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    REICHENBERG

    Guitar Masters: Zum Jubiläum gab es die Krönung

    Mit einem Best-of-Programm aus zehn Jahren feierte das Guitar Masters Reichenberg sein Jubiläum am Samstag in der Wolffskeelhalle in Reichenberg. Auf der Spielwiese für kreative musikalische Ideen: die US-Amerikaner Peter Sprague (links) und Adam Rafferty. Foto: Harald Keitel

    Auf der imaginären Geburtstagstorte leuchteten zehn Kerzen: Neun herausragende Musiker bildeten ein Best-of-Programm aus zehn Jahren „Guitar Masters“ in Reichenberg. Am meisten aber strahlte Reinhold Deinhardt, Erfinder und Macher der immer ausverkauften Reihe.

    Nur Höhepunkte im Programm

    Beim 10. Guitar Masters am Samstag reihte sich Höhepunkt an Höhepunkt. Dazu hatte Deinhardt nicht nur die interessantesten Gitarristen der akustischen Fingerpicking-, Bossa-Nova- und Jazz-Szene aus den vergangenen Jahren auf der Bühne vereint; er hatte auch eine spannende Dramaturgie fürs Jubiläum choreografiert. Anders als sonst startete der Abend mit der brasilianischen Abteilung: Das Alieksey Vianna Trio – die einzigen Neulinge – schuf eine groovige Verbindung zwischen Pop, Jazz und klassischer brasilianischer Gitarrenmusik. Schnell hatten die drei gleichberechtigten Musiker die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Mit Vianna kam erstmals ein Gitarrist, der den Gesang zentral in seine Präsentation einbaute. Vor allem in den Unisono-Passagen brachte das eine neue Farbe auf die Bühne.

    Alleinunterhalter und Spaß-Duo

    Kontrast: Als Alleinunterhalter mit Ganzkörpereinsatz glänzte der US-Amerikaner Adam Rafferty schon einmal in Reichenberg. Als Beatbox erzeugte er alle Rhythmus-Anteile und Geräusche, die seinem Gitarrenspiel mehr Fülle geben, mit der Stimme und mit den Fingern auf dem Resonanzkörper seines Instruments. Sein witziger und charismatischer Auftritt fesselte die Zuhörer vom ersten Ton an. Pop- und Jazzstandards zum Mitsingen, Mitklatschen, Mittanzen sind seine Stärke. Rafferty kann ganz allein einen Saal zum Kochen bringen.

    Break: Ausgerechnet dieser Mann fürs Grobe tat sich am Jubiläumsabend mit dem Feingeist der Szene zusammen: Sein Landsmann Peter Spraque ist feinsinnig, feinhumorig und feinnervig im Spiel mit anderen Künstlern. Obwohl zurückhaltend und scheinbar entrückt, hat er eine unglaubliche Empathie für sein Gegenüber und kann sich jeder Gangart anpassen. Das hat er in Reichenberg schon in Duetten mit dem verstorbenen Larry Coryell bewiesen. Und so schufen sich Sprague und Rafferty eine Spielwiese, auf der sie mit kindlicher Freude Standards improvisierten und variierten – ihr erstes Zusammentreffen war ein Feuerwerk an musikalischen Ideen. Ein Herzwärmer fürs Publikum.

    Sinfonischer Popsound

    Stilwechsel: Mit Antonio Forcione betrat der Popstar unter den Gitarristen des Abends die Bühne. Zum dritten Mal kam er nach Reichenberg, wie zuletzt durch eine Combo verstärkt. Forcione setzt auf eigene Kompositionen. Er spielt eine gefällige Mischung aus Weltmusik mit Einflüssen aus Flamenco, afrikanischer und Pop-Musik – alles streng durchkomponiert und Chart-tauglich. Seine Band mit Cello, Akustikbass und Schlagzeug eröffnet ihm fast schon orchestrale Möglichkeiten. Forciones Stärke ist das Spiel mit Klangfarben, Rhythmen und Meldien – ständig wechselnd, immer wieder überraschend, alles sehr eingängig.

    Star als Solist

    Während sich Forcione im Quartett zurücknahm, bewies er im Solo seine ganze Bandbreite. Der Italiener spielte nicht nur auf, sondern mit der Gitarre, machte sie zum Perkussionsinstrument, versetzte die Saiten mit einem Ventilator in Schwingungen oder spielte darauf täuschend echt Schreibmaschine. Muss man sehen, um es zu glauben.

    Die Frage aller Fragen

    Bleibt die Frage: Warum kommen diese Ausnahmekünstler zwischen Auftritten in New York, Paris und Tokio immer wieder nach Reichenberg? Weil ein gitarrenverrückter Fanatiker wie Reinhold Deinhardt unermüdlich dafür arbeitet, weil Profis der Spitzenklasse auf einer kleinen Bühne in immer neuen Formationen aufeinandertreffen, weil das Publikum auch nach sechs Stunden Musikdarbietung hoch konzentriert jedem Musiker Respekt zollt und weil eine Stimmung herrscht, die alle Gitarristen in das gleiche Wort kleiden: Vergnügen!

    Was man alles mit einer Gitarre machen kann, zeigte der Italiener Antonio Forcione beim Guitar Masters in Reichenberg. Foto: Harald Keitel
    Singen, was man spielt: Spannende Unisono-Soli bot der Brasilianer Alieksey Vianna beim Guitar Masters in Reichenberg. Foto: Harald Keitel

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