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    Würzburg

    Mainfranken Theater: Aufschub für Trabusch, Mediation für alle

    Intendant Markus Trabusch Foto: Thomas Obermeier

    Es war am Donnerstag wohl der wichtigste Punkt im nichtöffentlichen Teil der Tagesordnung des Würzburger Stadtrates: die Entscheidung zur Frage, ob Mainfranken Theater-Intendant Markus Trabusch nach Ablauf seines jetzigen Vertrages im August 2021 einen weiteren Fünf-Jahres-Vertrag erhält. Das war deshalb strittig, da Trabusch, wie berichtet, wegen seines Führungsstils und Umgangstons in der Kritik steht. 

    Bereits am Dienstag hatte eine ebenfalls nichtöffentliche Sondersitzung des Theater-Werkausschusses stattgefunden, in der eine Beschlussempfehlung für den Stadtrat vorbereitet worden war. Diese sah eine Zwischenlösung vor, die am Donnerstag auch beschlossen wurde.  Demnach wird die Entscheidung über einen Anschlussvertrag ins nächste Frühjahr verschoben. Eine zweite Beschlussvorlage, nach der Markus Trabusch kein weiterer Vertrag angeboten worden wäre, ist damit vorerst vom Tisch.

    Ein Szenenbild mit Symbolwirkung aus Markus Trabuschs Inszenierung von "Prinz von Homburg": Der Blick in die Zukunft geht ins Ungewisse. Foto: THOMAS OBERMEIER

    Wie zu erfahren war, gab es sowohl im Ausschuss wie im Stadtrat eine lebhafte Debatte, die Meinungen gingen auch innerhalb der Fraktionen auseinander. Die mit Mehrheitsbeschluss getroffene Entscheidung sieht nun vor, dass der Stadtrat noch in seiner jetzigen Zusammensetzung in etwa neun Monaten die endgültige Entscheidung treffen soll, spätestens also bis zum 30. April. Ab Mai amtiert dann der am 15. März 2020  neu gewählte Stadtrat. 

    Coach und Mediation sollen Zeit bis zur Entscheidung begleiten

    "Der Zeitraum wird genutzt, um im Mainfranken Theater eine Begleitung durch einen Coach und eine Mediation durchzuführen", heißt es in einer am Freitag verbreiteten Pressemitteilung der Stadt Würzburg. "Meine Aufgabe ist es, eine Beschlussfassung vorzubereiten und einen Vorschlag zu unterbreiten. Diese Aufgabe haben wir uns nicht leichtgemacht und unsere Handlungsvorschläge nach monatelanger Abwägung und zahlreichen Gesprächen vertreten", wird darin OB Christian Schuchardt zitiert.

    Wichtig sei es im Interesse der Theaterbelegschaft jetzt, wieder einen Weg zum gewohnten Tagesablauf zu finden. "Unabhängig von der jetzigen Entscheidung gilt es in der ohnehin verbleibenden Vertragslaufzeit bis Herbst 2021, konstruktiv und zum Wohle des Hauses mit seinen Beschäftigten zusammenzuarbeiten. Hieran haben alle Seiten ein großes Interesse", so der OB. 

    In der Pressemitteilung kommt auch Markus Trabusch zu Wort. "Ich freue mich über die echte Chance, in der ich weiterhin meine erfolgreiche künstlerische und inhaltliche Arbeit fortführen kann. Gleichzeitig habe ich mir vorgenommen, in einigen Punkten deutliche Kursänderungen vorzunehmen, um hier alle Kolleginnen und Kollegen und den Stadtrat mitzunehmen und von mir überzeugen zu können." 

    Trabusch sieht Krise am Theater auch als Chance

    Im Gespräch mit dieser Redaktion sagte Markus Trabusch am Freitag, er halte die geplante Mediation für sinnvoll. Damit könne es gelingen, "im Haus eine neue Gesprächskultur zu finden". "Auf diesen Prozess freue ich mich", so Trabusch, der versicherte: "Was meinen Umgangston betrifft: Da arbeite ich dran."

    Zugleich wolle er im inhaltlichen Bereich seinen "Job so weitermachen". In der Auseinandersetzung der vergangenen Wochen sieht Trabusch auch eine Chance: "Wenn diese Krise zu etwas gut war, dann dafür, dass wir die vorhandenen Problemfelder angehen." Als Beispiel nannte er das "wie in vielen Häusern spannungsgeladene Verhältnis zwischen Orchester, Orchester-Geschäftsführung, Generalmusikdirektor und Intendanz". 

    Unterschiedlich bewerten Würzburger Stadtratsmitglieder die Entscheidung. Von einer guten Lösung spricht CSU-Fraktionschef Wolfgang Roth. In seiner Fraktion habe es unterschiedliche Auffassungen gegeben, deshalb habe er auch empfohlen, jeder solle für sich entscheiden. Sebastian Roth (Die Linke) nennt die Entscheidung dagegen lediglich "die am wenigsten schlechte". Allerdings hält auch er die Mediation für nötig – und zwar für das gesamte Theater. Er habe mitbekommen, dass es auch gegenüber dem Intendanten "schräge Verhaltensweisen" gegeben habe. 

    Dass es wichtig gewesen sei, alle Seiten zu hören, findet auch SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow. Im Ergebnis sei es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig gewesen, eine eindeutige Entscheidung zu treffen: "Wir wollen keiner Seite Unrecht tun, weder den Beschäftigten noch der Theaterleitung." Von einer Vielzahl von "interessengeleiteten und sorgenbeladenen Informationen" im Vorfeld der Sitzung sprach FDP-Fraktionschef Joachim Spatz, auch deshalb seien viele Stadträte "hin- und hergerissen" gewesen.

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