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    Schweinfurt

    Jazz, Rock, Techno? Egal, das Trio Shalosh macht großartige Musik

    Das Trio Shalosh aus Tel Aviv im Kesselhaus von ZF beim Schweinfurter Nachsommer Foto: Josef Lamber

    Immer wieder erstaunlich, wie viele Möglichkeiten in der klassischen Jazzbesetzung Klavier, Kontrabass, Schlagzeug stecken. Vorausgesetzt, es sind so virtuose, phantasie- und humorbegabte Musiker am Werk wie Gadi Stern, David Michaeli und Matan Assayag vom Trio Shalosh aus Tel Aviv. Nach dessen Auftritt bei der „Classic Night“ der Würzburger Hafensommers im Juli hatte die Kritikerin geschrieben: "Shalosh aus Israel würde man gerne mal einen ganzen vollen Abend lang hören." Der Schweinfurter Nachsommer machte das nun möglich.

    Im Kesselhaus bei ZF, zu Füßen des denkmalgeschützten Schornsteins mit der Bauchbinde, zeigten die Drei, wie hinfällig die überkommenen Genre-Bezeichnungen sind, sobald musikalischer Einfallsreichtum zum Zuge kommt. Ist das noch Jazz oder schon Rock? Oder gar Techno? Völlig egal, denn die Stücke von Shalosh (was auf hebräisch übrigens Drei bedeutet), die ebenso hintergründig daherkommen wie die Moderation von Gadi Stern, haben die kuriose Eigenschaft, sich vollkommen natürlich zu entwickeln, so als wäre in den ersten Takten eine Art Genom angelegt, dem nur noch zur Entfaltung verholfen werden muss. 

    Obwohl alles perfekt durchorganisiert ist, wirkt nichts statisch oder gar berechnend

    Und obwohl die meisten Stücke sehr präzise durchkomponiert wirken, das zeigen schon die jähen Stopps und die aus dem größten Getümmel heraus perfekt unisono gespielten Passagen, obwohl also sehr viel Überlegung, Planung und Gestaltung in der Musik von Shalosh stecken, wirkt nichts statisch, einstudiert oder gar berechnend.

    So wird jeder Song zu einer Art Kurzdrama mit immer wieder überraschenden Wendungen. Nicht selten scheinen identifizierbare Themen auf – mehr oder weniger eindeutig, mehr oder weniger bekannt. Vor allem die Fußballfans im Publikum werden die Liverpool-Hymne "You Never Walk Alone" auf Anhieb erkannt haben. "Take On Me" der norwegischen Band A-ha aus dem Jahr 1984 hingegen ist unverkennbar.

    Ähnlich wie beim Michael Wollny Trio ist auch hier die Verbindung zwischen Klavier und Schlagzeug von zentraler Bedeutung: Während Gadi Stern alle Stadien vom filigranen Klanggeflecht über struppig-dunkle Akkordschichtungen bis hin zu ekstatischen Hymnen in reinstem Dur durchläuft, steuert Matan Assayag den Puls, das Herz, den Motor bei, von feinsten, schwerelos swingenden Grooves bis zum treibenden Techno-Beat. David Michaeli am Bass  genießt in diesem präzise durchorganisierten Verbund alle Freiheiten – er ist mal Grundierung, mal Taktgeber, mal Melodieinstrument. Wie gesagt: Erstaunlich, was alles in dieser Besetzung stecken kann.

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