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    WÜRZBURG

    Kalle Pohl trällert eine willige Aida

    Kalle Pohl
    Kalle Pohl Foto: KPM

    Der Reise durch sein „bewegtes Leben“, zu der Kalle Pohl einlädt, mangelt es zunächst an Rasanz. Sein gewinnendes, jungenhaftes Lächeln kann das anfängliche Fehlen schmissiger Pointen nicht kaschieren. Nach der Pause erlebt das Publikum im locker besetzten Würzburger Bockshorn den Unterhalter in besserer Form: flott, wortverspielt und amüsant!

    „Du bist mir ja einer!“ heißt das Programm des agilen 61-Jährigen aus Merzenich bei Düren, der als rheinländische Frohnatur bekannt ist. Aber was ist Pohl noch für einer? Ein schlitzohriger Comedian, kabarettistisch angehaucht, mit angenehmer Singstimme zu seinem sicheren Akkordeonspiel – dichterische Qualitäten nicht zu vergessen!

    Sarrazins schräger Gentheorie entnimmt er für Hundebesitzer das „Gassi-Gen“. Den Urlaubsfrust (deutscher Schwabbelbauch chancenlos gegen muskelbepackte Karibik-Männer) singt er mit einem witzigen Reggae nieder. Bei Frauen entdeckt er einen „Scannerblick“, mit dem sie ihre Geschlechtsgenossinnen in Sekundenschnelle taxieren – Männer brauchen dazu oft Jahre!

    Um sich selbst die Meinung zu sagen, spricht Pohl mit seiner Handsau – leider nur kurz und vornehmlich über „Titten“. In diesem Schwein steckt saumäßig viel komödiantisches und kabarettistisches Potenzial. Bei der süffisanten Häme über die lauwarmen Kochshows und die Wahl zu „Germany's next Topmoppel“ könnte das Ferkel doch frech mitgrunzen.

    Seine Schmonzette für die angebetete Fleischfachverkäuferin endet mit einem furiosen Wurstrefrain. An der Rentnerfront sieht er streitbare Alte in Hot Pants als Stützstrümpfe und mit MP3-Player im Hörgerät.

    Glanzpunkt des quirligen zweiten Programmteils ist das nicht ganz jugendfreie Opern-Singspiel: Pohl mimt und trällert die willige Aida, umgarnt von „Figaro mit der Zauberflöte“ und einem Schuft mit dem Dolch, den er weiß wo verborgen hat. Im witzigen verbalen Kuddelmuddel zupft er frivol an der Gürtellinie. Die aufgeweckten Zuhörer quittieren nicht nur diesen Einfall mit freudigem Beifall.

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Glaab

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