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    Röttingen

    "Hello Dolly": Ehe ist halt doch mehr als eine Art Bestechung

    Plädoyer für die Liebe vor dem Friedensrichter: Antje Rietz in der Titelrolle und Gerd Zimmermann  Foto: Gerhard Meißner

    Arrangeurin, Herrgottshelferin, Schubserin, Tanzlehrerin, Anwältin – wie auch immer sie sich bezeichnen mag oder in welche Rollen sie blitzschnell schlüpft: Die gewitzte und temperamentvolle Heiratsvermittlerin Mrs. Dolly Gallagher Levi versteht ihr Metier, hat Esprit, weiß mit Menschen umzugehen und vor allem, was sie will. Dass es auf dem Weg zu ihren Zielen zu Verwicklungen kommt, verspricht spritzige, kurzweilige Unterhaltung.

    Und genau die bot die Premiere von „Hello Dolly“ dem Publikum. Mit Jerry Hermans und Michael Stewarts 1964 uraufgeführtem Musical-Klassiker nach Thornton Wilders Schauspiel „The Matchmaker“ eröffneten die Frankenfestspiele Röttingen ihr diesjähriges Open-Air-Programm im Hof der Burg Brattenstein. Die Neuproduktion unter dem neuen Intendanten Lars Wernecke, der in diesem Stück auch Regie führt, fand lebhaften Anklang.

    Borstiger Kunde: Horace Vandergelder (Ingo Brosch) und Ernestina Money (Antje Eckhoff) Foto: Gerhard Meißner

    Das Verwirrspiel um Geld und Liebe, angesiedelt im von aufstrebendem Geldadel geprägten New York des Jahres 1890, lebt von komödiantischer Leichtigkeit, schwungvollen Broadway-Melodien (musikalische Leitung: Rudolf Hild), flotten Tanznummern (Choreografie: Julia Grunwald), farbenfroher Ausstattung (Bühne: Dirk Immich, Kostüme: Angela Schuett) – und dem glänzend agierenden Ensemble. Die Titelrolle der lebenserfahrenen, verwitweten Heiratsvermittlerin übernimmt Antje Rietz, Festspielbesuchern bereits bekannt aus „Spamalot“ und „My Fair Lady“.

    Auch Dolly muss ihr Leben wieder in den Griff bekommen

    Die Schauspielerin und Musikerin erweist sich als charmantes, auch stimmlich sehr wandelbares Energiebündel. Resolut und mit Freude, gleichzeitig aber auch, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, setzt  sich Dolly für ihre (teils verwitwete) Klientel ein – und merkt auf einmal, dass sie auch ihr eigenes Leben wieder in den Griff bekommen muss, den Ehestand wieder wagen sollte. Wie? Zum Beispiel mit dem borstigen Kunden Horace Vandergelder.

    Begrüßung mit Kellnerballett: Antje Rietz in der Titellrolle Foto: Gerhard Meißner

    Mit Verve füllt Ingo Brosch die Rolle des markant grantigen Geizkragens aus, der für sich entschieden hat, „man braucht ein Frauchen“. An Dolly denkt er dabei keinesfalls, obwohl sie sich beinahe verrät: „Ich habe Ihre Entscheidung schon getroffen.“ Doch es dauert, bis der Geschäftsmann merkt, dass hinter einer Ehe mehr steckt als „eine Art Bestechung“, und er auf sein Herz hört.

    Das achtköpfige Ensemble bekommt Zeit, Talent und Können zu zeigen

    Das gibt weiteren Mitwirkenden des achtköpfigen Ensembles Zeit, Talent und Können zu zeigen: Immer wieder tritt Mirjam Baur als exzellente Heulboje in der Rolle von Vandergelders Nichte Ermengarde in Erscheinung. Unbedingt will sie ihren Ambrose Kemper (Tobias Rupprecht, der sicher noch ein bisschen mehr Potenzial hat) heiraten. Barnaby Tucker (Sebastian Ciminski-Knille) und Cornelius Hackl (William Danne) sind die durchaus gewieften Angestellten des Heiratswilligen, die sich in die reizenden Hutmacherinnen Irene Molloy (Marina Pechmann, putzig als gern „sündhafte“ Frau) und Minnie Fay (Marie-Sophie Weidinger) verlieben. Cornelius bekennt das in dem mit Szenenapplaus bedachten Liebeslied „Es kann oft ein Moment sein“.

    Große Anerkennung gebührt der sauber musizierenden neunköpfigen Band und besonders dem mit ansteckender Spielfreude agierenden Extra-Ensemble. Das präsentiert als Highlights gemeinsam mit der Hauptdarstellerin den titelgebenden Ohrwurm des Abends „Hello Dolly“ (Begrüßung in ihrem Leiblingsrestaurant) und ein ausgefeiltes „Kellnerballett“. Ein super besetztes und stimmlich starkes Ensemble für ein von Witz und Charme durchsetztes Stück.

    Im Programm bis 18. August. Karten Tel. (0931) 6001 6000, E-Mail: karten@frankenfestspiele.de

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