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    WÜRZBURG

    Im Bann der „kleinen Nachtmusik“

    „Eine kleine Nachtmusik“ ist eines der populärsten Werke aus der Feder jenes Wolfgang Amadé Mozart, der die Noten dieser Serenade im gleichen Jahr niedergeschrieben hat wie die der Oper „Don Giovanni“. Die Komposition, oft genug abgenudelt als Warteschleife oder Kaufhaussound, entfaltet in diesem hochherrschaftlichen Park den Zauber ihrer einfachen, aber nie simplen Stimmführung und zieht, obwohl oder gerade weil als Gebrauchsmusik geschrieben, unweigerlich in ihren Bann.

    Mit luftigem Klang und farbig wie die Blumenrabatten im Residenzgarten senden die Streicher der Würzburger Philharmoniker das anmutige Musikstück romantisch, lyrisch, tänzerisch, lebhaft in die recht kalte Sommerluft. Den Melodien entlocken sie die raffinierten Schnörkel – die Romantik des Andante, das Tänzerische des Menuetts –, die nur ein Musikgenie so wie nebenbei zwischen die volkstümlichen Linien geschmuggelt hat.

    Die Musikwelt habe sie im Sturm erobert, so Generalmusikdirektor Enrico Calesso, der Lucienne Renaudin Vary ankündigt. Die neunzehnjährige Trompeterin hat als Erste an der Pariser Hochschule sowohl in Klassik als auch in Jazz abgeschlossen. Das Trompetenkonzert Es-Dur von Joseph Haydn, ein Standardwerk der Trompetenliteratur, bläst sie unangestrengt, die Kadenz im ersten Satz klingt frei und fantasievoll. Der zweite Satz gediegen langsam und sinnlich, der Dritte beschwingt und heiter. Die Musiker des Philharmonischen Orchesters bereiten der jungen Solistin einen fein ziselierten Klangteppich, auf dem sie sich vertrauensvoll ausbreiten kann.

    An diesem Abend beweisen die Musikerinnen und Musiker einmal mehr ihre Vielseitigkeit. Nach dem durchsichtig, mit leuchtenden Tönen musizierten „Claire de Lune“, einem typischen Klavierstück des musikalischen Impressionismus, an diesem Abend in Orchesterfassung gespielt, greifen sie den Jazzsound George Gershwins auf. Lucienne Renaudin Vary scheint den Blues im Blut zu haben. Ihre Interpretation wird zu einer in seiner Intensität berührenden Klage. Eine Wiederholung des Songs gibt es als zweite Zugabe. Die erste ist ein Stück aus dem Barock, eine Arie für Countertenor von Vivaldi – diesmal auf der Trompete.

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