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    WÜRZBURG

    Mit Harry, Ron und Hermine durchs Leben

    Harry Potter, das ist der Held meiner Kindheit. Ich bin mit den Geschichten rund um den bebrillten Zauberschüler aufgewachsen. Egal ob ich krank war, Sommerferien hatte oder einfach nur Ablenkung vom Schulalltag brauchte: Immer wenn ich zu einem der sieben Bücher griff, wurde ich in eine fremde, fabelhafte Welt entführt.

    Dabei begann meine „Lebensreise“ mit Harry Potter ganz unspektakulär: Auf dem Geburtstag meiner Tante war meinem Bruder und mir – damals war ich sechs Jahre alt – langweilig und unsere ältere Cousine entführte uns ins Kino. In „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Damals wusste ich noch nichts über den Erfolg der Bücher oder Filme. Aber die Geschichte fesselte mich. Und diese Begeisterung hält bis heute an.

    Denn auch wenn ich mittlerweile kein Kind mehr bin, kann ich mich der Magie von Joanne K. Rowlings Werk nicht entziehen. Zu geschickt verknüpft sie märchenhaften Charme mit Parallelen zur realen Welt. Zu detailgetreu und authentisch erschafft sie Charaktere, Wesen und mit dem Antagonisten Voldemort sogar die für mich wahre Verkörperung des Bösen.

    Harry Potter ist für mich und meine Generation das, was für Kinder früherer Generationen Pippi Langstrumpf oder Peter Pan waren: Ein Held mit Stärken und Schwächen. Ein Held mit guten Freunden. Der Held meiner Kindheit. Martin Nefzger, Jahrgang 1995, Volontär


    Erst das Buch, dann der Film

    Angefangen hat alles im Jahr 2001 als ich sechs Jahre alt war. Der erste Harry-Potter-Teil war da seit drei Jahren erschienen, 2001 sollte er dann auch auf den Kinoleinwänden zu sehen sein. Die Voraussetzung, dass ich mir diesen Film mit meinen Eltern (beide zu dieser Zeit schon glühende Harry-Potter-Fans) anschauen durfte war, dass ich das Buch entweder lesen oder mir, brillant gesprochen von Rufus Beck, anhören sollte. Und ich weiß noch genau, dass ich von Anfang an von dem Zauber der Geschichte gefangen war.

    Harry, Ron und Hermine wurden von diesem Moment an zu meinen Weggefährten und sind es auch noch heute. Nie vergesse ich, wie ich in meinem Zimmer auf dem Bett lag und zum ersten Mal den Charakter von Severus Snape kennenlernte, als er Harry in der ersten Zaubertrankstunde mit fiesen Fragen piesackte. Ein Charakter, den ich immer noch faszinierend finde. Abgesehen von der zauberhaften Welt, die mir von diesem Augenblick an wie ein zweites Zuhause erschien, bin ich auch sehr froh, dass ich diese Leidenschaft mit meiner ganzen Familie teilen konnte.

    An regnerischen Tagen war es Pflichtprogramm, sich den „Stein der Weisen“ auf Videokassette anzuschauen (irgendwann war diese so oft abgespielt worden, dass sie nicht mehr funktionierte). Einmal sogar wurde die Fahrt in den Urlaub ins Allgäu schon um 12 Uhr nachts begonnen, damit meine Mutter noch schnell den sechsten Teil „Der Halbblutprinz“ aus der Buchhandlung in unserem Heimatort mitnehmen konnte, die extra dafür um Mitternacht geöffnet hatte. Harry Potter ist also sozusagen ein Teil unserer Familie. Und auch heute noch freue ich mich jedes Mal, wenn ich mich an einem verregneten Tag ins Bett legen und beim Anhören des Hörbuchs in diese wunderbare Welt eintauchen kann. Laura-Sophie Lang, Jahrgang 1994, Volontärin


    Den ersten Band an einem Wochenende gelesen

    Neugier hat mich zu Harry Potter gebracht. Und eine Leidenschaft für Geschichten, die in englischen Internaten spielen. Außerdem wollte ich aus erster Hand wissen, warum so viele Kinder in der Verwandtschaft plötzlich über ein Buch sprechen und sich an der Kaffeetafel mit lateinischen Zaubersprüchen duellieren. Deswegen habe ich mir einige Zeit nach dem Erscheinen des ersten Bandes das vermeintliche Kinderbuch mal gekauft.

    Es hat mich sofort gepackt. Was für eine faszinierende Welt! Welcher Ideenreichtum! Was für faszinierende Persönlichkeiten! So viel tiefe Weisheit steckt in diesen Büchern – über Freundschaft, zum Beispiel. Erschreckt hat mich, wie die Potter-Welt im Handstreich zur Diktatur wird, als Dolores Umbridge das Kommando in Hogwarts übernimmt. Wie macht sie das? Indem sie die Niederträchtigen fördert, sie bevorzugt und Angst verbreitet. Und schon kippt ein System. Tiefsinnnig beobachtet von Joanne K. Rowling.

    Den ersten Band habe ich an einem Wochenende gelesen, auf die Fortsetzungen gefiebert. Was für eine Verheißung, wenn ein neuerschienener Band in der Post war – die englische Originalversion war einige Zeit eher im Umlauf als die Übersetzung. Mein Mann und ich haben dann immer zwei Exemplare bestellt, damit wir gleichzeitig lesen können. Susanne Wiedemann, Jahrgang 1965, Redakteurin


    Der Hype hat mich am Anfang eher genervt

    Am Anfang dachte ich, das sind Kinderbücher. Was kein Ausschlusskriterium gewesen wäre. Ich bin ein großer Fan von Astrid Lindgren, Tove Jansson („Die Mumins“), Otfried Preußler, Max Kruse, A. A. Milne, Edith Nesbit und natürlich Paul Maar. Aber irgendwie hat mich der Hype genervt. Plötzlich lasen alle Harry Potter, auch die, die sonst nie ein Buch in die Hand nahmen.

    Irgendwann habe ich es dann doch probiert, da gab es, glaube ich, schon Band drei. Und war sofort gefangen. Der Reichtum der Fantasie, die tiefe Menschlichkeit, ja Weisheit dieser Geschichten erweisen sich immer wieder als unverwüstlich und zeitlos. Deshalb hat Joanne K. Rowling natürlich längst ihren festen Platz inmitten all der anderen großen Autorinnen und Autoren in unserem Bücherregal. In dem übrigens nicht unterschieden wird zwischen Büchern für Kinder und Büchern für Erwachsene. Mathias Wiedemann, Jahrgang 1964, Redakteur


    Es war eine schöne Zeit in Hogwarts

    Ich bin ein Fan von Bestseller-Listen. Vielleicht liegt das an der kulturellen Sozialisation durch Hitparaden in den 60er Jahren, vielleicht aber auch daran, dass das Lesen solcher Listen ein großartiges Gefühl von Informiertheit vermittelt. Manche nennen diese Art der Information auch den schnellen Weg zum Besserwisser, aber das ist ein anderes Thema…

    So studiere ich wöchentlich die Auflistung der erfolgreichsten Kinofilme, obwohl meine Kinobesuche eher selten sind. Bei Sachbüchern wundere ich mich, wie erfolgreich Bücher über Darm und Charme sein können, bei den Musikalben hüte ich mich vor gewagten Aussagen, denn jeder soll das hören und kaufen, was er verdient. Mein eigenes Konsumverhalten hat mit den Listen ohnehin nur begrenzt zu tun, schrecken mich doch manche Autoren und Musiker auch dann ab, wenn sie in den Hitlisten ganz weit oben auftauchen.

    Bei Harry Potter war es anders. Nachdem die Belletristik-Liste vor 20 Jahren auf den ersten Plätzen nur noch aus „Harry Potter und…“ bestand, war mir klar: Das muss ich jetzt mal lesen. Allein schon, um besser zu wissen, wer oder was dieser Harry Potter eigentlich ist. Die Hitliste hatte nicht getäuscht. Der erste Band hatte mich nach wenigen Seiten gepackt, und ich verschlang ihn praktisch an einem Stück. Habe dann sofort in der Familie und bei Freunden mit der Missionierung begonnen – alte Besserwisser- und Hitlisten-Krankheit – und im nächsten Urlaub drei weitere Bände gelesen.

    Danach ist die Liebe zu Harry und seinen Freunden allerdings wieder abgeklungen, und konnte auch durch die Spielfilme nicht wiederbelebt werden, auch wenn diese in den Kino-Listen wieder ganz oben stattfanden. Als Kinderbücher empfand ich die Harry-Potter-Literatur nie. Aber sie schafften etwas, was einem eigentlich nur als Kind gelingt, nämlich ganz tief einzutauchen in eine völlig andere Welt. Kurzum: Es war eine schöne Zeit in Hogwarts und beim Quidditch. Und irgendwie ist Harry ein grandioser Besserwisser… Peter Krones, Jahrgang 1954, Leitender Redakteur


    20 Jahre Harry Potter: Vor 20 Jahren erschien „Harry Potter und der Stein der Weisen“ in deutscher Sprache. Die siebenteilige Saga um den mutigen Zauberlehrling wurde in über 70 Sprachen übersetzt, inzwischen sind weltweit über 450 Millionen Exemplare verkauft, 34 Millionen in Deutschland. Hinzu kommen acht Kinofilme, allesamt Kassenschlager, ein Theaterstück (der inoffizielle Band 8) und verwandte Bücher wie „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“. Die Schöpferin dieser Welt, Joanne K. Rowling, Jahrgang 1965, gilt als reichste Schriftstellerin der Geschichte, ihr Vermögen wird auf 770 Millionen Euro geschätzt, der Wert der Marke Harry Potter auf 15 Milliarden Dollar.

     

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