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    WÜRZBURG

    Mozartfest: Eine beinahe ideale Welt

    Eingebettet zwischen Joseph Haydns 83. und 88. Sinfonie erwachte Wolfgang Amadé Mozarts Konzert für Horn und Orchester Nr. 3 beim Mozartfest im Kaisersaal der Residenz. Es war ein beschwingter, belebender, beseelender Klassik-Musikabend präsentiert von Dirigent Marc Minkowski, dem Ensemble Les Musiciens du Louvre und Hornist Johannes Hinterholzer.

    Haydn komponierte die sechs Pariser Sinfonien (Nr. 82 bis 87) im Geist der Aufklärung und der bevorstehenden Französischen Revolution. Als „Kant der Musik“ bezeichnete Musikwissenschaftler Hansjörg Ewert den Komponisten von über 100 Sinfonien in einer kurzweiligen Konzerteinführung. Den humorigen Beinamen „La Poule – Das Huhn“ der Sinfonie Nr. 83 g-Moll verdankt die Nachwelt jedoch nicht Haydn, sondern dem Publikum. Die Rhythmik aus Vorschlagsnoten und Punktierten erinnert jeden Federviehkundigen an ein lockendes „booock, bockbockbock, booock“.

    Der bäuerliche Tanz

    Federleicht spielten Les Musiciens du Louvre den Eröffnungssatz. Zwischendurch parodierte Dirigent Minkowski gackernde, pickende, rupfende Hühner – herrlich unkonventionell. Das Andante gelang mit langem Atem und war von epischer Schönheit. Wunderbare Dynamiken und Legati sowie betörende Transparenz forderte Minkowski mit kleinen Bewegungen und bekam sie. Aufmerksam achtete er darauf, dass der bäuerliche Tanz im Minuet-Trio nicht zu derb geriet. Im Finalsatz ließ er das Ensemble an der langen Leine und feierte mit ihnen an Jagdszenen erinnernde Sequenzen.

    „Ob Gartenschlauch, Alphorn oder Naturhorn – alle haben sie die gleiche Naturtonreihe“, erklärte Johannes Hinterholzer vor dem Mozartkonzert für Horn Nr. 3 Es-Dur KV 447. Er demonstrierte die hohe Kunst des Naturhornspielers, mit der Trichter-Stopftechnik der rechten Hand chromatische Tonleitern zu spielen. Brillant seine Technik und sein Mozart- Verständnis, wie er in der Kadenz des ersten Satzes bewies.

    Festlich und ehrwürdig

    Festlich, ehrwürdig, erhaben der zweite Larghetto-Satz: scheinbar mühelos schwebte der Hornklang durch den Raum – schuf Klangfacetten von großer Noblesse. Im Finalsatz neigte das Orchester vor überbordender Spiellust das Horn zu übertönen – doch Minkowski zähmte das Ensemble. Als Zugabe spielte Hinterholzer mit einem der beiden Ensemble-Hornisten ein kleines Mozart-Duett – ein naturtonreicher Klanggenuss.

    Das kurzweilige Konzert endete mit Haydns 88. Sinfonie G-Dur. Wieder entfaltete das Ensemble einen mitreißenden „Drive“ im Eröffnungssatz. Sehr innig und überirdisch leuchtend das elegische „Largo“. Wie nah am Ideal die Welt sein könnte, wenn alle von solch edler Gesinnung wären wie die Oboe und das Cello – doch, dass dem nicht so ist, demonstrierten Pauken und Trompeten, die donnernd dazwischen hallten. Im Finalsatz gaben Les Musiciens du Louvre und Dirigent Minkowski alles: Temperamentvoll, pointiert, lustvoll wiegten sie im Klang-Korsett von Haydns kraftvoller, lebenbejahender Energie und feierten ein Grande Finale. Großer Beifall.

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