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    WÜRZBURG

    Mainfranken Theater: Mio, mein Mio

    „Mio, mein Mio“: Der Titelheld (Robin Bohn) ist voller Verwunderung über seinen Vater, den König (Stefan Maaß), nach dem... Foto: Thomas Obermeier

    Ein Brunnen voller Märchen und Lieder, der am Abend raunt, ein Fahrradsattel samt Wischmopp und Ofenrohr, der zu einem weißen Ross wird, ein aus Geschichten gewebter Mantel, der unsichtbar macht – die Inszenierung des diesjährigen Weihnachtsstücks des Würzburger Mainfranken Theaters steckt voller wundersamer Überraschungen. So lassen sich die Kinder bei der Premiere von „Mio, mein Mio“ nach der für die Bühne bearbeiteten literarischen Vorlage von Astrid Lindgren munter mitreißen. Manches ist anders als im Buch, aber auch unter der verspielten Regie von Martin Philipp geht es um Befreiung von übelmeinenden Menschen und um die Überwindung von Angst.

    Die Welt des Waisenkinds Bosse, der – ungeliebt von Tante Edla (Petra Hartung) und Onkel Sixten (Stefan Maaß, der auch Kato und den König verkörpert) – wie ein räudiger Hund behandelt wird, ist trüb und traurig. Deshalb trifft sich der Knabe am liebsten mit seinem Freund Benka auf einem Schrottplatz (fantasievolle Bühne: Detlev Beaujean) zum Toben und Spielen. Dort, zwischen einem alten Auto, schlaffen Reifen, rostigen Fässern, Müllsäcken und vergammelten Kochtöpfen, träumt er sich ein Leben mit einem echten Papa zurecht, nach dem er sich so sehr sehnt. In Bosses Fantasien sieht der aus wie ein Pirat, ein Astronaut oder gar ein König. Unvermittelt gerät Bosse mit Hilfe eines flimmernden und blinkenden Ufos aus seinem „Land der Ferne“ ins „Lande Außerhalb“. Dort wartet tatsächlich ein liebevoller Vater auf ihn, der mit ihm spaßt, tobt, ihn kitzelt und zärtlich „mein Mio“ nennt.

    In diesem Land gibt es außer einem Lehnstuhl und blühenden Rosenhecken aber auch den grausamen Ritter Kato, der ein Herz aus Stein und eine Eisenklaue statt einer Hand hat und Kinder raubt, die er in Trauervögel verzaubert (Marianne Kittel/Kai Christian Moritz, die auch in anderen Rollen zu sehen sind und in originellen Kostümen von Kristopher Kempf stecken). Diese Vögel können nicht sprechen, weben aber einen Klangteppich, der, von Franz Tröger komponiert, die Geschichte wirkungsvoll trägt.

    Robin Bohn als Bosse/Mio spielt seine Rolle wunderbar. Mit aufgerissenen Augen, hochgezogenen Schultern oder mit dem Mut der Verzweiflung gibt er eine gradlinige Identifikationsfigur für die Kinder ab, die in brenzligen Situationen tatsächlich mucksmäuschenstill sein können, aber um so lauter johlen und schreien, wenn es brenzlig wird für die beiden Freunde. Oder wenn sich die Trauervögel fetzen und ihre Eier verteidigen. Nico Ehrenteit als Benka, der in der Fantasiewelt Jum-Jum heißt und zum Gaudium der kleinen Zuschauer echte Bio-Eier ohne Konservierungsstoffe, dafür aber mit Chips köchelt, ist der zweite Mann im tapferen Buben-Duo. Gemeinsam schlagen sie sich durch die dunkle Welt des bösen Kato, den sie mit vielen Tricks wirkungsvoll besiegen.

    Nächste Vorstellungen: Heute, Freitag, 23. November, 11 und 17 Uhr, Karten: Tel. (09 31) 39 08-124

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