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    Würzburg

    Musikalischer Geschlechterkampf im Rathaushof

    Das Philharmonische Orchester im Rathaushof, es dirigiert Enrico Calesso, Solistin ist Barbara Schöller. Foto: Thomas Obermeier

    Kaum ein Wölkchen am Himmel, brütende Hitze, einziges Nass die Schweißtropfen bei den Zuhörern im Hof des Würzburger Rathauses, bei den Musikerinnen und Musikern des Philharmonischen Orchesters und natürlich bei Enrico Calesso am Dirigentenpult: Das letzte Konzert der Saison, ein Open-Air-Sommerevent, widmete sich dem Motto "Geschlechterkampf", wie Konzertdramaturgin Beate Kröhnert als Moderatorin erläuterte.

    Fulminant der Auftakt mit Georges Bizets Ouvertüre zu "Carmen", einer wahren "femme fatale", wie Kröhnert charakterisierte. Die Moderatorin beschäftigte sich nicht nur augenzwinkernd mit den herausragenden Eigenschaften und Fähigkeiten von Frau (mitfühlend, kompromissbereit, sozial- und fußballkompetent) und Mann (Spinnentöter, Lastenträger).

    Der abgetrennte Männerkopf im Handtäschchen

    Aus ihrem goldenen Handtäschchen kramte sie auch einen lebensechten, abgetrennten Männerkopf hervor – handfeste Illustration dafür, dass "Mann schon mal den Kopf verlieren kann". Ein bisschen Philosophie übers Verliebtsein, Hintergrundinformationen über die Programmpunkte – Beate Kröhnert meisterte ihre Zwischenauftritte mit Bravour und viel Humor.

    Groß in Form zeigte sich auch Mezzosopranistin Barbara Schöller: Nicht nur im Chanson-Fach zeigte sie sich vollkommen zuhause; stilsicher und mit entsprechender Präsenz erklangen Titel wie "La vie en rose" (Louis Guglielmi) oder "Padam, Padam" (Norbert Glanzberg). Spritzig, naiv-verführerisch und kokett kam "Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben" (Oscar Straus), sentimental und intensiv Arthur Hamiltons düsteres "Cry Me a River", herrlich überdreht im Karussell der Gefühle "Mon manège à moi" (Glanzberg).

    Orientalischer Foxtrott aus "Salome"

    Gut gelaunt und in Hochform auch das Orchester: Robert Stolz’ Orientalischer Foxtrott aus "Salome" schillerte ganz so, wie sich der Komponist wohl das Morgenland vorgestellt hatte. Die "Explosionspolka" von Johann Strauss lieferte krachende Knalleffekte, die "Tritsch-Tratsch-Polka" ein wenig Neujahrskonzert-Feeling, romantische Gefühlsduselei zum Träumen und Schwelgen Yannik Helms Medley "Hollywood Lovestory".

    Mit "I Did It My Way" kündigte sich das Ende dieses launigen und stimmungsvollen Abends an. Doch erst nach drei Zugaben durften Calesso und sein Orchester ihr applausfreudiges Publikum in die Sommerpause entlassen. Die Musikerinnen und Musiker hatten den Temperaturen übrigens souverän getrotzt: Neben legerer Kleidung kam ihnen auch genug Erfahrung aus dem mollig warmen Orchestergraben des Mainfranken Theaters zugute – ein nasses Handtuch im Nacken, so erfuhr man, tut da Wunder.

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