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    Würzburg

    Museum der Uni präsentiert seine teuerste Neuanschaffung

    Links die Neuanschaffung, rechts das Gemälde aus dem Bestand: Direktor Damian Dombrowski präsentiert den teuersten Ankauf, den das Martin von Wagner Museum bislang getätigt hat. Foto: Thomas Obermeier

    Ab kommender Woche hängen zwei Bilder im Martin von Wagner Museum sehr schön nebeneinander. Das eine zeigt zwei Männer im Spiegel, den vorderen obendrein real vor dem Spiegel – der hintere malt sie beide zusammen. Neben diesem Gemälde namens "Zwei Künstlerfreunde vor dem Spiegel" von Bernardino Licinio (Venedig um 1530) hängt wieder, nun einzeln porträtiert, der vordere Mann, nur viel schärfer, sehr wachen Auges, mit einem größeren Zirkel in der Rechten, deren erhobener Zeigefinger auch auf der Leinwand nebenan zu sehen ist – allerdings mahnt dort der Zeigefinger der linken Hand um Aufmerksamkeit.

    Gemalt und in solch intensiven Augenkontakt mit dem Betrachter gesetzt hat diesen Künstlerfreund Bartolomeo Passerotti um 1570. Der äußerst lebendig wirkende Porträtierte war da zwar schon 20 Jahre tot, aber immer noch berühmt – Sebastiano Serlio, neben Andrea Palladio führender Architekturtheoretiker seiner Zeit.

    Die Bologneser Maler wurden zu den Taktgebern des Barock

    Und Passerottis Name gilt ebenfalls was. Wie der Würzburger Kunsthistoriker Prof. Damian Dombrowski bei der ersten Präsentation dieser Neuerwerbung in der Residenz sagte, war der Mann "der bedeutendste Porträtist im Bologna der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts". Das klingt nach einer herben Einschränkung, weist in Wirklichkeit aber die Wichtigkeit aus: Die Bologneser Maler zogen sich seinerzeit vom Manierismus der Spätrenaissance zurück und waren, so Dombrowski, "Taktgeber der Barockmalerei".

    Der Inhalt dieser Bilder ist stark mit Würzburger Baugeschichte verwoben: Das Doppelporträt stammt aus dem Nachlass von Residenzbaumeister Balthasar Neumann. Wer darauf abgebildet war, nämlich Serlio, ließ sich erst identifizieren, als das jüngere Einzelbildnis letztens auf dem Kunstmarkt auftauchte. Dass die Uni Würzburg es dort erwerben konnte, lag am Zusammenlegen mehrerer Stiftungen und Sponsoren. Allerdings senkte der Pariser Galerist den Verkaufspreis auch beachtlich von 240 000 auf 130 000 Euro. Schließlich hatte er die seltene Gelegenheit, mal an ein öffentliches Museum zu verkaufen und nicht an spekulierende Multimillionäre.

    Öffentliche Präsentationsfeier im Südflügel der Residenz

    Den Einkaufstipp hatte Dombrowski, der in seiner Eigenschaft als Institutschef die Gemäldesammlung des Martin von Wagner Museums leitet, von seiner Kollegin Sabine Frommel von der Sorbonne bekommen. Die spricht auch bei der öffentlichen Präsentationsfeier im Südflügel der Residenz am Samstag, 20. Juli, 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. 

    Frommels Besuch wird nicht der letzte internationale in Sachen Serlio-Passerotti sein. Angestachelt auch davon, dass dem Wagner-Museum die teuerste Neuanschaffung seit seiner Gründung gelang, plant sie mit Dombrowski eine Ausstellung mit Architektenporträts der Renaissance. Außerdem versucht die Würzburger Uni nun von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eine Stelle finanziert zu bekommen, die sich um die Bologneser Zeichnungen im Depot ihres Kunstmuseums kümmert.

    Die Gemäldegalerie im universitären Martin von Wagner Museum im Südflügel der Würzburger Residenz ist Di.-Sa. 10-13.30 Uhr geöffnet, zur selben Zeit auch jeden zweiten Sonntag. Öffentliche Präsentationsfeier am Samstag, 20. Juli, 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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