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    WÜRZBURG

    Mozartfest-Nachtmusik mit Shakespeare

    Stimmungsvoll: die Nachtmusik des Mozartfestes im Hofgarten der Residenz. Foto: Patty Varasano

    Eine Sommernacht, wie man sie sich nur wünschen kann! Erwartungsvolle Stimmung liegt in der lauen Luft, im festlich geschmückten Hofgarten der Würzburger Residenz kann die traditionelle Nachtmusik des Mozartfests ihren Lauf nehmen.

    Sie beginnt, anders als gewohnt und im Programm ausgedruckt, mit einem der populärsten Werke von Wolfgang Amadé, der „Kleinen Nachtmusik“. Entspanntes Nicken, Wippen allenthalben, bisweilen leises Summen und entrückte Mimik. Diese Melodien kennt man, kann sich getrost zurücklehnen, Beifall zwischen den Sätzen als Ausdruck von uneingeschränktem Gefallen. Das Philharmonische Orchester Würzburg unter seinem Leiter Enrico Calesso beginnt lebhaft. Der Dirigent setzt mit weit ausholenden Bewegungen Zeichen, tänzelt vor seinen Musikern und lässt die Finger flattern. Im Allegro klingen lebendig-samtene Töne, in der Romanze entstehen charmante Tupfer. Federnd wiegen sich die Streicher im Menuett, um im Rondeau wieder flink, übermütig und fast ein bisschen frech zu enden.

    Anschließend Auszüge aus der Musik „Ein Sommernachtstraum“ für Sprecher, Soli, Frauenchor und Orchester von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Ouvertüre, vom 17-jährigen Komponisten kreiert – erst 16 Jahre später vollendet er sein Werk – gehört zum festen Konzertbestand. Die Philharmoniker spielen sie mit fein abgetönten Farben, entwerfen die Welt aus Oberons Zauberreich mit Leichtigkeit, lassen Ironie und Humor anklingen, zelebrieren derb-komische Momente, in denen die Handwerker ihr Spiel proben.

    Das alles erlebt, wer seinen Shakespeare kennt. Denn das 400 Jahre alte Verwirrspiel um Elfenkönig Oberon, der gerade mit seiner Frau Titania streitet, die Geschichte um Theseus, der die Amazonen-Königin Hippolyta zu heiraten gedenkt, lässt manchen unter den 3200 Zuhörern die Stirne runzeln. Weiß er doch auch nicht, was es mit den Athener Handwerkern auf sich hat, die zu diesem Anlass die Tragödie „Pyramos und Thisbe“ proben. Zusätzlich zwei Liebespaare und nicht zuletzt der Puck, der einen gehörigen Anteil am Labyrinth der Missverständnisse jener Sommernacht hat.

    Dominique Horwitz, gern gesehener Mozartfest-Gast, liest Shakespeares Texte zwischen den Musikstücken mit Leidenschaft, fistelt wie Thisbe, raunzt derb wie Zettel, schmatzt und zwitschert, beschwört und klatscht und unterstreicht seinen Vortrag mit dramatischer Gestik. Nur schade, dass dies einem Großteil des Publikums entgeht, da die Gestalt im blauen Anzug zwischen den Musikern einfach nicht für alle sichtbar ist.

    Die Philharmoniker setzen das romantisch-poetische Märchenspiel in Musik um. Da sirrt es im Orchester mit den aufmüpfigen Insekten um die Wette, die nun im fürstlichen Garten ihren Abendtanz vollführen. Da entfaltet sich duftiger Elfenzauber (Scherzo), drastischer Humbug (Rüpeltanz).

    Feierlich-frisch und jubilierend musizieren die Bläser den Hochzeitsmarsch – alles ein Hochgenuss. Sopranistin Akio Tsujii und Mezzo Marzia Marzo samt Frauenchor des Mainfranken Theaters, beide zukünftige Ensemblemitglieder des Würzburger Hauses, fügen sich in das Gesamterlebnis, wäre da nicht eine lästige Tonstörung dazwischen. Wohl nicht nur deshalb am Ende kein enthusiastischer, eher höflicher Beifall. Drinnen hätte diese wunderbare Kombination von Wort und Ton wahrscheinlich mehr verdienten Applaus bekommen.

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