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    WÜRZBURG

    Millionenschwere Trophäen von Vincent van Gogh

    Es ist der Stoff, aus dem Hollywood-Träume sind: Ein Kunsthändler entdeckt auf einem Hof in der Provence ein Bild von Vincent van Gogh – im Hühnerstall. Es ist ein Porträt vom Arzt des Malers, Dr. Félix Rey. Dessen Mutter fand das Bild angeblich so schrecklich, dass sie es zur Reparatur einer kaputten Tür verwendete. Heute hängt es im Puschkin-Museum in Moskau.

    Das zumindest sagt die Legende. Viele ebenso abenteuerliche und doch wahre Geschichten ranken sich um die Gemälde des niederländischen Malers Vincent van Gogh (1853-1890). Der Autor und Journalist Stefan Koldehoff hat sie gesammelt. In „Ich und van Gogh“ (Verlag Galiani) rekonstruiert er den spannenden Weg der Bilder vom Atelier bis zu den Wohnzimmern der Reichen, den Museen der Welt oder privaten Safes. Seine 34 Miniaturen sind zugleich auch verblüffende Porträts der illustren Sammler. Der eine kaufte aus Liebe zur Kunst, ein anderer aus brutaler Gier, einen Dritten trieb kühle Berechnung.

    Schon gut zehn Jahre nach seinem Tod vor 125 Jahren (wir berichteten ausführlich) wurde Vincent van Gogh als Wegbereiter der modernen Kunst bejubelt. Während er zu Lebzeiten nur ein Gemälde verkauft hatte, wurden seine Werke nun zu begehrten Trophäen für die Kultur-, vor allem aber die Geldelite. „Irgendwann wollte jeder einen van Gogh haben“, schreibt Koldehoff – Filmstars, Banker, Schriftsteller oder Großindustrielle. Ob Sonnenblumen, Selbstbildnisse oder südfranzösische Landschaften: Sie gehörten dazu im Pariser Salon, in der Villa in Berlin oder im Appartement an der Fifth Avenue.

    Elizabeth Taylor zahlte 285 000 Dollar

    Ein leidenschaftlicher Verehrer war etwa ein japanischer Baumwoll-Unternehmer, der 1920 eines der berühmten Sonnenblumen-Bilder kaufte und nach Japan verschiffte. Wie einen Augapfel hütete er das Bild, bis US-Bomber im August 1945 beim Angriff auf Hiroshima auch seine Heimatstadt bombardierten. Das Bild verbrannte. Der Japaner hatte es bei seiner Flucht nicht retten können. Der protzige Stuckrahmen hatte es zu schwer gemacht.

    Die Nationalsozialisten diffamierten van Gogh als „entarteten“ Künstler. Doch Hermann Göring, Reichsfeldmarschall und Kunsträuber im Namen der deutschen Nation, riss sich selbst gierig mindestens vier Gemälde unter den Nagel – eines war eine Fälschung.

    Viele Hollywoodstars waren verrückt nach einem echten van Gogh: Die Diva Elizabeth Taylor ersteigerte 1963 mit ihrer Gage aus dem Film „Cleopatra“ ein Bild von der Heilanstalt, in der der Maler kurz vor seinem Suizid behandelt worden war. Sie zahlte 285 000 US-Dollar – allerdings blieb die Kunstliebhaberin dabei in ihrem Pariser Hotel, um den Preis nicht in die Höhe zu treiben.

    Die Liebe zum Bild war immer schon auch eine Geldfrage. Die Preise gingen seit Beginn des 20. Jahrhunderts schnell in die Höhe, weil nur wenige Werke auf den Markt kamen. Die Witwe von Vincents Bruder Theo und damit Haupterbin hielt den Nachlass gut zusammen – bis heute ist das die weltweit größte Sammlung. Ihre Konkurrentin wurde Helene Kröller-Müller, die aus dem Ruhrgebiet stammende Gattin eines niederländischen Unternehmers. Mit ihrem schier unerschöpflichen Reichtum kaufte sie, was sie kriegen konnte.

    Dank dieser beiden Damen blieben viele Bilder in der Heimat des Malers. Ihre Sammlungen sind heute Museen – das Van Gogh Museum in Amsterdam und das Kröller-Müller Museum bei Arnheim.

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