme

    Alsmann bezeichnet sich selbst als Unterhaltungskünstler, und genau das ist er auch: brillanter Bandleader, Arrangeur und Interpret und ein Conférencier mit untrüglichem Sinn für Timing und Pointe. Der 62-Jährige kann Pathos ironisieren, ohne dabei die Empfindsamkeit eines Songs zu verraten. Und er kann, mal eben so, nur mit der Ukulele im Arm, einer vermeintlich banalen Nummer romantische Nuancen abgewinnen, die direkt zu Herzen gehen.

    Es sind fast alles San-Remo-Klassiker, also Schlager, die einst bei dem legendären Schlagerfestival abgeräumt haben. "Azzurro", "Volare", "Mambo Italiano", "Ciao, Ciao Bambina" oder "Schau dir den Mond an" (Guarda que luna) – die Texte klang- und pointensicher eingedeutscht, die Musik lässig in jazzige Arrangements gepackt. Überhaupt, so findet Götz Alsmann, sollte man die Qualität einer Kulturnation an der Qualität ihrer Schlagerfestspiele bemessen. Die letzten deutschen Schlagerfestspiele fanden 1966 in Baden-Baden statt. Die von San Remo sind seit 1951 ununterbrochen Straßenfeger der Nation.

    Götz Alsmann an der Mandoline, Altfrid Sicking an Vibrafon und Xylofon. Foto: Uwe Weil

    Die grundsätzliche Schwierigkeit eines Italo-Schlager-Programms: Was in Italien nationales Kulturgut ist, dient den Deutschen als nostalgische Klangtapete ihrer Klischees. Und hier kommt eine weitere Fähigkeit Götz Alsmanns zum Tragen: das lustvolle Spiel mit eben diesem Klischee. Etwa seine Kurzfassung aller Schwarz/Weiß-Filme des Verismo: "Großfamilie am Küchentisch. Streit, Versöhnung, Streit, Versöhnung, Streit. Und dann tritt Sophia Loren ins Zimmer." Alsmann quittiert das Vergnügen des Publikums mit verschwörerischem Grinsen.

    Es gibt eine Menge zu lernen an diesem Abend, schließlich ist Alsmann nicht umsonst auch Professor für die Geschichte der Popularmusik. Seine Hochachtung für das Sujet zeigt sich nicht nur in der liebevollen musikalischen Sorgfalt, sondern besonders in all den Anekdoten zu Komponisten und Interpreten. Da kann man nur erahnen, was der Entertainer empfand, als er mit seinen Musikern das Album im Studio von Ennio Morricone in Rom aufnahm.

    Im Studio des Mannes also, der "sämtliche Spaghetti-Western in Grund und Boden komponierte" (Alsmann). Morricones berühmtestes musikalisches Motiv macht Alsmann zum Running Gag des Abends. Er ruft "Ba-hia-hia" in den Saal, und das Publikum antwortet sogleich "Wuoa Wuoa Wuoa".

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