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    WÜRZBURG

    Herbert Pixners Wunschüberschrift: Er spielt Bass und bässer

    Das Quartett vom „Pixner-Projekt“: Heidi Pixner, Manuel Randi, Herbert Pixner und Werner Unterlercher mit allerlei Instrumentarium im Würzburger CCW. Foto: Dita Vollmond

    Man muss das erst mal schaffen. Draußen allerschönstes Sonntagssommersonnenwetter. Und dann sitzen viele hundert Zuhörer in einer Mischung aus Konzentration, Genuss, Andacht, Ehrfurcht und Begeisterung am frühen Sonntagabend mehr als zwei Stunden netto im dunklen, nüchternen Saal. Obwohl das Programm nicht neu ist, obwohl das Ganze an selber Stelle vor nicht mal einem Jahr so schon zu erleben war. Er schafft's: Herbert Pixner, der Komponist und Klangmagier aus Südtirol. Am Sonntag auf seiner Tour wieder nach Würzburg ins CCW gekommen, mit seinem Quartett.

    Quartett? Es mögen vier Musiker auf der Bühne sitzen. Instrumentalisten aber sind es . . . ja, wie viele eigentlich? Heidi Pixner, Pixners Schwester, bleibt bei ihrer Volksharfe, die sie so virtuos spielt, als sei das Instrument nur für sie erfunden. Manuel Randi, der italienische Gitarrist, wechselt zwischen klassischer Konzertgitarre, Flamencogitarre und E-Gitarre für den schrillen Alpensound hin und her. Bassist Werner Unterlercher zupft . . . na, eben Kontra- oder E-Bass. Ist dann aber für eine saitenlastige Gypsy-Nummer auch mal Gitarrist, und was für ein guter!

    Während eben dieses Stücks wechselt also Herbert Pixner ans große Instrument – und ist zweiter Bassist. Ansonsten: Der 43-jährige Musiker vom Bergbauernhof aus dem Passeiertal, der heute in Innsbruck lebt, spielt Diatonische Harmonika, Steirische Harmonika, Klarinette, Flügelhorn, Tuba ... und wenn es die Klangfarbe beim Kopfschmerz-Blues (wegen Föhnwetter) erfordert, kurzerhand ein über Nacht per Ebay ersteigertes, schnell gelerntes Saxofon. „War billig, und so klingt es auch.“

    Wie viele Musiker also? Zumindest so virtuose, dass man dem Pixner-Projekt immer wieder und gar bei bestem Biergartenwetter in einem dunklen Saal folgen mag ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, nicht draußen zu sein. Was diese Musik nicht ist: Volksmusik, wie man sie aus den schlimmsten Klischees mit aufgesetzter Jodelei und falschem Dirndl kennt. Was diese Musik ist: atmosphärisch, dicht, komplex, manchmal schräg, rasant, oft furios. Wann immer die Klänge doch zu süßlich, zu schön zu werden drohen und der Grat zum Kitsch schmal wird – greift Randi zur E-Gitarre und lässt alles eskalieren.

    Anlässlich des schönen lauen Abends gibt es noch einen Sommerbossa. Am Ende: stehende Ovationen. Und Pixner sieht schon die Überschrift in der lokalen Presse vor sich: „Herr Pixner spielt manchmal Bass, manchmal bässer.“ Stimmt nicht. Er spielt bästens. Immer.

    Zum Niederknien schön: Herbert Pixner macht Volksmusik der ganz eigenen Art. Foto: Dita Vollmond

    Alice Natter

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