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    Würzburg

    "Italienische Nacht": Wie ein Flug mit Kapitän Calesso

    Enrico Calesso dirigierte die "Italienische Nacht" im Kaisersaal der Würzburger Residenz (Archivbild). Foto: Thomas Obermeier

    Auf ihre Kosten kamen an zwei Abenden die Freunde der „Italienischen Nacht“ mit dem Philharmonischen Orchester Würzburg in der Residenz. Auch ohne Feuerwerk am Samstagabend gab es wieder die kulinarische Abrundung mit einem großen italienischen Buffet mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert.

    Warum die Zuhörer zur Decke blickten

    Die Musikdramaturgin des Mainfranken Theaters, Beate Kröhnert, bereitete zum Auftakt im Stewardessen-Look der 60-er Jahre die Zuhörer im Kaisersaal auf einen anregenden Flug mit „Kapitän“ Enrico Calesso in das Land vor, in dem die Zitronen blühen. „Sicherheitshinweise“ zur „Selbstrettung“ und zum schnellsten Weg zum Buffet durften ebenso nicht fehlen wie der Hinweis auf die im Notfall von der Decke fallenden Atemmasken.

    Wen wundert es, dass sich die mit weißem Lackgürtel über dem schwarz-weiß karierten Rock und mit weißen Handschuhen stilsicher auftretende Moderatorin auch beim zweiten Konzert diebisch freute, dass die meisten Gäste wieder suchend zur Decke blickten.

    Das versprochene Wellness-Paket wurde dann während des steilen Fluges mit bekannten Ohrwürmern, zum Teil aber auch mit selten zu hörenden Arien von Rossini, Bellini, Donizetti, Verdi, Giordano und Leoncavallo von den glänzend disponierten Musikern mit Verve aufgeschnürt.

    Joachim Goltz: Noch am Morgen mit Erkältung

    Wie lebendig das in der Fantasie verankerte Bild Italiens vom „dolce far niente“, von der Leichtigkeit des Lebens mit Meer, Sand und viel Sonne ist, verdeutlichten die Haussopranistin Silke Evers und Joachim Goltz, dessen Bariton seit seiner Zeit in Würzburg an Volumen und Strahlkraft nichts verloren zu haben scheint, obwohl er der „Flugbegleiterin“ am Morgen des Konzertes noch vom Anflug einer Erkältung berichtet hatte. Für seine Arie des Figaro „Largo al factotum“ fand der Bariton rasch im Publikum ein Opfer.

    Mit klarer Zeichengebung, doch als Italiener nicht ohne Schnörkel, dirigierte Calesso. Wenn es gefragt war, auch mit ganz großer Gestik. Doch nie wurden die Gesangssolisten „zugedeckt“.

    Und dann die Sache mit dem Landeanflug

    Silke Evers und Joachim Goltz ließen mit großer stimmlicher Wandlungsfähigkeit die Freuden und Leiden, Verstrickungen und Enttäuschungen der Opernfiguren vor allem mit der Arie der Norma „Casta Diva“ aus Bellinis „Norma“, dem Credo des Jago aus Verdis „Otello“ und dem Duett Norina/Dr. Malatesta „Pronto io son“ aus Donizettis „Don Pasquale“ nachempfinden.

    Was wäre eine „Italienische Nacht“ ohne die Arie „O sole mio“ als Rausschmeißer? Beseligt wurde der gelungene Landeanflug von „Kapitän“ Calesso und seiner Crew mit Ovationen gefeiert.

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