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    WÜRZBURG

    Hafensommer: Heißer Sound in nichtatmungsaktiven Jacken

    „Liebe Freunde, das Beste ist noch nicht vorbei.“ Doch, es hat etwas Beruhigendes, wenn die Sängerin so etwas vor dem zweiten Lied sagt. Wär' ja auch heftig gewesen, nach dem großen „Hallóhalló, hallóhalló“ gleich nachzulassen auf der schwimmenden Bühne. So aber gibt es beim Hafensommer am Donnerstag doch eine Stunde lang viel Gutes für alle, die sympathisch lyrischen deutschsprachigen Hip-Hop mögen, sich von einer 14-köpfigen Bigband gerne kräftig was auf die Ohren blasen lassen – oder einfach verliebt sind, verliebt in Fiva.

    Motto: „Es ist besser, klarzukommen als dreckig zu gehen“

    Gestatten, Nina Fiva Sonnenberg, deutsche Rapperin, Moderatorin, Autorin, Grimmepreisträgerin. Eine Frau, die sich schon seit den 1990er durch Konzerthallen und Clubs rappt, die macht, was ihr gefällt und auf die Musikindustrie pfeift. Und die statt Böses auf Beats zu reimen, lieber positiv Poetisches über den Posaunensound legt. Motto: „Es ist besser klarzukommen als dreckig zu gehen.“ Eine Sängerin also, die kritischkreativ ihr Ding macht, über die Bühne hüpft wie ein Flummi und sich etwas verwundert die Augen reibt – weil sie, es ist anfangs ja noch hell beim Hafensommer, das Publikum sehen kann, „zumindest bis in die fünfte Reihe“.

    Weil das Beste also nicht gleich vorbei ist, bietet Fiva eine Stunde lang frischen, organischen Hip-Hop mit der Münchner Jazzrausch Bigband. Und die Sängerin wird nicht müde, ihre Musiker, die wirklich durchweg klasse sind vom Mann an der Triangel bis zur Frau an der Tuba, zu rühmen und preisen in schönsten Rap-Reimen. Allein schon wegen der weinroten Jacken. „Nicht atmungsaktiv, und es wird ja nicht kälter“, sagt Fiva zum Einheitsdress. „Wenn jemand am Boden liegt, gehört das nicht zur Show, sondern liegt an den Jacken.“

    Eine Woche läuft der Würzburger Hafensommer nun schon. Und was man sagen kann: Wenn das Publikum so tanzt und mithüpft wie bei Fiva, dann liegt das nicht daran, dass man sich warmhalten müsste. Sondern allein an der Gruppe, die da auf der Bühne mitreißend spielt und entertaint.

    Energie von der Seine – am Ufer des Mains

    So wie tags zuvor, bei den famosen sechs Parisern von Les Yeux d'la Tete. Da sind doppelt so viele Leute da wie bei Fiva, mit über 1000 Zuschauern ist fast schon ausverkauft . . . und am Hafenbecken hält es bald die meisten nicht mehr sitzend auf den Stufen. Klarinette, Akkordeon, Gitarren und der Kontrabass übertragen musikalisch Energie. Walzer zum wilden Sound! Swingen zum Chanson. Die Combo gibt sich mal romantisch, mal ausgelassen – und immer sehr französisch. Und – vor dem Besten ist es dann doch nicht schon vorbei – am Ende gibt's, als Zugabe „Liberté Chérie“, jenes wunderbare freiheitsverliebte Lied, das die Augenimkopf-Band auch hierzuland' bekannt gemacht hat. Und bei dem man nun wirklich nicht mehr still sitzen kann.

    Als es am Alten Hafen dunkel wird, sagt Fiva: „Ich würde sagen, wir fangen die Show jetzt einfach noch mal von vorne an.“ Doch es ist Schluss, die Jazzrausch-Truppe ist unter den Jacken durchgeschwitzt. Apropos Schluss. Am Sonntag ist großer Tel Aviv-Abend mit gleich drei Bands. Und, Achtung, der fängt deshalb schon um 19.30 Uhr an.

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