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    Würzburg / Schweinfurt

    Kultur und Geld: Diese Hilfen gibt es für Corona-Geschädigte

    Das Hilfsprogramm des Freistaats richtet sich auch an die Kreativwirtschaft, ab 19. März sollen Auszahlungen möglich sein. Unterdessen häufen sich die Solidaritätsappelle.
    Der Deutsche Musikrat appelliert an die Kirchen, vereinbarte Honorare auch dann an Musiker auszuzahlen, wenn die entsprechenden Aufführungen, wie hier in Kassel, ausfallen.
    Der Deutsche Musikrat appelliert an die Kirchen, vereinbarte Honorare auch dann an Musiker auszuzahlen, wenn die entsprechenden Aufführungen, wie hier in Kassel, ausfallen. Foto: Uwe Zucchi, dpa

    Bereits vergangene Woche hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters angekündigt, der Bund werde auch die Kreativwirtschaft massiv unterstützen. Nach einem gestaffelten System hat nun die bayerische Staatsregierung Soforthilfen für Kultureinrichtungen angekündigt. Notleidende Betriebe sollen "unbürokratisch und sehr kurzfristig" zwischen 5000 und 30 000 Euro erhalten, heißt es im Bericht aus der Kabinettssitzung vom 17. März. Das Wirtschaftsministerium werde schnellstmöglich die Vollzugsvoraussetzungen für ein Förderprogramm "Soforthilfe Corona" schaffen.

    Auf der Internetseite bayern-kreativ.de gibt das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft (bayernkreativ) eine Übersicht relevanter Hilfsprogramme und -maßnahmen in Land und Bund. Die bayerischen Soforthilfen sollten ab 19. März gestaffelt nach Zahl der Erwerbstätigen ausgezahlt werden: bis zu fünf Erwerbstätige 5000 Euro, bis zu zehn Erwerbstätige 7500 Euro, bis zu 50 Erwerbstätige 15 000 Euro, bis zu 250 Erwerbstätige 30 000 Euro.

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    Auf Anfrage der Redaktion antwortete das Kunstministerium: "Kunstminister Bernd Sibler ist sich bewusst, dass sich durch die Verschiebungen und Ausfälle von Veranstaltungen finanzielle Einbußen für die Kunst- und Kulturschaffenden ergeben." Es werde im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst "unter Hochdruck daran gearbeitet, eine Lösung für die Betroffenen im Freistaat zu finden".

    Verbände richten sich mit Appellen an die Politik

    Achim Könneke, Kulturreferent der Stadt Würzburg, will nach dem Subsidiaritätsprinzip zunächst prüfen, was an Hilfen aus Bund und Freistaat zu erwarten ist, um dann auf kommunaler Ebene mitzuziehen: "Uns ist völlig klar, dass wir zusehen müssen und wollen, dass wir unsere Kulturschaffenden nicht im Regen stehen lassen."

    Die Schweinfurter Finanzreferentin Anna Barbara Keck kündigte an, die Stadt wolle "möglichst unbürokratisch und schnell Hilfe zur Verfügung stellen". Man werde einen Ansprechpartner in der Verwaltung benennen und alle Hilfsmöglichkeiten durch den Staat zusammenstellen lassen und auf der Homepage der Stadt veröffentlichen.

    Unterdessen haben sich etliche Verbände mit Appellen und Spendenaufrufen an die Öffentlichkeit gewandt. So bittet die Deutsche Orchesterstiftung um Spenden für freischaffende Musikerinnen und Musiker. Professor Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats, fordert ein auf sechs Monate befristetes Grundeinkommen von 1000 Euro für alle freiberuflichen Kreativschaffenden: "Bei einem laut Künstlersozialkasse durchschnittlichen Bruttojahreseinkommen freiberuflicher Musikerinnen und Musiker von 13 000 Euro ist kein Spielraum für Rücklagen gegeben." Im Hinblick auf den Wegfall musikalisch gestalteter Ostergottesdienste fordert der Musikrat außerdem die Kirchen auf, "die vereinbarten Honorare für die bevorstehenden Veranstaltungen auch dann auszuzahlen, wenn diese abgesagt werden".

    Idee: Karten für ausgefallene Konzerte nicht zurückzahlen lassen

    Dorothee Starke, Präsidentin der INTHEGA (Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen), befürchtet durch Corona besonders Nachteile für die Kultur im ländlichen Raum. Gerade Veranstalter abseits der Metropolen seien existentiell bedroht. "Insbesondere kleinere Kommunen verfügen über keine Möglichkeiten, die Einnahmeausfälle aufzufangen oder kurzfristige Rettungsprogramme zu schnüren", so Starke.

    Diana Schmelzer, Betreiberin des Schweinfurter Programmkinos KuK, erklärt einen dieser Tage oft formulierten Solidaritätsappell: "Für den Einzelnen sind die Kosten von 15 oder 20 Euro für ein Ticket wenig. Wenn aber hunderte Menschen ihre Tickets erstattet haben wollen, ist das für einen Veranstalter sehr viel." Wer es sich leisten könne, könnte sich ein gekauftes Ticket nicht erstatten lassen und so einem Veranstalter ein wenig unter die Arme greifen, so Schmelzer.

    Mitarbeit: Oliver Schikora

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