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    LONDON

    Judi Dench: Von Bond bis zu Shakespeare

    Judi Dench

    Sie kann Shakespeare und James Bond, Theater und Film, Drama und Komödie. Wenn auf irgendjemanden die Bezeichnung „große alte Dame des britischen Films“ zutrifft, dann ist es Judi Dench. Die Ausnahme-Schauspielerin feiert am 9. Dezember ihren 80. Geburtstag. Das Problem ist nur: Darauf will sie am liebsten nicht angesprochen werden, schon gar nicht Interviews aus diesem Anlass geben.

    „Es macht mich absolut wütend, wenn mich die Leute dauernd fragen, ob ich in Rente gehe“, sagte sie kürzlich bei einem Promo-Auftritt für ihre BBC-Verfilmung von Roald Dahls Kinderbuch „Esio Trot“ (dt. Titel „Ottos Geheimnis“). „Ich möchte nicht gesagt bekommen, dass ich für irgendetwas zu alt bin. Ich möchte es erst ausprobieren, und wenn ich es dann nicht schaffe, dann kann man mir sagen, dass ich es nicht kann.“

    Mit 80 kann Judi Dench noch ziemlich viel. Der Terminkalender der Katzenliebhaberin und Tierschützerin mit der Kurzhaarfrisur ist weiterhin voll. In Indien drehte sie gerade die Fortsetzung von „The Best Exotic Marigold Hotel“ an der Seite ihrer jahrzehntelangen Wegbegleiterin Maggie Smith. Der Film kommt 2015 in die Kinos. Ihr Kollege Dustin Hoffman wundert sich über die Präsenz der Britin. „Ich habe sie angerufen, um ihr zu sagen, wie brillant sie war“, erinnerte sich der Filmpartner in „Esio Trot“ jüngst im „Daily Express“. „Am Ende sagt sie nur: ,Sorry, ich muss jetzt auf die Bühne'.“

    Judith „Judi“ Olivia Dench war in den James-Bond-Verfilmungen von „GoldenEye“ (1995) bis „Skyfall“ (2012) in der Rolle der „M“ zu sehen. Ihre Filmkarriere krönte sie 2001 mit dem Oscar für ihre Nebenrolle als Königin Elizabeth I. in „Shakespeare in Love“ – ihr nur achtminütiger Auftritt spornte die Kritiker zu wahren Jubelstürmen an. Doch Dench blieb stets dem Theater treu, wo sie einen großen Teil ihrer Karriere verbrachte.

    Sie schauspielert, seit sie fünf ist. Damals spielte sie in der Theateraufführung ihrer Grundschule eine Schnecke. Als junge Frau schloss sie sich der Royal Shakespeare Company an und spielte 20 Jahre lang in London und Stratford upon Avon, der Heimatstadt des Schriftstellers. Schon 1988 erhob sie das Königshaus zum „Dame Commander of the British Empire“ und damit in den Adelsstand. Für die große Leinwand wurde sie erst im Alter von 63 entdeckt.

    (K)ein Tattoo am Po

    Harvey Weinstein, langjähriger Bewunderer der Britin, brachte sie als „Mrs Brown“ nach Hollywood. „Ich habe es ihm zu verdanken, dass ich eine Filmkarriere gemacht habe“, sagte Judi Dench über ihren Produzenten. Einmal habe sie ihm weisgemacht, sie habe seinen Namenszug auf ihren Po tätowiert. Als „Beweis“ ließ sie ihn sich von der Maskenbildnerin mit Make-up auf die Haut schreiben und zeigte ihm das angebliche Tattoo. „Ich habe noch nie einen Mann gesehen, dem etwas so peinlich war.“

    Es ist ein eher seltener Ausflug Judi Denchs in die Rolle des Enfant terrible. Eigentlich gilt die Quäkerin eher als Familienmensch. Als 1972 ihre Tochter Tara „Finty“ zur Welt kam, spielte sie nur noch abends Theater. Als Tara zur Schule kam, machte sie mehr Fernsehen, das ging auch vormittags. Seit 16 Jahren ist sie Großmutter, seit 13 Jahren Witwe. Ihr Mann und Schauspielerkollege Michael Williams starb im Alter von 65 Jahren an Lungenkrebs.

    Das größte Problem ist heute ihr Augenlicht, wie sie dem „Hollywood Reporter“ anvertraute. „Ich wollte nie groß Aufhebens darum machen – aber es ist schwierig, sehr sehr schwierig“, sagte sie. „Ich kann nicht mehr lesen. Ich kann nicht mehr malen, wie ich es gewohnt war. Ich versuche, Filme zu schauen, aber auch das ist ziemlich schwierig. Aber irgendwie komme ich schon durch.“

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