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    Würzburg

    Gratwanderung zwischen Visionen und Finanzen

    Mit rund 450 Besuchern war der Große Saal der Würzburger Hochschule für Musik beim 5. Meisterkonzert mit dem „Vision String Quartet“ zur Hälfte gefüllt; mehr als beim letzten Konzert, aber eben nicht genug, um die Fortsetzung der traditionsreichen Konzertreihe zu sichern. Denn der Förderverein der Musikhochschule darf nach seinen Statuten kein Defizit einfahren.

    Statt einer Broschüre mit dem neuen Konzertprogramm, konnte Johannes Engels, Vorsitzender der Musikalischen Akademie, die Besucher damit trösten, dass der Klavierabend mit Grigory Sokolov am 8. November „fest“ und das zweite Konzert mit „German Brass“ am 17. Dezember „fast fest“ sei. Weil der Cellist des Berliner Ensembles noch an den Spätfolgen eines Fahrradsturzes laboriert, wurden Streichquartette von Haydn und Grazyna Bacewicz aus dem Programm genommen.

    Musikgenuss ganz ohne Notenblätter

    Ungetrübten Musikgenuss ganz ohne Notenblätter auf der Bühne boten Jakob Encke, Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Violoncello) dafür mit Samuel Barbers berühmten Adagio aus dem Streichquartett op.11 und mit Maurice Ravels Streichquartett F-Dur op. 36. Nach der Pause wurde Schumanns Streichquartett Nr. 3 A-Dur op. 41/3 mit viel Herzblut und so inspirierend gespielt, dass die Grenzgänge des Quartetts mit Anklängen aus Jazz, Pop und Rock zunächst nicht vermisst wurden.

    Behutsam näherte sich das Quartett der feierlichen Besinnlichkeit der ersten, von Pausen durchsetzten Tonfolgen, die bald eine reizvolle Liedmelodie aufscheinen ließen. Variantenreich mit einem sparsam eingesetzten Vibrato gestaltete das Quartett das Scherzo; in der emotionalen Wirkung übertroffen noch vom Adagio, das von einem zwischen Lebensfreude und Tiefsinn schwankenden Dialog der Violine und Bratsche beherrscht wurde.

    Das Quartett wurde mehrfach ausgezeichnet

    Lebenslust mit starken Kontrasten dominierte dagegen die Stimmung im Finale. Perfektionisten wie das in der „Champions League“ angekommene Berliner Quartett können sich, wie in Würzburg, zwischen den Sätzen von Ravels Werk auch einmal satte zwei Minuten zum erneuten Stimmen der Instrumente genehmigen. Groß geworden sind die Vier nicht zuletzt bei Meisterkursen in Weikersheim. Von der Jeunesses Musicales Deutschland wurde das inzwischen mit Preisen überhäufte Quartett 2016 auch mit dem renommierten Würth-Preis ausgezeichnet.

    Mit den heftig geforderten Zugaben verwandelte sich das Kammermusik-Quartett plötzlich in eine Band, die bei einer wahnwitzigen 15-Minuten-Performance von drei eigenen Arrangements – gleich zu Beginn mit einer feurige Samba -  die Zuhörer förmlich aus ihren Sitzen riss.

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