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    Würzburg

    Mozartfest: Dramatik im Freien und Bravorufe im Treppenhaus

    Die kleine Nachtmusik im Hofgarten der Residenz mit dem Philharmonischen Orchester Würzburg. Foto: Silvia Gralla

    Gewagt, gewonnen: Das Wetter hatte sich beruhigt, der Hofgarten durfte sich nochmals in eine große Freiluftbühne verwandeln. "Das Glück ist mit den Tüchtigen", freute sich Intendantin Evelyn Meining, als sie die letzte Nachtmusik des Mozartfestes 2019 eröffnete.

    Die Kerzen schimmerten, die Mäuse flitzten, Enrico Calesso und sein Philharmonisches Orchester Würzburg schickten eine elegante und verspielte "Kleine Nachtmusik" von Mozart in den Abendhimmel. Nie erlag der erfahrene Hofgarten-Dirigent der Versuchung, beim Musizieren im Freien weniger Wert auf differenziertes Gestalten zu legen. Dimitri Ashkenazy zeigte als Solist in Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 eine saubere, solide Leistung, viel mehr aber auch nicht. Seine große Ruhe, auch äußerlich, kam vor allem den ausgedehnten Kantilenen im Adagio zugute. Dafür nutzte das Orchester alle Gelegenheiten zum Auftrumpfen, tänzerisch und spielfreudig ging es im Rondo voran, durchaus zügig – von ferne ahnte man Donnergrollen.

    Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert-Ouvertüre "Das Märchen von der schönen Melusine" ließ Calesso die Sagengestalt der Meerjungfrau musikalisch entstehen, zauberte Wasserspiel, Wellenmusik, Sturm, Dramatik und Gefühle. Zum Abschluss die temperamentvollen "Tänze aus Galánta" von Zoltan Kodály, basierend auf volkstümlicher Musik der Sinti und Roma aus Kodalys ungarischer Heimat: Ein wirkungsvoller "Rausschmeißer"!

    Bachchor Salzburg: Spektakuläres sinnliches Klangerlebnis

    Die letzten zehn Minuten des Wandelkonzerts mit dem Bachchor Salzburg beim Mozartfest wird man nicht so schnell vergessen: Auf den Treppenstufen der Residenz, direkt unter dem Tiepolofresko, drängte sich das Publikum. Rund um die Brüstung die SängerInnen – in acht (!) Chöre zu je fünf Stimmen aufgeteilt. Und dann füllte Chorleiter Alois Glaßner mit seinen in jeglicher Hinsicht exzellent geschulten Musikern die Weite des Raums mit dem 40-stimmigen "Spem in alium" des englischen Komponisten Thomas Tallis (16. Jh.). Ein spektakuläres, ungeheuer sinnliches Klangerlebnis, das sich aufbaute, verästelnd den Raum umwanderte, sich brach, dialogisierte. Eine überwältigende Flut an Eindrücken und Schönheit, minutenlanger Applaus und Bravorufe folgten.

    Dabei war die Qualität des Chores bereits vorher hörbar geworden: Im Hofgarten lauschte man, umhüllt von Vogelgezwitscher und Rosenduft, Naturbezogenem von Claudio Monteverdi und Felix Mendelssohn Bartholdy. Vielfältige Wiener Klassik dann im Kaisersaal: Nach kontrastreich gestalteten Werken von Wolfgang Amadé Mozart und den Gebrüdern Haydn (Klavierbegleitung: Alexander Voronov) zu menschlichen Themen wie Liebe, Trinken oder Singen vollzog sich hier auch der Übergang zum Bereich "Gott", musikalisch eindrucksvoll zelebriert mit Gregorio Allegris "Miserere". Intonatorisch nicht ganz an die Exzellenz des Chores reichte das Trio Gabór Lieli und Walter Krenn, Klarinette, Christoph Hipper, Fagott, welches unter anderem den Weg vom Hofgarten in den Kaisersaal begleitete.

    Pierre-Laurent Aimard, der gelassene Mozart-Pianist

    Mit einer frischen Haydn-Ouvertüre ging es bei tropischen Temperaturen in einen Mozartfestabend mit dem Münchner Kammerorchester unter Clemens Schuldt. Ausverkauft Kaiser- und Weißer Saal, schäumend die Musizierlust zum Auftakt, angenehm das Konzerterlebnis. Starken Eindruck hinterließ der junge Dirigent: Er setzte auf vitales, energisches, sensibles Motivieren und Inspirieren zu differenzierten Ausdrucksqualitäten, etwas detailreich in der Bewegungskunst, immer elegant und äußerst musikantisch. Tempokonzessionen an die Akustik ließ Schuldt nicht zu.

    Pierre-Laurent Aimard trat als Solist in Mozarts Klavierkonzerten Nr. 14 B-Dur und Nr. 17 G-Dur elegant und gelassen auf. Gemeinsam mit dem geschmeidig und punktgenau agierenden Orchester entstand Jubilierendes und Heiteres, niemals überdreht. Feinperlig die Läufe, erfrischend das Spiel mit bodenständigen und grazilen Elementen. Etwas mehr Draufgängertum insgesamt, so wie in der Zugabe, hätte man sich früher gewünscht, auch die langsamen Sätze verliefen an der Grenze zum Schleppen.

    Zum Lauschen verführte "Elongation of Nights" für Streichorchester der litauischen Komponistin Juste Janulyte. 21 eigenständige Partien vereinten sich zu einem flächig schimmernden Sternenhimmel, einer Hülle von Enge, Weite, Dichte und Klarheit zugleich. Verloren in Raum und Zeit – diesem Gefühl konnte man sich hingeben.

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