• aktualisiert:

    Würzburg

    Monteverdichor: Wenn vertonte Lyrik zu purer Emotion wird

    Der Monteverdichor bei einem Konzert im vergangenen Juli. Foto: Monteverdichor Würzburg

    Mit „Sea Drift“ und „The Song of the High Hills“ von Frederick Delius und „Die Glocken“ von Sergei Rachmaninow hatten Matthias Beckert und sein Monteverdichor wieder einmal hierzulande kaum bekannte Musikstücke ausgewählt, die sich in ihrer jeweils eigenständigen Tonsprache wunderbar ergänzten und tönende Natur- und Lebensbilder in die voll besetzte Neubaukirche malten.

    Die gut 30 Männer- und nur unwesentlich mehr Frauenstimmen zelebrieren auf dem Klangteppich, den die Jenaer Philharmonie ausbreitet, die lyrische Vertonung, die Frederick Delius als fließendes, chorsinfonisches Werk geschaffen hat. Chor und Orchester treffen den besonderen Duktus des ganz nach der Tradition englischer Musik um 1900 klingenden Opus und verwandeln die in Töne geschmiedeten Verse von Walt Whitman in pure Emotion.

    Wogende Wassermassen und herber Schmerz

    Da wogen die Wassermassen, bäumt sich die Trauer auf und spitzt sich in höchster Dramatik zu.  Abwechselnd künden der Chor und der Bariton Johannes Weinhuber von glückseligen Höhen im Fluss des Lebens und herbem Schmerz im Moment des Verlusts. In „The Song of the High Hills“ sind vornehmlich die Orchestermusiker gefordert, doch mischen sich, Instrumenten gleich, die Gesangstimmen ein, bis am Ende alle gemeinsam die Klänge scheinbar aushauchen.

    Beinahe zur gleichen Zeit wie Delius’ Werk entstand die Komposition „Die Glocken“. Sergei Rachmaninow ließ sich vom gleichnamigen Gedicht von Edgar Allen Poe inspirieren und entwarf – den vier Strophen des Gedichts gemäß – in vier Abschnitten die Klänge von Schlitten-, Hochzeits-, Feuer- und Totenglocken.

    Beckert führt das große Orchester, Sänger und Solisten (Anna Feith, Sopran, Benedikt Nawrath, Tenor, Johannes Weinhuber, Bariton) entschlossen durch die anspruchsvolle, monumentale Tondichtung. Durch die immer wieder sich wandelnden Melodienbögen in an- und abschwellender Lautstärke entstehen die unterschiedlichsten Stimmungen, von Entzücken und Schwärmerei über dramatische Klangausbrüche und Schreckensrufe in den höchsten Tönen bis zur elegischen Trauermusik. Mit einem melodischen Orchesternachspiel, bei dem die Musiker noch einmal ihre Größe zeigen können, endet ein besonderes Hörerlebnis und wird mit entsprechendem Applaus belohnt.

    Bearbeitet von Ursula Düring

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!