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    Würzburg

    Martina Geist: Wenn die Druckplatte zum eigentlichen Werk wird

    Abweichung vom Programm, das vor allem aus bearbeiteten Holzplatten besteht: Diese Ausstellungsstücke hat die Künstlerin Martina Geist genäht und gemalt. Foto: joachim fildhaut

    Die Bilder der Stuttgarter Künstlerin Martina Geist wechseln oft ihre Richtung, bevor sie in ein fertiges Werk münden. Deswegen heißt ihre Ausstellung im Würzburger Kunstschiff Arte Noah im Alten Hafen "mäandern". Den 20 Exponaten sieht man ihr Entstehen allerdings nicht an. Friedliche Zweige mit Früchten, dekorativ Räumlichkeit vorspiegelnde abstrakte Kompositionen – anfangs fragt man sich nach dem Clou der Schau.

    Einen Zugang schaffen die beiden übereinander hängenden Grafiken an der linken Wand, offensichtlich ein Druckstock und der zugehörige Abzug. Die Farben auf dem Sperrholz leuchten intensiver als das Papier. Geist scheint die Platte hervorzuheben gegenüber deren eigenem Sinn, nämlich Druckplatte für einen Holzschnitt zu sein und eine Vervielfältigung zu ermöglichen.

    Wiederholte Abdrucke von einer Platte interessieren sie nicht

    Dem widerspricht die Künstlerin – einfach, weil sie einen anderen Weg einschlägt, und zwar einen interessanten. Die Mehrheit ihrer Ausstellungsstücke sind verleimte Pappelschichten, in die Martina Geist Linien hinein geschnitzt und deren Flächen sie gefärbt hat. Bei der Vernissage erzählt sie, wiederholte Abdrucke davon interessierten sie überhaupt nicht an. Sie macht nur eine einzige Papierversion pro Motiv. Anschließend bearbeitet sie das Holz weiter.

    Die Drucke am Wendepunkt dieses Schaffensprozesses sind freilich hochinteressant und denn auch mehrfach in "mäandern" vertreten. Für sie hat Martina Geist verschiedene Farben auf die Holzplatten gerollt, Papier darauf gelegt und von hinten die Farben auf das Papier gerieben. So mischen sich mitunter vier Farbtöne zu einem lebendig zusammenschraffierten einzigen, und das auf eine Weise, wie es weder mit Pastellkreide noch mit Wachsfarben ginge. Das rare visuelle Vergnügen einer eingehenden Betrachtung gleicht dem Ratespiel vor anspruchsvollen Mehrfarb-Holzschnitten von einer einzigen Platte.

    Das Repertoire der Formen müsste in Würzburg eigentlich gefallen

    Im Dialog mit diesem Zwischenergebnis auf Papier bewegt sich Martina Geist schließlich weiter auf eine endgültige Fassung des hölzernen Unikats zu. Das wird umgefärbt, enthält neue Linien, manchmal sticht Geist ganze Flächen frei. Irgendwie sollen beide Variationen eines Motivs zueinander passen, obwohl sie nicht als zusammengehörige Kunstwerke in den Handel kommen. Der eingangs genannte Druck erschien freilich eigens für diese Ausstellung in einer Auflage von acht Exemplaren.

    Nach so viel spannender Technik noch ein Hinweis auf die Themen: Geist freut sich am Formenrepertoire der 1950er Jahre. Auch ihre Farben forschen mitunter den damals so beliebten Grautönen nach. Das müsste Würzburg eigentlich gefallen.

    Kunstschiff Arte Noah: Martina Geist, "mäandern", Alter Hafen, Würzburg. Bis 26. September, Do.-Sa. 15-18 Uhr, So. 12-18 Uhr.

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