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    Würzburg

    Mundstuhl in der Posthalle: Deftige Blödeleien im Doppelpack

    Kostüme wie aus dem Fundus eines Wanderzirkus: Mundstuhl in der Posthalle Foto: Ulises Ruiz

    Über den Daumen gepeilt mögen es knapp 300 Fans sein, die die „Flamongo-Tour“ in die Posthalle gelockt hat. So genau muss man es bei den Auftritten von Mundstuhl weder mit den Zuschauerzahlen noch mit dem Programm-Motto noch mit den oft saftigen Witzen nehmen: Das Comedy-Duo aus Frankfurt erfreut die Liebhaber deftigen Klamauks seit Jahren mit seinem nicht immer stubenreinen Humor.
     

    In ihren Sketchen beweisen Lars Niedereichholz und Ande Werner schauspielerische Wandlungsfähigkeit, präsentieren Ulk-Lieder („Kokain und Strohrum“) mit ordentlicher Singstimme und steigern sich zu enormer Lautstärke in ungehobelten Beschimpfungsorgien. Gegenseitiges Anblaffen, wutentbranntes Niederschreien und herablassende Neckereien haben die beiden Komiker zum Markenzeichen kultiviert und halten damit den Lachpegel hoch.

    Die Paraderollen Dragan und Alder ziehen immer noch

    Bei ihren albernen, teilweise auch schlitzohrigen Streitereien muss sich insbesondere  Ande das Lachen oft verbeißen – zu dumm ist manchmal das Getue, zu hanebüchen die Pointe. Optisch unterstützt werden die schrägen Dialoge durch eine Kostümierung, die an den Fundus eines vor dem Bankrott stehenden Wanderzirkus erinnert. Doch machen die Scherzbolde in kuriosen Damenkleidern als Peggy und Sandy eine tolle Figur. Überfordert von der Doppelrolle „Hauptschule und zwei Kinder“ gewähren die beiden DDR-Tussis freizügig Einblick ins skurrile Familienleben und unter die Röcke.

    Die Nummer besitzt in ihrer drastischen Übertreibung komödiantischen Pfiff. Zu Clownerie verkommt dagegen die als Persiflage auf die Weiße-Tiger-Dompteure Sigfried und Roy gedachte „Zaubernummer“ – nur blöd macht noch keine anregende Comedy. Das gilt ähnlich auch für das wüste Geschrei, mit dem Lars alias Andy seine „Alte, die fette Sau“ beschimpft und die Malaisen der erzwungenen Hochzeit breittritt.

    Dass die zwei Spaßvögel es besser können, zeigen sie in ihren Paraderollen als Dragan und Alder. Die „Kanak Sprak“, mit der die beiden Türken-Lümmel einander niedermachen, bringt ihre verdrehte Weltsicht flinkzüngig und mit umwerfender Komik ins Spiel. Dass in den konfusen Selbstdarstellungen „Scheißendreck“ als unschlagbar treffliche Argumentation dient, verleiht der Ironie der verqueren Monologe besondere Schubkraft. Langer Beifall.

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